WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Saudi-Arabien König Abdullah ist tot

Saudi-Arabiens König Abdullah ist gestorben. Das Land trauert um seinen beliebten Herrscher. US-Präsident Obama würdigte Abdullah für seine „gewagten Schritte“ beim Bemühen um Frieden im Nahen Osten.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Saudi-Arabiens König Abdullah ist tot

König Abdullah von Saudi-Arabien ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren, berichtete das nationale Fernsehen am frühen Freitagmorgen. Abdullah war vor wenigen Wochen mit einer Lungeninfektion ins Krankenhaus gebracht worden. Seine Nachfolge hat nach offiziellen Angaben bereits sein Halbbruder, Kronprinz Salman (79), angetreten.

Nach einer Mitteilung des Hofes soll Abdullah noch am Freitag nach dem Mittagsgebet in der Turk-bin-Abdullah-Moschee in Riad beigesetzt werden.

US-Präsident Barack Obama würdigte den Monarchen als aufrichtigen und mutigen Führer. „Die Nähe und Stärke der Partnerschaft zwischen unseren zwei Ländern ist Teil von König Abdullahs Vermächtnis“, teilte Obama am Donnerstag (Ortszeit) in Washington mit. Er habe „König Abdullahs Sichtweise wertgeschätzt und unsere ernst gemeinte und warme Freundschaft geschätzt“, sagte Obama. Abdullah sei stets aufrichtig zu ihm gewesen.

Wissenswertes über Saudi-Arabien

Der US-Präsident würdigte Abdullah zudem für seine „gewagten Schritte“ beim Bemühen um Frieden im Nahen Osten. Obama, der den erkrankten König im vergangenen März besucht hatte, lobte ihn als einen Monarchen, der sich um eine bessere Bildung für seine Bevölkerung und einen guten Kontakt zu der internationalen Gemeinschaft bemüht habe.

Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Abdullah als Mann, „dessen Arbeit die Geschichte seines Landes zutiefst geprägt“ habe. In einer vom Elysee verbreiteten Erklärung lobte Hollande zudem Abdullahs „Vision eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten“.

Al-Sisi reiste aus Davos ab

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi reiste noch am Freitagmorgen vorzeitig vom Weltwirtschaftsforum in Davos ab, um an den Trauerfeierlichkeiten in Riad teilzunehmen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ordnete eine dreitägige Trauer für den verstorbenen saudischen Monarchen an, in Jordanien wurden 40 Tage für die Trauer um Abdullah angesetzt.

Abdullah bin Abdul Asis Al-Saud gehörte zu den beliebtesten Monarchen in der Geschichte des islamischen Königreichs. Seine Popularität dürfte dazu beigetragen haben, dass es während des Arabischen Frühlings 2011 in Saudi-Arabien nur wenige Protestaktionen gab.

Das genaue Alter von Abdullah ist nicht bekannt. Er ist nach unterschiedlichen Angaben im August 1923 oder 1924 zur Welt gekommen. Erst mit über 80 Jahren hatte er 2005 nach dem Tod von König Fahd den Thron bestiegen.

Ölpreise steigen leicht

In dem streng religiösen Königreich unternahm Abdullah in seinen letzten Lebensjahren Modernisierungsschritte. So gründete er gegen den Willen einflussreicher Islam- Gelehrter 2009 die König-Abdullah-Universität, in der Frauen und Männer gemeinsam studieren und forschen. 2013 ernannte er erstmals Frauen zu Mitgliedern des Schura-Rates (eine Art Parlament ohne Gesetzgebungskompetenz).

Politischen Gegnern gegenüber blieb er aber unnachgiebig: Proteste von Schiiten wurden niedergeschlagen; Frauen, die sich dem Fahrverbot widersetzten, wurden empfindliche Strafen angedroht. Aktuell sorgt die öffentliche Prügelstrafe für den islamkritischen Blogger Raif Badawi international für Empörung. Der Internetaktivist war zu zehn Jahren Haft und insgesamt 1000 Stockschlägen verurteilt worden, weil er im Internet den Islam beleidigt und den Säkularismus gerühmt haben soll.

Amnesty protestiert für die Freiheit von Blogger Badawi

In der Region mischte sich Saudi-Arabien ebenfalls in den Kampf gegen missliebige Gruppen ein. So unterstützte Riad 2013 in Ägypten den Sturz des aus der Muslimbruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär. In Bahrain beteiligten sich saudische Panzer aktiv an der Niederschlagung der von Schiiten angeführten Massenproteste gegen das sunnitische Herrscherhaus. In Syrien förderte das Königshaus die Opposition im Kampf gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad.

Ölmarkt reagiert auf Todesnachricht

Der Tod von König Abdullah hat auch Folgen auf dem hochsensiblen Ölmarkt. Die Ölpreise stiegen am Freitag: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete im frühen Handel 49,44 Dollar und damit 92 Cent oder fast zwei Prozent mehr als am Donnerstagabend.

Welchen Staaten der niedrige Ölpreis besonders schadet
Erdölförderung Quelle: dpa
Ölförderung in Saudi-Arabien Quelle: REUTERS
Ölförderung in Russland Quelle: REUTERS
Oman Ölpreis Quelle: Richard Bartz - eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons
Öl-Leitung im Niger-Delta Quelle: dpa
Ölförderpumpe in Bahrain Quelle: AP
Venezuela Ölförderung Quelle: REUTERS

Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 85 Cent auf 47,16 Dollar zu. In einer ersten Reaktion auf den Tod Abdullahs waren die Ölpreise noch etwas deutlicher geklettert.

König Abdullahs Tod erhöht nach Einschätzung von Experten die Unsicherheit über die Ausrichtung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Das größte Ölförderkartell hatte im November angeführt von Saudi-Arabien entschieden, die Förderung trotz des starken Ölpreis-Verfalls nicht zu kürzen. „Kurzfristig wird die Volatilität am Ölmarkt steigen“, sagte Neil Beveridge, Experte bei der Investmentbank Sanford C. Bernstein. Er glaubt nicht an eine Änderung in der Politik Saudi-Arabiens, aber der Tod Abdullahs komme für das Land zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%