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Saudi-Arabien USA fordern transparente Ermittlung im Fall Khashoggi

Der Saudischer Außenminister spricht von Medienhysterie in der Khashoggi-Affäre. Der US-Verteidigungsminister pocht indes auf eine transparente Mordermittlung.

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„Mit Blick auf unser kollektives Interesse an Frieden und dem unerschütterlichen Respekt für Menschenrechte muss uns der Mord an Jamal Khashoggi in einer diplomatischen Vertretung alle beunruhigen.“ Quelle: Reuters

Manama, Prag Nach dem Mord am regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi verlangen die USA von Saudi-Arabien transparente Ermittlungen zu den Todesumständen. US-Verteidigungsminister Jim Mattis sagte am Sonntag in Prag, sein saudiarabischer Kollege Adel al-Dschubeir habe ihm zugesichert, ohne Einschränkungen zusammenzuarbeiten. Eine Auslieferung der Tatverdächtigen an die Türkei lehnte das Herrscherhaus in Riad indes ab.

Mattis erklärte, der gewaltsame Tod Khashoggis im saudiarabischen Konsulat von Istanbul bedrohe die Stabilität in der gesamten Nahost-Region. Die Nichtbeachtung fundamentaler Werte wie Rechtsstaatlichkeit unterminiere die regionale Sicherheit, sagte er am Samstag bei einer Sicherheitskonferenz in Bahrain, wo er seinen saudiarabischen Kollegen traf.

„Mit Blick auf unser kollektives Interesse an Frieden und dem unerschütterlichen Respekt für Menschenrechte muss uns der Mord an Jamal Khashoggi in einer diplomatischen Vertretung alle beunruhigen.“ Den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der im Verdacht steht, die tödliche Attacke auf den Journalisten angeordnet zu haben, nannte Mattis nicht beim Namen.

Mattis machte zudem anhand zahlreicher Beispiele deutlich, wie wichtig der US-Regierung eine Einhegung des wachsenden Einflusses des Iran in der Region ist. Dieser torpediere die politische Stabilität in zahlreichen Ländern, kritisierte Mattis. Die bislang eher zögerliche Reaktion der USA auf die Tötung Khashoggis hängt auch mit der überragenden Bedeutung Saudi-Arabiens in der US-Strategie gegen den Iran zusammen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen forderte bei der Konferenz, die Tötung Khashoggis müsse ungeachtet möglicher politischer Folgen aufgeklärt werden. Dies sei eine Frage der menschlichen Würde und gleichzeitig eine Chance, Glaubwürdigkeit und Vertrauen wiederherzustellen.

Al-Dschubeir spielte die Bedeutung der Tötung Khashoggis vor den Konferenzteilnehmern herunter. Um den Tod des Journalisten habe sich eine „Medien-Hysterie“ entwickelt, sagte er. Zugleich lehnte er die von der Türkei geforderte Auslieferung der als tatverdächtig Festgenommenen ab. Sie würden im Königreich zur Rechenschaft gezogen. Der Prozess werde in Saudi-Arabien stattfinden und die Ermittlungen würden eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Minister. Die Türkei hatte am Freitag die Auslieferung der 18 Verdächtigen gefordert.

Der saudiarabische Minister bemühte sich um Beschwichtigung der USA: Die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien seien unzerstörbar. Sein Land sei ein Leuchtturm des Lichtes, während der Iran die Dunkelheit verkörpere, sagte er.

Khashoggi war Anfang Oktober im saudiarabischen Konsulat in Istanbul getötet worden. Auch ein saudiarabischer Staatsanwalt hatte das Verschwinden Khashoggis zuletzt als Mord bezeichnet. Ursprünglich hatten die Behörden in Riad abgestritten, etwas mit dem Verschwinden Khashoggis zu tun zu haben. Später hieß es, der 59-Jährige sei bei einer Schlägerei in dem Konsultat ums Leben gekommen.

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