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Schuldenkrise Angst um Italien

Nach Griechenland rückt jetzt Italien in den Fokus. Die Europäische Zentralbank hat ein Krisentreffen einberufen und soll schon eine Verdoppelung des Rettungsschirms auf 1,5 Billionen Euro planen.

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Italien im Visier Quelle: dpa/dpaweb

Noch immer ist nicht geklärt, wie die griechische Schuldenkrise gelöst werden soll, da nehmen die Märkte das nächste Land in ihr Visier. Der Druck auf Italien nimmt massiv zu, die Europäische Zentralbank (EZB) fordert einem Zeitungsbericht zufolge schon eine deutliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirmes zum Schutz von Italien.

Unter Berufung auf hochrangige Zentralbankkreise berichtete „Die Welt“, der Schirm müsse nach Ansicht von Notenbankern möglicherweise auf 1,5 Billionen Euro verdoppelt werden. „Der bestehende Schirm in Europa reicht nicht aus, um eine glaubwürdige Schutzmauer um Italien zu bauen. Dafür war er nie angelegt“, zitiert die Zeitung einen europäischen Zentralbanker, der nicht genannt werden wollte. Inzwischen gebe es im EZB-Rat einen breiten Konsens über eine Verdoppelung des Schirms, heißt es in dem Vorabbericht weiter.

"Wir machen uns große Sorgen um Italien"

Aus Furcht vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien hat EU-Ratspräsident Herman van Rompuy EU-Kreisen zufolge für Montagmorgen ein Krisentreffen einberufen. „Wir machen uns große Sorgen um Italien“, sagte ein ranghoher Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank (EZB). Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Kein anderes Land mit der Gemeinschaftswährung außer Griechenland schiebt relativ zu seiner Wirtschaftsleistung einen so großen Schuldenberg vor sich her.

„Wir können uns nicht mehr viele Tage wie Freitag erlauben“, sagte der EZB-Vertreter. Am Freitag hatte der Druck der Finanzmärkte auf Italien deutlich zugenommen. Anleger wollten italienische Staatsanleihen nur noch kaufen, wenn sie dafür die höchste Gefahrenzulage seit Schaffung des Euro kassieren konnten. Die Zinsen näherten sich dabei einem Niveau an, dass einige Volkswirte für eine kritische Schwelle halten. Die Aktien von Italiens größter Bank Unicredit fielen um fast acht Prozent.

Die Regierung in Rom bemüht sich angesichts der Furcht vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien um demonstrative Einigkeit. „Ab Morgen besteht unsere Aufgabe darin zu zeigen, dass wir geschlossen stehen und die Anstrengungen der Spekulanten blockieren“, sagte am Sonntag der Staatssekretär und Berater von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, Paolo Bonaiuti. „In den kommenden Monaten haben wir Anleihen-Ausgaben von 120 bis 130 Milliarden Euro bewältigen“, ergänzte er. Benötigt werde Zusammenhalt und ein geeinter Wille. Man werde sich anstrengen müssen, um zu zeigen „dass die Märkte übertreiben“.

Die italienische Börsenaufsicht Consob hat als Reaktion darauf am Sonntag die Regularien für Leerverkäufe von Aktien an der Börse verschärft. Damit soll die Volatilität des Aktienmarktes eingedämmt werden. Ab Montag müssen Anleger die Consob unter anderem über Netto-Short-Positionen in italienischen Aktien informieren, wenn sie 0,2 Prozent oder mehr des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft entsprechen. Weiterhin müssen dann Veränderungen in den Short-Positionen ab einer bestimmten Größenordnung gemeldet werden. Ähnliche Regeln existieren laut Consob bereits in Deutschland und in anderen europäischen Staaten.

Die Finanzmärkte sorgen sich jedoch nicht nur über die hohen Schulden des Landes, sondern auch um die kriselnde Wirtschaft und lähmende politische Streitereien. Viele Anleger fürchten etwa, dass Ministerpräsident Silvio Berlusconi seinen Finanzminister Giulio Tremonti loswerden will, der das Haushaltsdefizit mit scharfen Einsparungen in den Griff bekommen will.

Am Montag kommen - wie bereits schon länger geplant - auch die Finanzminister der Euro-Zone zusammen, um eine Beteiligung des privaten Sektors an neuen Hilfen für Griechenland zu diskutieren. Zudem werden sie bei ihrem Treffen die Ergebnisse des Stresstests begutachten, bei dem 91 europäische Banken auf ihre Krisenfestigkeit geprüft wurden. In der EU wächst die Sorge, dass die Gespräche über ein zweites Rettungspaket für Griechenland nicht schnell genug vorankommen. „Wir müssen uns hier in den kommenden zwei Wochen bewegen. Wir können nicht bis Ende August oder Anfang September warten, wie Deutschland sagt. Das ist zu spät und die Märkte werden dafür einen Preis verlangen“, sagte ein ranghoher EU-Beamter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Verhandlungen über das zweite Paket stecken derzeit fest. Knackpunkt ist dabei die von Deutschland und anderen Ländern geforderte Beteiligung privater Gläubiger.

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