WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Schuldenkrise Gefährliche Rettung der Pleitestaaten

Seite 4/4

Probleme für die Banken

Für die Banken in den Euro-Ländern allerdings wäre eine Umschuldung weniger angenehm. So haben europäische Institute insgesamt Forderungen von 189 Milliarden Euro gegenüber Griechenland in ihren Büchern, 75 Milliarden davon entfallen auf französische Banken, 45 Milliarden auf deutsche. Griechische Banken sind mit 30 bis 45 Milliarden Euro mit von der Partie.

Stellte Griechenland seine Zahlungen ein, müssten die Finanzinstitute Milliarden abschreiben. Nach Ansicht von Vermögensverwalter Flossbach wäre das aber kein großer Schaden: „Viele Banken erzielen schon wieder hohe Gewinne und könnten die Abschreibungen schultern, zumal es sich um einen einmaligen Effekt handelt.“

Schuldendienst übernehmen

Banken, die die Wertberichtigungen nicht tragen können, müssten sich frisches Eigenkapital besorgen – entweder am Markt oder beim Staat. Für den deutschen Steuerzahler und die Stabilität des Euro wäre das allemal besser als weitere milliardenschwere Notkredite nach Athen, Lissabon oder Madrid zu überweisen, die den Anreiz der dortigen Regierungen zur nachhaltigen Sanierung des Staatshaushalts nur schwächten.

Doch in der Bundesregierung, beim IWF und bei der EZB scheint man das anders zu sehen. Nach den jüngsten Turbulenzen müsse man Griechenland für drei Jahre „vom Markt nehmen“. Was das bedeutet ist klar: Die Steuerzahler in den Euro-Ländern müssten für diese Zeit den kompletten Schuldendienst für Griechenland übernehmen. Die 8,4 Milliarden Euro als Beitrag Deutschlands, von denen bisher die Rede war, dürften daher nur der Anfang der Transferspirale sein.

Was auf den Steuerzahler zukommen könnte

Finanzexperten schätzen den Kreditbedarf Griechenlands für 2011 und 2012 auf jeweils 40 bis 50 Milliarden Euro, 2013 kommen noch einmal 28 Milliarden hinzu. Bliebe es bei der Ein-Drittel-Zwei-Drittel-Aufteilung zwischen IWF und den Euro-Ländern und dem deutschen Finanzierungsanteil von 28 Prozent am Euro-Land-Paket, kämen auf den deutschen Steuerzahler in den nächsten drei Jahren zusätzliche Belastungen von bis zu 24 Milliarden Euro zu.

Das ist ziemlich genau die Summe, die die Bundesregierung den Wählern im Herbst vergangenen Jahres als Steuerentlastung versprochen hat. Bleibt die aus, wissen die Bundesbürger wenigstens, wohin das Geld geflossen ist.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%