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Schuldenschnitt Europas Angst vor der Kettenreaktion

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Gefahren für die Liquidität

Dexia-Bank in Brüssel Quelle: dpa

Ein Schuldenschnitt in Griechenland wäre kein isoliertes Ereignis. Investoren würden befürchten, dass auch in Ländern wie Spanien und Italien Abschläge auf die Anleihen drohen und ihre Papiere schnell verkaufen. Schon hätten neue Staaten Liquiditätsengpässe – was viel Sprengstoff birgt angesichts der Größe Spaniens und Italiens. Deren ausstehende Staatsschulden summieren sich auf über zwei Billionen Euro. „Griechenland ist ein Nebenschauplatz“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. „Wenn Spanien und Italien ein Problem haben, dann haben alle ein Problem.“

Um die Ansteckungsgefahr zu bannen, bemüht sich die Politik, Griechenland als Einzelfall darzustellen. Doch warum sollten die Märkte einen Abschlag bei anderen Ländern ausschließen? Ein Haircut für Griechenland kann deshalb nur gelingen, wenn der Rest Europas vor einem Überschwappen der Krise geschützt ist.

Wie schwierig das in der Praxis ist, zeigt die wachsende Nervosität im Bankensektor. Vergangene Woche wurde die belgisch-französische Bank Dexia zum Notfall. Das Institut hat größere Bestände von Anleihen Griechenlands und anderer angeschlagener Länder – woraufhin andere Finanzhäuser Dexia nun den Kapitalhahn abdrehten.

Der Fall Dexia ist der Politik in die Glieder gefahren. Zum einen, weil es sich um kein kleines Haus handelt, das Institut zählt zu den 25 größten Banken Europas. Zum anderen, weil die neu gegründete europäische Bankenaufsicht Eba dem Institut beim jüngsten Stresstests ein gutes Zeugnis ausstellte. Die Eba reagierte dem Vernehmen nach schnell und ließ vergangene Woche neue Szenarien durchspielen, bei denen Abschläge auf griechische Staatsanleihen berücksichtigt wurden. 

Banken unter Druck

Französische Banken halten besonders große Mengen griechischer Staatsanleihen, was sich in einbrechenden Kursen widerspiegelt. Société Générale büßte zwischen Juli und vergangener Woche 50,9 Prozent ihres Börsenwerts ein, Crédit Agricole 49,9 Prozent und BNP Paribas 44,7 Prozent. Das große Risiko: Über den Umweg Frankreich könnten auch deutsche Banken verstärkt unter Druck geraten. Der Chefvolkswirt der staatlichen KfW Bankengruppe, Norbert Irsch, sieht „indirekte Risiken über ihr Engagement mit französischen Banken, die sich auf rund fünf Prozent des BIPs belaufen“. Und man wisse nicht, so Irsch, welche Forderungen betroffener Banken durch CDS-Swaps abgesichert seien und wer die Garantiegeber seien. Der KfW-Chefvolkswirt fordert daher nationale Maßnahmen zur Banken-Stabilisierung.

Vergangene Woche gestand auch die Kanzlerin ein, dass die Branche schnellstmöglich Hilfe erhalten muss. Der IWF schätzt den Kapitalbedarf europäischer Banken auf 100 bis 200 Milliarden Euro. Als IWF-Chefin Christine Lagarde die Kapitallücken europäischer Banken im Sommer angesprochen hatte, war dies von europäischer Seite noch zurückgewiesen worden.

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