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Saudi-Arabien Frauen profitieren von der Wirtschaftskrise

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Männlicher Vormund bei Auslandsreisen, kein Führerschein

Frauen in Saudi-Arabien dürften inzwischen 43.000 Unternehmen gegründet haben. Dazu gehören etablierte Frauen wie die Neupolitikerin Hefzi und junge Frauen wie Alaa Balkhy, Gründerin des Modelabels Fyunka, die mit ihrem hippen Büro auch in Berlin-Mitte arbeiten könnte. Frauen machen 21 Prozent aller Investitionen in den Privatsektor aus und besitzen 75 Prozent aller Bankeinlagen. Die Regierung belohnt Firmen, die Frauen einstellen, subventioniert die Kinderbetreuung am Arbeitsplatz, kassiert die Geschlechtertrennung im Büro.

Obwohl sich in den vergangenen 20 Jahren viel getan hat, müssen sich saudische Frauen noch immer mit Anachronismen herumschlagen. Etwa, dass ein männlicher Vormund Auslandsreisen absegnen muss. Oder dass sie einen Chauffeur brauchen, weil sie nicht selbst Auto fahren dürfen.

Andererseits sind diverse Reformprojekte der Regierung am Konservatismus der saudischen Gesellschaft abgeperlt. Auf dem Campus der King Abdullah University of Science and Technology, kurz Kaust, fahren Studentinnen Auto, sonnen sich im Bikini am Pool und besuchen die Vorlesung ohne Schleier. Das erzählen Besucher der Universität, denn Journalisten haben keinen Zutritt. König Abdullah hat die einzige gemischtgeschlechtliche Universität im Land 2009 gegen den Widerstand der Kleriker und großer Teile der Bevölkerung eröffnet. Die Uni liegt abgeschottet 140 Kilometer nördlich von Dschidda. Was bringt Freiheit, wenn man sie nur in der Wüste leben darf?

Druck auf die Staatskasse lässt den Prinzen keine Wahl

Für Naseif sind die Kommunalwahlen ein weiteres Reformprojekt, das mehr Potenzial hätte entfalten können. „Natürlich wollten viele Nichtregierungsorganisationen, dass König Abdullah auch Frauen zulässt“, sagt sie. Doch nur wenige Frauen haben teilgenommen. „Da sagen viele, die Türe ist offen, wieso gehen sie nicht durch? Das Signal wäre viel mächtiger gewesen, wären statt Tausenden Millionen Bürgerinnen in die Wahllokale gegangen.“

Das sind die reichsten Frauen der Welt
Massimiliana Landini Aleotti
Iris Fontbona Quelle: REUTERS
Charlene de Carvalho-Heineken Quelle: dpa
Abigail Johnson Quelle: AP
 Laurene Powell Jobs Quelle: Imago
Rupert Murdoch und Laurene Powell Jobs Quelle: REUTERS
Susanne Klatten Quelle: dpa

Ob die Regierung den Konservatismus ihrer Landsleute und der Kleriker, die die religiöse Identität des Regimes absichern, bislang vorgeschoben hat, um Reformen zu verschleppen oder nicht: Der Druck auf die Staatskasse lässt den Prinzen keine andere Wahl, als Frauen in die Machtzentren zu bitten. Bei Ölniedrigpreisen, die derzeit bei 40 US-Dollar pro Barrel liegen, muss sich die saudische Wirtschaft diversifizieren. Ohne die Frauen wird das nicht funktionieren. Der einflussreiche Königssohn Prinz Mohammed bin Salman drückte es gegenüber dem „Economist“ betriebswirtschaftlich aus: „Ein Großteil meiner produktiven Faktoren sind nicht in Verwendung.“

Der Internationale Währungsfonds schätzte das Haushaltsdefizit Saudi-Arabiens 2015 auf 140 Milliarden Dollar. Die Saudis müssen plötzlich etwas für sie Unerhörtes tun: sparen. Schon Anfang des Jahres strich die Regierung die Benzinsubventionen. 2017 will Mohammed bin Salman außerdem eine „Sündensteuer“ auf Tabak erheben.

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