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Schuldenkrise Den Ratingagenturen ausgeliefert

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Doch Schäuble will ein Exempel statuieren. Um neues Geld nach Griechenland zu schicken, braucht er einen messbaren und substanziellen Beitrag der Anleihegläubiger, wie ihn immer mehr Abgeordnete seiner Regierungskoalition fordern. Doch eine erzwungene Verlängerung der Laufzeiten würden die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) und die EZB als Ausfall bewerten. Das Rating der Griechen-Anleihen sänke auf Default. Aus dem Horrorszenario würde Realität.

Deshalb redet Schäuble jetzt von einer freiwilligen Lösung nach dem Vorbild der „Wiener Initiative“. Diese bestand 2009 aus dem Versprechen der Banken, ihre Engagements in Mittel- und Osteuropa zu halten und ihre dortigen Tochterinstitute mit frischem Kapital zu versorgen. So wurden damals die von der Finanzkrise gebeutelten Staaten entlastet. Doch damals ging es um Kredite. In der Griechenland-Krise geht es um Staatsanleihen. Damals spann im Hintergrund der österreichische Zentralbankgouverneur Ewald Nowotny die Fäden. Jetzt haben die Ratingagenturen den Finger am Abzug.

Das Rating entscheidet

Im Gegensatz zur EZB und S&P ist es für die Ratingagentur Fitch egal, ob ein Anleihentausch freiwillig oder unfreiwillig zustande kommt. So setzte Fitch die Europäer kurz vor dem EU-Gipfel in der vergangenen Woche mit der Ankündigung unter Druck, sie würde das Land bei einer Verlängerung der Laufzeiten in jedem Fall mit Restricted Default bewerten. Schließlich sei eine solche Umstrukturierung ein eindeutiges Indiz für die Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise beschränkte Zahlungsfähigkeit Griechenlands. Doch ein Hintertürchen halten sich die Bonitätsprüfer von Fitch noch offen: Griechische Anleihen, so ihre feinsinnige Unterscheidung, müssten dann noch nicht auf Pleite-Status fallen. Immerhin werde die Rückzahlung vollzogen, sodass die Ratingnote Restricted Default oder Default nicht gerechtfertigt wäre.

Bei S&P dagegen scheint der Fall klar: Die Ratingagentur will Griechenland Pleite-Status attestieren, sobald der Kupon neuer Anleihen unter den derzeitigen Marktrenditen liegt. Dann aber könnte das Land seine Schulden niemals bedienen, eine Finanzierung zu den gegenwärtigen Marktbedingungen wäre für Griechenland unmöglich. Hinzu kommt: In den Augen von S&P ist jedes Umtauschangebot unfreiwillig, wenn der Emittent mit „B-“ oder schlechter bewertet wird. S&P hatte die Griechen erst vor Kurzem von „B“ auf „CCC“ heruntergestuft. Damit ist sicher, dass Griechenland-Anleihen von S&P mit „Selective Default“ oder „Default“ bewertet würden.

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