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Schuldenkrise Wie viel kostet uns der Euro wirklich?

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Szenarien für griechische Staatsschulden Quelle: UniCredit

Aus Bundesbankkreisen heißt es, dass einige Schrottpapiere gar einen Abschreibebedarf von 100 Prozent hätten. Das dürften aber nur sehr wenige sein. Analysten schätzen, dass bei einem Haircut an die 30 Milliarden Euro von den Sicherheiten wertlos seien. Zuzüglich der 20 Milliarden Euro aus den Anleihekäufen wären bis zu 50 Milliarden Euro abzuschreiben. Ein schmerzhafter Verlust, aber keineswegs existenzbedrohend für die EZB. Deren Währungs- und Goldreserven sind in den vergangenen Jahren um 250 Milliarden Euro gestiegen. Verbleibende Verluste würde sie unter den nationalen Notenbanken aufteilen. Die Deutsche Bundesbank müsste entsprechend ihres EZB-Anteils 27 Prozent davon schultern.

Der Druck aus dem Eurotower scheint bei den Politikern zu wirken. Zwar wächst inzwischen der Widerstand in der Berliner Regierungskoalition gegen weitere Hilfen für Griechenland. "Für Griechenland und den Rettungsschirm ist Geld da, für eine Entlastung unserer Bürger aber nicht", schimpft der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Jürgen Koppelin. Doch am Ende des Tages, da sind sich politische Beobachter sicher, werden die Abweichler in CDU und FDP im Parlament für neue Griechenland-Hilfen stimmen, um den Fortbestand der Regierung nicht zu gefährden.

Weg in die Transferunion

Für die Steuerzahler wird das ein teures Unterfangen. Denn je länger die Politiker auf Druck von EZB und Banken den nötigen Haircut verschleppen, desto größer wird das Risiko, dass am Ende vor allem die Steuerzahler rasiert werden. Da die Griechen mit den staatlichen Hilfskrediten ihre Verbindlichkeiten gegenüber den Banken und Versicherungen tilgen, verschiebt sich die Gläubigerstruktur von Tag zu Tag von den Banken zu den Steuerzahlern. Entfielen im vergangenen Jahr nur 25 Prozent der griechischen Schulden auf staatliche Gläubiger, wird deren Anteil bis 2013 auf 57 Prozent steigen, haben die Ökonomen von UniCredit berechnet. Der Anteil privater Gläubiger sinkt dagegen von 75 auf 43 Prozent (siehe Grafik).

Das größte Problem aber ist: Schleusen die Euro-Länder weitere Kredithilfen nach Athen, nehmen sie nicht nur den Griechen die Chance auf einen wirtschaftlichen Neuanfang mit weniger Schulden. Sie wecken auch Begehrlichkeiten in den anderen Krisenländern der Währungsunion. Warum sollten sich Iren und Portugiesen abrackern und sparen, um wieder Kredite am Kapitalmarkt zu bekommen, wenn sie mit Hinweis auf Griechenland die Aussicht haben, billigere Hilfskredite aus Berlin, Paris und Brüssel zu erhalten?

Ohne einen beherzten raschen Schuldenschnitt unter Beteiligung der privaten Gläubiger degeneriert die Währungsunion zu einer gigantischen Umverteilungszone. Wie teuer die werden kann, zeigen Berechnungen des Berliner Finanzwissenschaftlers Kai Konrad. Würden, etwa orchestriert durch eine gemeinsame Wirtschaftsregierung, wie Frankreich sie fordert, die Lebensverhältnisse in den ärmeren EU-Ländern auf 95 Prozent des Durchschnittsniveaus angehoben, wäre dazu die gigantische Transfersumme von 804 Milliarden Euro pro Jahr erforderlich. Deutschlands Anteil würde sich auf 261 Milliarden Euro belaufen.

Selbst für eine Anhebung auf 50 Prozent des Durchschnittsniveaus wäre noch ein Transfervolumen von 232 Milliarden Euro nötig, davon 75 Milliarden zulasten der deutschen Steuerzahler. Die Hoffnung auf Steuersenkungen könnten die Bundesbürger dann endgültig begraben.

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