Schuldenschnitt Griechenland-Rettung mit desaströsen Folgen

Das Rettungspaket für den Euro wird die Schuldenmisere nur vorübergehend entschärfen. Der Druck auf die Europäische Zentralbank, als Kreditgeber der letzten Instanz in großem Stil Staatsanleihen zu kaufen, wird steigen. So droht Europas ‧Währungsunion zu einer Schulden- und Inflationsgemeinschaft zu werden.

Schuldenkrise Quelle: Getty Images/Jock Fistick

Viel Grund zur Freude haben Europas Staats- und Regierungschefs in den vergangenen Wochen und Monaten nicht gehabt. Umso erleichterter traten sie – trotz sichtbarer Zeichen der Übermüdung – in den frühen Morgenstunden am vergangenen Donnerstag in Brüssel vor die Presse, um der Welt die große Lösung der Euro- und Staatsschuldenkrise zu präsentieren – oder zumindest das, was sie dafür halten.

In der Tat, das Paket, auf das sich die wochenlang zerstrittenen Regierungschefs in stundenlangen Verhandlungen einigten, sieht auf den ersten Blick beeindruckend aus: Griechenland streicht man die Hälfte der Schulden, die Banken werden rekapitalisiert, der Euro-Rettungsschirm erhält einen Hebel, und die Regierungen versprachen sogar, bis Ende 2012 eine Verpflichtung zu ausgeglichenen Staatshaushalten in ihre Verfassungen zu schreiben. „Wir haben heute Nacht gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse aus der Krise ziehen“, gab sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstagmorgen überzeugt.

Gipfel-Beschlüsse

pplaus für die Rettungspolitiker kam von den Märkten. Der deutsche Aktienindex Dax schoss am Donnerstag um 300 Zähler nach oben und beendete den Handelstag mit einem Plus von mehr als fünf Prozent. Auf der Gewinnerseite standen vor allem Bankwerte. Deutsche Bank und Commerzbank legten um mehr als 15 Prozent zu. Der Euro kletterte über die Marke von 1,40 zum Dollar. Auch die Kurse der Staatsanleihen von Italien, Spanien und Griechenland legten zu. Die Erleichterung, dass die Politik endlich zu Entscheidungen gekommen ist, sei groß, hieß es zur Erklärung an den Märkten.

Die Finanzkrise beendet, die Märke beruhigt, der Euro gerettet? Freude schöner Götterfunken also?

Zweifel sind angebracht. „Auch nach der Einigung beim vorangegangenen Krisengipfel im Juli waren die Märkte euphorisch“, sagt der Belgier Paul De Grauwe, renommierter Währungstheoretiker von der Katholischen Universität Leuven. Wenige Tage später folgte dann der Kurssturz.

Kein Wendepunkt

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, glaubt ebenfalls nicht daran, dass die Beschlüsse einen Wendepunkt markieren. „Die Staatsschuldenkrise wird wieder hochkochen“, prophezeit er. Dann aber kann nur noch eine Instanz den Euro retten: Die Europäische Zentralbank (EZB). Sie wird die Notenpresse anwerfen, um in großem Stil Staatsanleihen zu kaufen. Die Währungsunion degeneriert dann endgültig zur Schulden- und Inflationsunion.

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