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Separatistenbewegung Hohe Wahlbeteiligung bei Katalonien-Neuwahl

Monatelang gab es in Katalonien kaum ein anderes Gesprächsthema als den Termin für die Neuwahl in der Region. Die Beteiligung zeigt, wie wichtig den Bürgern die Abstimmung ist – denn es geht um ihre Zukunft.

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Bei einer Wahlkampfveranstaltung der Partei JuntsxCat (Abkürzung für Junts per Catalunya, also Gemeinsam für Katalonien“) wird Ex-Präsident Carles Puigdemont über einen Bildschirm live dazu geschaltet. Die Wahl gilt als höchst ungewöhnlich, weil mehrere Kandidaten nach der misslungenen Abspaltung inhaftiert sind. Quelle: imago/ZUMA Press

Barcelona Knapp zwei Monate nach der Absetzung der Separatisten-Regierung in Katalonien hat die Neuwahl des Regionalparlaments Massen von Menschen an die Urnen gelockt. Bis Donnerstagmittag hätten trotz des Werktages bereits 34,69 Prozent der 5,5 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, erklärte ein Regierungssprecher. Schon vor Öffnung der 2680 Wahllokale hatten sich am Morgen vielerorts lange Schlangen gebildet. Der Ausgang der Abstimmung war ungewiss. Umfragen sagten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Separatisten und ihren Gegnern voraus.

Beobachter rechneten sogar mit einer Rekordbeteiligung von mehr als 80 Prozent. Bei der vorangegangenen Regionalwahl in der nordostspanischen Region, die von den Separatisten zum „Plebiszit über die Unabhängigkeit“ erklärt worden war, waren 77 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gegangen.

Für Katalonien ist die Wahl extrem wichtig und richtungsweisend: Sollten die separatistischen Parteien erneut auf eine absolute Mehrheit der Sitze kommen, würden sie ihre Unabhängigkeitsbestrebungen und den Konfrontationskurs zur Zentralregierung in Madrid vermutlich fortsetzen.

Die Zentralregierung hatte nach einem Unabhängigkeitsbeschluss des Parlaments in Barcelona Ende Oktober die Separatisten entmachtet und die Kontrolle in der Region übernommen. Die Zwangsverwaltung soll in dem Moment enden, in dem eine neue Regionalregierung ihr Amt antritt. Dies könnte aber im Falle von langwierigen und schwierigen Koalitionsverhandlungen Wochen oder sogar Monate dauern.

Die Wahl gilt als höchst ungewöhnlich, da einige Kandidaten unter dem Vorwurf der Rebellion im Gefängnis sitzen und Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont nach Brüssel abgetaucht war, um einer Festnahme zu entgehen. Mit Spannung wird erwartet, wie Puigdemont auf das Wahlergebnis reagieren wird. Kehrt er nach Katalonien zurück, droht ihm die sofortige Festnahme. Der 54-Jährige hatte aber zuletzt angekündigt, im Falle eines Sieges in die Heimat kommen zu wollen und eine Inhaftierung zu riskieren.

Ein Sieg seiner separatistischen Liste JuntsxCat („Gemeinsam für Katalonien“) gilt aber als unwahrscheinlich. Favorit ist die linksnationalistische Partei ERC. Deren Spitzenkandidat Oriol Junqueras, der Ex-Vize Puigdemonts, befindet sich in der Nähe von Madrid in Untersuchungshaft.

Chancen werden auch der Spitzenkandidatin der liberalen Partei „Ciudadanos“, Inés Arrimadas, eingeräumt - einer eifrigen Verfechterin des Verbleibs der Region in Spanien. Sie gilt als Hoffnungsträgerin der so genannten „schweigenden Mehrheit“, die gegen die Unabhängigkeit ist, aber lange stillgehalten hatte. „Heute werden wir die Früchte unserer Arbeit ernten“, erklärte Arrimadas nach der Stimmabgabe. „Wir haben große Hoffnungen.“

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