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Schuldenkrise Wie viel kostet uns der Euro wirklich?

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Griechische Staatsschulden nach Gläubigergruppen (in Milliarden Euro) Quelle: UniCredit

Die scharfe Rezession hat die Steuerquellen ausgetrocknet. In den ersten vier Monaten des Jahres brachen die Steuereinnahmen um 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Ohne neue Sparmaßnahmen von fünf bis acht Milliarden Euro wird es der Regierung nicht gelingen, in diesem Jahr den Fehlbetrag im Staatshaushalt wie geplant von 10,5 auf 7,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken.

Dabei hat die Regierung in Athen den Rotstift schon kreisen lassen. Gehälter im öffentlichen Dienst sowie die Renten wurden gekürzt, die Mehrwertsteuer erhöht. Die Defizitquote sank im vergangenen Jahr um rund fünf Prozentpunkte. Doch die Schulden klettern weiter, in diesem Jahr wohl über die Marke von 150 Prozent des BIPs.

Die Bereitschaft der Bürger, den Gürtel enger zu schnallen, tendiert gegen null. In der vergangenen Woche legten sie mit einem Generalstreik das Land lahm. Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner ifo Instituts, vergleicht die Sparmaßnahmen Athens bereits mit der Sparpolitik von Reichskanzler Heinrich Brüning in der Endphase der Weimarer Republik. Griechenland, so warnt Sinn, drohe an den Rand eines Bürgerkriegs zu driften.

Reich der Fabeln

Die griechische Wirtschaft, die kaum mehr als Südfrüchte, Tourismus und Schifffahrt bietet, hat dadurch ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Die Exportschwäche ließ die Leistungsbilanz tief in die roten Zahlen rutschen, im vergangenen Jahr lag das Defizit bei mehr als zehn Prozent vom BIP.

Um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, können die Griechen entweder die Löhne weiter nach unten drücken und das Land in die Deflation treiben – oder sie treten aus der Währungsunion aus und werten die Währung ab. Doch als am vergangenen Wochenende Meldungen über einen angeblichen Austritt Griechenlands aus dem Euro aufkamen, verwies Athen die Meldungen in das Reich der Fabeln.

Tatsächlich wäre ein Austritt risikoreich. Die Abwertung würde zwar die Exporte verbilligen und der Wirtschaft Schub geben. Zugleich aber würden sich die Importe verteuern. Die Unternehmen müssten die höheren Kosten für importierte Vorleistungen in ihre Absatzpreise überwälzen, der Vorteil der Abwertung wäre dahin.

Hinzu kommt, dass eine schwache Währung die Kaufkraft der Bürger schmälert und die Tilgung der in Euro denominierten Auslandsschulden verteuert. Daher wäre es wohl nur eine Frage von Tagen, bis Griechenland nach einem Euro-Austritt seinen Schuldendienst komplett einstellte. Die Folge: Investoren würden Athen keine weiteren Kredite mehr gewähren, die Zinsen schössen in die Höhe, die Investitionen brächen ein, die Rezession verschärfte sich.

Eine gangbare Lösung wäre das nicht. Was also ist zu tun, um Hellas wieder auf die Beine zu bringen?

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