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Schuldenkrise "Währungsabwertung ist ein süßes Gift"

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Ihre ultimative Währung?

Gold. Gold ist eine Währung, die sich von der Politik nicht per Knopfdruck oder Federstrich vermehren lässt. Gold stehen keine Verbindlichkeiten gegenüber. Wenn Sie sich die Geschichte des Goldes ansehen, wandert Gold ab aus Regionen, in denen der Wohlstand abnimmt. Es wandert dorthin, wo der Wohlstand wächst. In den vergangenen 15 Jahren haben die Europäer massiv Gold verkauft, während die Asiaten die großen Käufer waren. Ich würde Anlegern empfehlen, zumindest mit einem Teil ihres Vermögens da mitzumachen.

Wie hoch darf der Anteil sein?

Das ist immer eine Frage des persönlichen Geschmacks, ich würde ihn bei zehn bis 20 Prozent ansiedeln. Wer noch kein physisches Gold besitzt, sollte aber lieber nicht gleich alles setzen, sondern die Käufe über die nächsten Monate verteilen.

Sie rechnen mit einem Rückschlag?

Wenn die Zentralbanken, wie sie es angekündigt haben, tatsächlich eine Pause machen beim Quantitative Easing, also mit dem Gelddrucken, so könnte das an allen Märkten nochmals zu größeren Schwächen führen.

Die Konjunktur läuft noch recht ordentlich.

Das stimmt. Aber der Prozess des Lageraufbaus dürfte bald abgeschlossen sein. Damit rechne ich im Herbst. Bei den Einkaufsmanagerindizes nahezu aller Volkswirtschaften zeichnen sich gerade Gipfelbildungen ab. Das war bisher stets ein Signal, dass es in den darauffolgenden Monaten an den Märkten abwärts geht. Die Notenbanken werden deshalb nicht lange durchhalten mit dem Liquiditätsentzug. Andernfalls bekommen die Märkte Schüttelfröste. Das System ist wie ein Drogenjunkie, dem man nichts anmerkt, wenn er seinen Stoff bekommen hat. Aber sobald die Wirkung nachlässt, beginnt es wieder zu schütteln, und dann muss die nächste Spritze gesetzt werden. Und die wird kommen, mit erhöhter Dosis...

...bis zum letzten, dem goldenen Schuss.

So kann man das sagen.

Wie legen Sie Ihr Kapital an?

Geld anlegen ist in der heutigen Zeit natürlich sehr schwierig. Sie bekommen für das Kapital risikofrei praktisch keinen Zins mehr. Eigentlich geht es nicht mehr um die Frage, wo Sie die meiste Performance machen, sondern um die Frage, wo mein Geld überhaupt noch sicher ist. Früher bin ich gern konzentrierte Wetten eingegangen. Heute ist das zu gefährlich. Neben Gold halte ich als Schweizer natürlich viel Schweizer Franken, aber auch ein paar Fremdwährungen, wie den Singapur-Dollar und den US-Dollar. Als große Liquiditätsmasse würde ich zwei bis vierjährige Bundesanleihen nehmen.

Auch die Bonität Deutschlands leidet.

Schon. Ich kaufe die Papiere auch nicht, weil sie eine großartige Rendite bringen, sondern weil sie jederzeit liquide sind. Möglicherweise muss ja in den kommenden Jahren einmal groß umdisponiert werden.

Wie sieht es aus mit Aktien?

Ich erwarte nach wie vor noch keine guten Renditen von Aktien über die nächsten 12 bis 18 Monate. Aber es macht Sinn, Beteiligungen an Unternehmen zu halten, die vermutlich auch in einer neuen Welt funktionieren werden.

Welche wären das?

Solide Gesellschaften, die den täglichen Bedarf des Konsumenten abdecken, etwa Unilever, Procter & Gamble, Nestlé und Coca-Cola. Telekomgesellschaften und integrierte Ölkonzerne gehören auch dazu. Energieversorger sehe ich eher problematisch, weil ihnen in einem Extremszenario Verstaatlichungen drohen könnten.

Und Minenkonzerne?

Da bin ich mir nicht sicher. Schauen sie nach Australien. Dort will man eine Spezialsteuer für Minen einführen. Rohstoffe würde ich eher meiden in den nächsten zwölf Monaten, vor allem mit Blick auf China. China befindet sich in einer gefährlichen Lage, das signalisiert schon der schwache Aktienmarkt dort. Auch die Chinesen können die Gesetze der Ökonomie nicht außer Kraft setzen. Wenn die China-Blase platzt, wird das der Weltwirtschaft einen Schlag versetzen.

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