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Seeräuber bedrohen Handelsschiffe Piraterie wird zum Wirtschaftszweig

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Keim des Misserfolgs

Worüber nicht laut geredet wird: Offenbar sind auch Söldner illegal an Land gegen Seeräuber vorgegangen; außerdem dürfte es hinter den Kulissen große internationale Anstrengungen gegeben haben, die Finanzstrukturen dieser Form organisierter Kriminalität zu zerschlagen. „Die Somalis reden wieder über Fisch statt über Schiffe“, sagt ein Insider, was heißen soll: Viele der geschätzt 1000 Piraten verdienen wie früher ihr Geld mit dem Fischfang. Ralf Nagel warnt indes davor, diese Bedrohung als erledigt zu betrachten: „Es befinden sich weiterhin 29 asiatische Seeleute in der Hand von Geiselnehmern in Somalia. Der Beitrag der Deutschen Marine im Rahmen der EU-Mission ,Atalanta’ ist für den Schutz unserer Seeleute von großer Bedeutung.“

Vor dem Start: Die Lockheed „Orion“ der Deutschen Marine im Morgengrauen auf dem Flughafen des afrikanischen Kleinstaats Dschibuti. Quelle: Helmut Michelis

Auch andere Experten befürchten, dass im gegenwärtigen Erfolg langfristig der Keim des Misserfolgs stecken könnte, weil die westlichen Entsendestaaten angesichts hoher Kosten und knapper Kassen die Mission, die geschätzt pro Jahr etwa eine Milliarde Euro kostet, möglicherweise nicht mehr lange aufrechterhalten. Zudem müssen die Kapitäne in dem 480 Seemeilen langen Transportkorridor, durch den die Kriegsschiffe Handelsschiffs-Konvois sicher durch den Golf von Aden geleiten, viel Disziplin aufbringen: Der Konvoi muss sich erst sammeln, was wertvolle Zeit kostet. Dann wird mit hoher Geschwindigkeit gefahren, was zusätzliche Treibstoffkosten verursacht.

Wie wehrt man Piraten ab? Eine Übung der Deutschen Marine mit dem Tanker „Spessart“. Quelle: Deutsche Marine

Engagement vor Ort

Der Schlüssel ist aber mutmaßlich die Stabilisierung Somalias. Auch der VDR engagiert sich vor Ort: Gemeinsam mit der Organisation SOS-Kinderdörfer gibt er mit einem Bildungszentrum in Dschibuti nahe der Grenze zu Somalia jungen Menschen neue berufliche Chancen. Es handelt sich in der Mehrzahl um Flüchtlinge aus dem gezeichneten Nachbarland. Nagel: „Nur über eine gute Entwicklung an Land werden wir die Piraterie langfristig und nachhaltig eindämmen können.“

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Die jüngsten Geiselnahmen und auch die Ermordung eines Seemannes fanden in einem neuen Hochrisiko-Gebiet statt: im Golf von Guinea, vor Nigeria und Ghana. In der Region gibt es keinen zuverlässigen Schutz durch die Marinen und Küstenwachen der Anrainerstaaten. Darüber hinaus dürfen die Reedereien ihre Schiffe nicht mit ihren eigenen Sicherheitskräften beschützen, weil das die Küstenstaaten dort nicht erlauben.

Mit großer Sorge beobachten die Reeder daher die Entwicklung vor Westafrika: „Die Bundesregierung muss sich über die Europäische Union dringend für die Zulassung privater bewaffneter Sicherheitskräfte an Bord einsetzen“, fordert Nagel. „Darüber hinaus sind eine verlässliche Lagebilderstellung und der grenzüberschreitende Datenaustausch wichtig. Die bisherigen Ansätze dazu müssen stärker auch von Deutschland unterstützt werden.“ Die erfolgreiche Kooperation der Küstenstaaten in der Straße von Malakka in Südost-Asien, einem Brennpunkt für Raubüberfälle auf vorwiegend kleinere Schiffe, kann dafür nach Ansicht der Reeder ein Vorbild sein.

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