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Serie Globalisierung "Amerika braucht einen Marshallplan"

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Allgemeine Führungslosigkeit

Mit welchen Folgen?

Die Welt wird volatiler, multipolarer, risikoreicher. Es wird mehr Protektionismus geben, es wird häufiger zu militärischen Konflikten kommen. Schauen Sie in den Mittleren Osten, auf Syrien: Die Amerikaner halten sich zurück, die Chinesen sowieso.

Wie agieren Regierungen angesichts der allgemeinen Führungslosigkeit?

Die Antworten der Länder sind unterschiedlich: Regionen schließen sich aus ökonomischen oder politischen Gründen zusammen – je nach Interessenlage. Japan, Taiwan oder Myanmar fürchten sich vor zu viel Macht der Chinesen in Asien. Sie gehen Bündnisse mit dem Westen ein. Die Chinesen machen mit vielen Ländern gute Geschäfte, haben aber kaum Verbündete, die ihre Werte teilen. Auch deshalb wird China nicht die Rolle einer neuen globalen Superpower übernehmen.

Kann die Politik diese multipolare Welt überhaupt mitgestalten?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wir entwickeln internationale Organisationen, die nicht mehr global agieren. Oder wir machen mit sinnlosen Institutionen wie der G8 oder G20 weiter. Nehmen Sie zum Beispiel den Welthandel und den Klimawandel. Die Doha-Runde ist tot. Zu viele Länder mit unterschiedlichen Interessen einigen sich nicht, wie freier Welthandel aussehen soll. Da das Thema zu wichtig ist, schließen die Länder bilaterale und multilaterale Verträge ab – jedes Land nach seinen eigenen Interessen. Es wird also mehr Protektionismus geben. Das Thema Klimawandel ist offenbar nicht dringlich genug: Da geht es weiter mit den sinnlosen globalen Runden, kein Land übernimmt eine führende Rolle. Es wird zu keiner Einigung kommen, bevor das Problem nicht noch viel schlimmer wird.

Obamas Gesundheitsreform bestätigt

Ist unser liberal-demokratisches Werte- und Demokratiemodell gescheitert?

Der amerikanische Exzeptionalismus hat in der Tat ziemlich gelitten in den vergangenen zehn Jahren. Schauen Sie sich den Folterskandal in Abu Graib im Irak an. Wie konnten Finanzskandale wie Enron, Worldcom, Lehman Brothers und jüngst Madoff in den USA passieren? Wir leben offenbar unsere eigenen Werte nicht mehr. Auf der anderen Seite: Stellen Sie sich einmal Wikileaks in China vor. Das würde wohl zu einer militärischen Reaktion der Chinesen führen.

Wie wird sich der Aufstieg der Schwellenländer auf unseren Wohlstand auswirken?

Die Schere zwischen Arm und Reich im Westen wird weiter auseinandergehen. Eine Minderheit in Amerika wird immer wohlhabender, eine Mehrheit wird an Wohlstand verlieren. Noch haben wir in Amerika nicht die Situation wie in Tunesien, wo sich die Leute aus Protest selbst anzünden. Aber Amerikas untere Bevölkerungsschichten sind nicht in der Lage, mit der Entwicklung in der globalen Welt mitzuhalten – ihnen fehlen die Möglichkeiten.

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