Schlagabtausch USA-Venezuela US-Sanktionen empören Caracas

Wirtschaftlich sind die USA und das sozialistische Venezuela eng verbunden, politisch wird der Graben aber immer tiefer. Washington legt Staatschef Maduro die Daumenschrauben an. Caracas ist empört.

Das Ende der Eiszeit
Revolutionäre an die Wand Die meistgefeierten Revoulutionsführer Ernesto „Che“ Guevara, „El Commandante en Jeffe“ Fidel Castro, der „Maximo Lider“, und Camilo Cienfuegos (von links). Unten links die Yacht „Granma“, mit der die Revolutionäre 1956 von Mexiko nach Übersetzen und ihren Guerillakampf begannen. Quelle: Henning Krumrey
Jugend und Alter Die Mehrzahl der Häuser in Havanna sind in einem beklagenswerten Zustand. In die historische Altstadt fließen UNESCO-Mittel, um das Weltkulturerbe zu retten – in den normalen Wohnvierteln ist wenig Hilfe in Sicht. Quelle: Henning Krumrey
Machete gegen Mörtel Der Trümmermann in einem Quartier südlich der Innenstadt bereitet das Material für den Wiederaufbau vor. Quelle: Henning Krumrey
Tristesse an der Prachtstraße Selbst am viel gerühmten „El Malecon“ stehen etliche Häuser leer und vergammeln Quelle: Henning Krumrey
Auto-Torso Die alten amerikanischen Straßenkreuzer lassen sich oft nur mit größtem handwerklichen Geschick und vollem Körpereinsatz flott halten. Quelle: Henning Krumrey
Kubanische Flotte Zum Straßenbild gehören die aufpolierten US-Schlitten, die Cadillacs und Chevrolets der 50er und frühen 60er Jahre, die Touristen durch die Stadt kutschieren Quelle: Henning Krumrey

Die ohnehin stark belasteten Beziehungen zwischen den USA und dem sozialistisch regierten Venezuela steuern auf einen neuen Tiefpunkt zu. US-Präsident Barack Obama wertete die Lage in dem Land als „außergewöhnliche Bedrohung“ für die nationale Sicherheit der USA. Dies ist eine Voraussetzung für die Verhängung von Sanktionen. Tatsächlich kritisieren die USA das harte Vorgehen der Behörden in Caracas gegen Oppositionelle und Regierungskritiker.

Nicolás Maduro, der Staatschef Landes, das trotz Ölreichtums in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt, reagierte am Dienstag heftig. Obama repräsentiere die „imperialistische Elite“ der USA und wolle ihn stürzen, schimpfte Maduro. Obama erinnere ihn an Frankenstein, die Sanktionen seien die „größte Aggression“ der USA gegen sein Land.

Die größten Gläubiger der USA

Zugleich sind die USA aber einer der wichtigsten Abnehmer venezolanischen Öls und damit ein wichtiger Devisenbringer. Der Schlagabtausch zwischen Washington und Caracas könnte auch die Wiederannäherung zwischen den USA und Kuba nach 50 Jahren Eiszeit erschweren. Die US-Sanktionen seien „willkürlich und aggressiv“, schrieb die kubanische Regierung in der kommunistischen Parteizeitung „Granma“. Revolutionsführer Fidel Castro wandte sich persönlich an Maduro. „Ich beglückwünsche Dich zu Deiner brillanten und mutigen Rede gegen die brutalen Pläne der US-Regierung“, schrieb er in einem Brief.

In den USA begrüßte der republikanische Senator Marco Rubio zwar die Sanktionen gegen Venezuela, forderte Obama aber zugleich auf, die seit Jahrzehnten bestehenden Sanktionen gegen Kuba nicht wie angekündigt aufzuheben.

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Die Einstufung als Bedrohung ging am Montag aus einem Erlass der US-Regierung hervor, mit dem zugleich Sanktionen gegen sieben ranghohe Beamte in Venezuela verhängt wurden, unter ihnen der venezolanische Geheimdienstchef Gustavo Enrique González López, der nationale Polizeichef Manuel Eduardo Pérez Urdaneta und Staatsanwältin Katherine Nayarith Haringhton Padron. Ihnen werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Caracas beorderte seinen Geschäftsträger aus der Botschaft in Washington zurück. Beide Länder haben seit 2010 keinen Botschafter mehr in der jeweiligen Vertretung.

In einer Erklärung aus dem Weißen Haus hieß es: „Wir sind tief besorgt über die Bestrebungen der venezolanischen Regierung, die Einschüchterung ihrer politischen Gegner auszuweiten.“ Venezuelas Probleme könnten nicht durch eine „Kriminalisierung“ abweichender Meinungen gelöst werden. Die nun verkündeten Sanktionen waren Anfang Dezember im Kongress beschlossen worden. Obama hatte das Gesetz anschließend unterzeichnet.

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