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Schuldenkrise Den Ratingagenturen ausgeliefert

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Unklar ist, wie sich Moody’s verhalten wird. In der Vergangenheit war die Agentur eher zurückhaltend. Als Uruguay 2003 seine Anleihen umtauschte, stuften S&P und Fitch das Land während den wenigen Wochen, in denen der Umtausch abgewickelt wurde, auf Selective Default beziehungsweise Restricted Default. Moody’s dagegen verzichtete auf irgendeine Form von Default-Rating. Sollte Moody’s bei einer Laufzeitverlängerung und gleich bleibendem Kupon Griechenland mit Selective Default bewerten und Fitch das Rating für die Anleihen nur von B+ auf CCC senken, wäre die Situation erst mal stabil. Denn die EZB orientiert sich bei ihrer Einschätzung jeweils an dem besten Rating der vier großen Agenturen S&P, Moody’s, Fitch und der DBRS. Und da die kanadische DBRS die Griechen nicht bewertet, kann von ihr keine Gefahr ausgehen. Im Klartext: Hält sich Fitch an die Ankündigung, Griechenland und seine Anleihen unterschiedlich zu bewerten, und bliebe Moody’s seiner Linie treu, wäre die Liquiditätsversorgung des griechischen Bankensystems auch im Fall einer freiwilligen Verlängerung der Laufzeiten erst einmal gesichert.

Aus Gefälligkeit will niemand Verluste machen

Das alles nützt nichts, wenn die Anleihebesitzer nicht mitmachen. Aus ihrer Sicht sind verlängerte Laufzeiten bei gleich bleibendem Kupon ein mieses Geschäft, solange die Marktrenditen deutlich höher liegen. Aus bloßer Gefälligkeit gegenüber der Politik wäre wohl keine Bank oder Versicherung bereit, ein solches Verlustgeschäft zu tätigen. Zumal sie damit auch gegen das Aktiengesetz verstoßen würden. Schließlich handelt es sich hierbei um eine Veruntreuung von Geldern. Die Deutsche Bank pocht daher auf besondere Zugeständnisse. So sollen Gläubiger, die sich an der Verlängerung der Laufzeiten beteiligen, bei einer möglichen zweiten Umschuldung bevorzugt behandelt werden. Doch das reicht vermutlich nicht, um alle Gläubiger zu überzeugen, mitzumachen. Möglich wäre auch, dass die EZB zukünftig lediglich die neuen, umgetauschten Bonds als Sicherheit akzeptiert. Aber auch das erscheint unwahrscheinlich, da es die Institute indirekt zwingt, sich am Umtausch zu beteiligen. Dann aber wäre die ganze Aktion nicht mehr freiwillig.

Die lateinamerikanische Schuldenkrise als Vorbild

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) fordert deshalb öffentliche Bürgschaften. Ähnlich äußerte sich der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB), die Dachorganisation der Landesbanken. Vorbild dafür könnten die Brady Bonds sein, die sich in der lateinamerikanischen Schuldenkrise der Achtzigerjahre bereits bewährt haben. Die Gläubiger tauschten damals ihre Anleihen in neue Papiere mit verringertem Zinssatz und längerer Laufzeit um, was jetzt auch Griechenland zwei, drei Jahre Luft verschaffen und die Finanzmärkte etwas beruhigen könnte. Die Rückzahlung dieser Brady Bonds müsste allerdings durch die Euro-Staaten garantiert werden. Ein solcher Deal fände zwar den Segen der Ratingagenturen, da das Angebot komplett freiwillig ist. Doch dagegen sträubt sich bisher noch die EZB. Ihr Argument: Die Banken hätten dann zwar einen Anreiz, ihre alten und ausfallgefährdeten Papiere gegen sichere Titel einzutauschen, aber gleichzeitig würden sie die Risiken damit auf den Steuerzahler abwälzen, der für die Garantien geradestehen müsste.

Bleibt die Frage, ob sich wegen all dieser Schwierigkeiten das Bestehen auf einer freiwilligen Beteiligung der privaten Gläubiger überhaupt lohnt. Oder ist die Aktion am Ende nicht viel mehr als eine riesige PR-Kampagne, mit der Schäuble die Kritiker in den eigenen Reihen besänftigen will?

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