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Schuldenkrise Gefährliche Rettung der Pleitestaaten

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Unter diesen Bedingungen ist es so gut wie unmöglich, den Staatshaushalt zu sanieren und den Schuldenstand zu drücken. Schon jetzt gehen 25 Prozent der Steuereinnahmen für den Zinsdienst drauf, bei einem Durchschnittskupon von nur 4,5 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote bei rund zwölf Prozent. „Kein Land hält es wirtschaftlich und politisch lange durch, wenn ein Drittel seiner Steuereinnahmen in den Zinsdienst fließt“, sagt Bert Flossbach, Geschäftsführer des unabhängigen Vermögensverwalters Flossbach & von Storch aus Köln.

Willem Buiter, Chefvolkswirt der Citigroup, hält einen Staatsbankrott für eine gangbare Lösung. „Der Zahlungsausfall eines Staates ist nicht das Ende der Welt“, sagt Buiter, der vor seiner Tätigkeit für die Citigroup als Professor in London und als Führungsmitglied der britischen Zentralbank gearbeitet hat. Zwar hielten vor allem Banken aus anderen Euro-Ländern Schuldtitel Griechenlands. Dennoch sei ein Staatsbankrott „keine so große systemische Gefahr wie der Konkurs einer global vernetzten Bank wie Lehman Brothers“, sagt Buiter. Der Grund: Anders als Unternehmen verschwinden Länder nicht vom Erdboden, ihre Aktiva wie die Infrastruktur, die Ressourcen und die Produktivität ihrer Einwohner bleiben. Die meisten Länder, die einen Bankrott hingelegt haben, nehmen daher später ihre Zahlungen wieder auf.

Keine Angst vor dem Bankrott

Zwar fällt es ihnen nach dem Bankrott häufig schwer, wieder Zugang zum Kapitalmarkt zu bekommen. So hat Argentinien nach dem Staatsbankrott im Jahr 2001 bis heute noch keine privaten Investoren aus dem Ausland gefunden, die bereit sind, dem Land neue Kredite zur Verfügung zu stellen.

Zwangsläufig aber ist das nicht, wie das Beispiel Russlands zeigt. Als während der Asienkrise 1997 Investoren in sichere Häfen flohen, zogen viele Anleger ihr Kapital aus Russland ab, woraufhin die Zinsen für russische Staatsanleihen in die Höhe schossen. Im Juli 1998 erhielt Russland vom IWF und der Weltbank Kreditzusagen über 22,6 Milliarden Dollar. Doch das Hilfspaket konnte die Abwertung des Rubel nicht verhindern. Im August 1998 gab die russische Regierung den Wechselkurs des Rubel, der zuvor an den US-Dollar gebunden war, frei. Gleichzeitig setzte sie die Rückzahlung der Auslandsschulden aus.

Höchstens 30 Prozent Verlust

In den Folgejahren wurden die russischen Verbindlichkeiten teilweise gestrichen oder umgeschuldet. Die russische Wirtschaft konnte sich danach vor allem dank des rasant steigenden Ölpreises schnell erholen. Im August 2006 zahlte Russland Schulden von 23 Milliarden Dollar an die Länder des Pariser Clubs vorzeitig zurück. Inzwischen verfügt das Land wieder über eine gute Reputation an den Kapitalmärkten.

Auch bei Griechenland spricht einiges dafür, dass das Land nach einem Staatsbankrott weiter Zugang zum Kapitalmarkt hat. „Ein Staatsbankrott im Euro-Raum wird sich auf eine Umstrukturierung der Schulden beschränken, bei der die Gläubiger verlängerten Laufzeiten der Kredite zustimmen und mit Forderungsverlusten von höchstens 30 Prozent konfrontiert werden“, erwartet Buiter. In Argentinien dagegen mussten die Gläubiger 65 Prozent ihrer Forderungen abschreiben.

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