Schlimmste Hitze seit sechs Jahrzehnten Nach Null-Covid erleidet China jetzt auch noch einen Hitzschlag

In China macht die schlimmste Hitze seit sechs Jahrzehnten Shanghai und großen Teilen des Landes zu schaffen Quelle: imago images

Die ohnehin schon schwer angeschlagene Wirtschaft muss nun auch noch mit den Folgen der schlimmsten Hitze seit Jahrzehnten klarkommen. Auch deutsche Unternehmen können wegen Stromknappheit nur eingeschränkt produzieren.

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Shanghai ist die mit Abstand wichtigste Wirtschaftsmetropole Chinas. Doch für die größte und wohlhabendste Stadt der Volksrepublik war es bisher ein katastrophales Jahr. Zwei Monate lang ging im April und Mai in Shanghai überhaupt nichts mehr, weil sich die Menschen der strikten Null-Corona-Politik der Regierung beugen mussten und in einen harten Lockdown geschickt wurden.

Gerade begann sich die Stadt von den Auswirkungen zumindest etwas zu erholen. Doch nun macht die schlimmste Hitze seit sechs Jahrzehnten der Metropole und großen Teilen des Landes zu schaffen. Bereits vergangene Woche beklagten einige Unternehmen in Shanghai mehrstündige Unterbrechungen der Stromversorgung. Um Energie zu sparen, ordneten die Behörden nun auch noch an, die Beleuchtung der berühmten Shanghaier Skyline am sogenannten Bund, dem beliebten Touristen-Hotspot für Fotos, abzuschalten. Viele in der Stadt fürchten, dass dies nur der Anfang war und auch Fabriken oder sogar der Frachthafen beeinträchtig werden könnten, sollte sich die Lage nicht bald entspannen.

In anderen Teilen Chinas hat die Hitze bereits schwere Schäden angerichtet. Besonders betroffen ist die südwestchinesische Provinz Sichuan, die wie keine andere Region Chinas von Wasserkraft abhängig ist. Über 80 Prozent der Energie werden mit Hilfe von Flüssen- und Stauseen bereitgestellt. Doch deren Pegel haben zum Teil die niedrigsten Stände seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht, was sich nun massiv auf das Energie-Angebot auswirkt.

Obwohl die Temperaturen in den vergangenen Wochen immer wieder über die Marke von 40 Grad stiegen, dürfen viele Einkaufszentren und auch Büros ihre Klimaanlagen nicht mehr einschalten. Fabriken in Sichuan können wenn überhaupt nur noch eingeschränkt produzieren, weil sie den Strom rationieren müssen. Berichten zufolge sind etwa 16.500 Unternehmen betroffen.

Sichuan ist vor allem von großer Bedeutung für die Elektro- und Autoindustrie, weil dort wichtige Rohstoffe wie Lithium und Silizium verarbeitet werden. Auch haben die im Vergleich zur Ostküste relativ geringen Löhne in Sichuan in den vergangenen Jahren zahlreiche Unternehmen angelockt, die dort neue Fabriken eröffnet haben. Toyota ist vertreten, aber auch Intel sowie Apple-Zulieferer Foxconn. Und auch CATL, Chinas größter Hersteller von E-Auto-Batterien, fertigt in der Region. „Die mangelnde Energiesicherheit stellt deutsche Unternehmen in China vor große Herausforderungen“, warnt auch Jens Hildebrandt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in China (AHK). Auch die Produktionsbänder einiger deutscher Firmen in betroffenen Regionen stünden derzeit still.

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Nachdem die Corona-Lockdowns in China im Frühjahr die Lieferketten unterbrochen hatten und die strikte Null-Covid-Politik bis heute die zweitgrößte Volkswirtschaft bremst, erschwert jetzt zusätzlich wieder Strommangel die Produktion. Ganz neu ist das Problem nicht, denn bereits im vergangenen Jahr fehlte es Firmen in China in einigen Regionen an Strom. Schuld war keine Hitzewelle, sondern Probleme im Zusammenhang mit den Kohlekraftwerken des Landes. Damals mussten deutsche Firmen auf 20 bis 30 Prozent ihres Strombedarfes verzichten, was die Produktion großflächig zum Stillstand gebracht hatte.

Die Probleme im vergangenen Jahr hingen mit den strikten Klimazielen der chinesischen Regierung zusammen. Weil Emissionen reduziert werden sollten, hatten die Lokalregierungen begonnen, Strom zu rationieren, um die vorgegebenen Quoten erfüllen zu können. Hinzu kamen hohe Preise für Kohle und ein ungewöhnlich großer Energie-Bedarf der Industrie, die wegen Nachholeffekten nach der Corona-Krise Bestellungen aus aller Welt abarbeiten musste. Während Kohle im vergangenen Jahr die Probleme auslöste, soll sie jetzt Teil der Lösung sein.

Wie aus Regierungsdaten hervorgeht, verbrannten Kraftwerke in China in den ersten beiden Augustwochen täglich 8,16 Millionen Tonnen Thermalkohle, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am 3. August erreichte der tägliche thermische Kohleverbrauch sogar ein neues Rekordhoch von 8,5 Millionen Tonnen. Verluste bei der Wasserkraft sollen durch Kohlekraftwerke zumindest in Teilen aufgefangen werden. Das ist natürlich kontraproduktiv für die Klimaziele. Doch scheint die Regierung zu dem Schluss gekommen zu sein, dass die Wirtschaft neben Zero-Covid nicht noch einen weiteren Schlag verkraften kann.

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Um der Konjunktur auf die Beine zu helfen, kündigte Chinas Staatsrat am Mittwoch weitere Milliardenhilfen an. Mehr als 300 Milliarden Yuan (etwa 44 Milliarden Euro) soll demnach zusätzlich an Mitteln für den Ausbau der Infrastruktur bereitgestellt werden. Die Ausweitung der Investitionen solle dabei helfen, „die wirtschaftlichen Aktivitäten auf einem stetigen Kurs zu halten“, sagte Chinas Premierminister Li Keqiang. Auch finanzielle Hilfen für die staatlichen Stromerzeuger wurden angekündigt. Sonderanleihen im Umfang von 200 Milliarden Yuan sollen eingesetzt werden, um die Energieversorgung zu unterstützen. Kurzfristig wird dieses Geld die Probleme jedoch sicher nicht lösen können.

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