Schuldenkrise in Spanien Notenbank-Chef geht einen Monat früher

Eigentlich sollte Miguel Angel Fernández Ordoñez erst am 12. Juli seinen Sessel räumen. Dann lief auch sein Vertrag aus. Doch nun entscheidet sich der Notenbankchef, seinen Platz schon ein Monat früher aufzugeben.

Der Chef der spanischen Notenbank, Miguel Angel Fernández Ordoñez. Quelle: REUTERS

Eigentlich wollte der spanische Notenbank-Chef, Miguel Angel Fernández Ordoñez, seine Position zu der Teilverstaatlichung der angeschlagenen Bankia erläutern. Dies sollte im spanischen Parlament stattfinden, in aller Öffentlichkeit. Doch die Regierungspartei PP hat sich diesem Vorschlag widersetzt. "Zu diesem Zeitpunkt ist es kontraproduktiv, dass der Notenbank-Chef sich dazu äußert", ließ ein Abgeordneter der PP die spanische Tageszeitung El Pais wissen. Zu diesem Zeitpunkt würde das nur die "politische Konfrontation" anfeuern.

Die Forderungen der deutschen Banken und Versicherungen in Spanien
HSH Nordbank: Die HSH Nordbank ist per Stichtag 31. März mit insgesamt 176 Millionen Euro in spanischen Staatspapieren engagiert. Das umfasst laut Bank klassische Staatsanleihen ebenso wie staatlich abgesicherte Kredite an staatsnahe Betriebe. Quelle: dapd
WESTLB: Die Engagements der WestLB in Spanien (Staatsanleihen) liegen bei 727 Millionen Euro, bei der Ersten Abwicklungsanstalt EAA in Düsseldorf sind es für den gesamten öffentlichen Bereich (public finance, also Staat, Gebietskörperschaften, Kommunen) 1,18 Milliarden Euro. Quelle: dpa
NORDLB: Die Norddeutsche Landesbank war zum Ende des ersten Quartals (31. März) noch mit 499 Millionen Euro in Spanien engagiert. Details sollen voraussichtlich bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Donnerstag bekanntgegeben werden. Quelle: dpa
BAYERNLB: Die Bayerische Landesbank hat keine spanischen Staatsanleihen in den Büchern. Allerdings summieren sich dem Geschäftsbericht 2011 zufolge die nach Spanien insgesamt vergebenen Kredite auf knapp 5,8 Milliarden Euro. Quelle: dpa
MUNICH RE: Der weltgrößte Rückversicherer ist laut Quartalsbericht in dem Land mit rund 1,4 Milliarden Euro in Staatspapieren engagiert. Weitere 4,6 Milliarden Euro stecken in Pfandbriefen. Bei spanischen Banken ist der weltgrößte Rückversicherer nur mit 14 Millionen Euro engagiert. Zur Höhe der Beteiligung etwa an spanischen Unternehmensanleihen, macht die MunichRe keine Angaben. Quelle: dpa
ALLIANZ: Die Allianz hatte zum Ende des ersten Quartals spanische Staatsanleihen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Quelle: dpa
HRE: Die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) hält keine spanischen Staatspapiere, aber Papiere etwa von Kommunen oder staatsnahen Unternehmen im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro. Dazu kommen 600 Millionen Euro für die Finanzierung gewerblicher Immobilien. Quelle: dapd
FMS Wertmanagement: Bei der Bad Bank der HRE sieht es anders aus: Die staatliche FMS Wertmanagement verfügt noch über spanische Papiere im Wert von 10,5 Milliarden Euro. In die Bad Bank wurden im Herbst 2010 Altlasten der HRE in Höhe von 173 Milliarden ausgelagert. Quelle: dapd
DEKABANK: Das Institut war zum 31. Dezember 2011 mit insgesamt 1,35 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Auf rund 0,5 Milliarden Euro beliefen sich Forderungen gegenüber Banken und auf etwa 0,1 Milliarden Euro gegenüber den Staat. Der Rest entfiel im Wesentlichen auf Unternehmenskredite. Quelle: dpa
DZ BANK: Das genossenschaftliche Institut hatte Ende 2011 Forderungen von 7,6 Milliarden Euro gegenüber der öffentlichen Hand sowie Unternehmen und Banken in Spanien. Rund 3 Milliarden entfielen auf Staatsanleihen. Der größte Teil mit rund 4 Milliarden Euro waren Wertpapiergeschäfte im nichtöffentlichen Bereich. Hinzu kamen Kredite an Unternehmen und die öffentliche Hand. Quelle: dpa
COMMERZBANK: Die Bank bezifferte ihr Engagement Ende März auf mehr als 14 Milliarden Euro. Mit 2,9 Milliarden Euro standen Staatsanleihen in den Büchern. Gewerbliche Immobilienkredite beliefen sich auf 4,0 Milliarden Euro, Kredite an Unternehmen und sonstige auf 3,0 Milliarden. Auf 4,4 Milliarden Euro beliefen sich die Forderungen gegenüber Finanzinstituten. Quelle: dpa
DEUTSCHE BANK: Das größte deutsche Finanzhaus war Ende März laut Geschäftsbericht mit netto insgesamt 13,7 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Rund die Hälfte der Summe (6,6 Mrd.) steht als Unternehmenskredite in den Büchern. Staatsanleihen und Kredite an die öffentliche Hand beliefen sich auf rund 1,4 Milliarden Euro. Weitere 3,6 Milliarden Euro verlieh die Bank an spanische Finanzinstitute. Hinzu kamen 1,9 Milliarden für den Bereich Retail. Quelle: dapd

Nun hat Fernández Ordoñez seinen Rücktritt eingereicht. Der Chef der spanischen Notenbank wird einen Monat früher als bislang geplant aus seinem Amt scheiden und nach einer Mitteilung der Notenbank vom Dienstagabend schon am 10. Juni seinen Spitzenposten räumen. Bisher sollte dies am 12. Juli geschehen, dann endet die Amtszeit des 67-Jährigen.

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Genaue Gründe für den vorgezogenen Rückzug nannte die Notenbank zunächst nicht. Die Bank verkündetet in der Stellungnahme, dass Ordoñez den Weg frei machen wolle für seinen Nachfolger, da nun wichtige und entscheidende Beschlüsse zu fassen seien. Er selbst hätte für diese wichtigen Entscheidungen lediglich ein Monat Zeit gehabt - viel zu wenig. Nun könne sein Nachfolger an allen wichtigen Entscheidungen von Anfang an teilnehmen.

Ordoñez hatte sich nach Medieninformationen zuvor mit Ministerpräsident Mariano Rajoy besprochen, der den überraschenden Schritt ausdrücklich unterstütze.

Der spanische Notenbankchef ist kraft seines Amts auch Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), der über die Geldpolitik im Währungsraum entscheidet.

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