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Schuldenkrise Wie viel kostet uns der Euro wirklich?

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Lohnstückkosten in ausgewählten Euro-Ländern Quelle: EU-Kommission

Viel wäre gewonnen, wenn Athens Gläubiger, vor allem Banken und Versicherungen, auf einen Teil ihrer Forderungen verzichteten. Ein solcher Schuldenschnitt würde nicht nur die Schuldenprobleme entschärfen – er böte Griechenland auch die Chance, an preislicher Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, ohne die Konjunktur abzuwürgen.

Sinnvoll wäre es, wenn sich die Athener Regierung mit ihren Gläubigern an einen Tisch setzte. "Dazu bieten sich Verhandlungen mit dem Pariser und dem Londoner Club an, in denen sich die staatlichen und privaten Gläubiger von Schuldnerländern organisiert haben", sagt Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Der Vorteil: Den Märkten würde signalisiert, dass die Umschuldung in einem strukturierten und geordneten Verfahren abläuft. Das gäbe den Finanzmärkten Sicherheit.

Ein gangbarer Weg wäre, dass Griechenland seinen Gläubigern anbietet, alte Anleihen mit einem Abschlag auf den Nennwert (Haircut) gegen neue Bonds zu tauschen. Damit die Gläubiger auf das Angebot eingehen, könnten die neuen Anleihen besichert sein – etwa durch Kredite des IWF oder des Euro-Rettungsschirms. Zudem müsste der Haircut ausreichend hoch sein, um die Chance zu erhöhen, dass Griechenland das Geld zurückzahlt. Die EZB könnte zudem erklären, die alten Anleihen nicht mehr als Sicherheit für ihre Refinanzierungsgeschäfte zu akzeptieren. Das schmälerte deren Attraktivität und veranlasste die Banken, sie gegen neue Anleihen zu tauschen.

Starke Banken

Von den 330 Milliarden Euro, die Griechenland privaten und staatlichen Gläubigern insgesamt schuldet, lagern zwei Drittel bei Banken, Investmentgesellschaften, Versicherern und Privatanlegern. Eine Umschuldung würde vor allem griechische Banken treffen. Aber auch in den Bilanzen deutscher Geldhäuser schlummern Forderungen in Höhe von 18,5 Milliarden Euro. Unklar ist, welches Institut den größten Brocken in den Büchern hat: Deutsche Bank und Postbank haben 1,6 Milliarden Euro in unbesicherte Griechenland-Anleihen investiert, bei der Commerzbank sind es drei Milliarden, die DZ Bank kommt auf eine Milliarde Euro und die KfW Bankengruppe hat einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag an Griechen-Bonds im Depot. Die Hypo Real Estate hat hingegen bereits Schrottpapiere im Wert von 9,5 Milliarden Euro an die Bad Bank FMS Wertmanagement verschoben. Von den restlichen 3,3 Milliarden Euro dürfte ein großer Teil in den Bilanzen der Landesbanken stecken.

Sollte es zu einem Schuldenschnitt kommen, sind milliardenschwere Abschreibungen bei den Banken unvermeidlich. Doch die meisten Finanzinstitute haben in den vergangenen Jahren wieder ordentliche Gewinne eingefahren und ihr Kernkapital aufgestockt. Sie dürften die Abschreibungen überstehen.

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