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Serie Liberalismus Großbritannien: Big Bang

Im Londoner Finanzzentrum Canary Wharf wird der Begriff Wirtschaftsliberalismus seit 1986 groß geschrieben. Doch die Finanzkrise stellt alte Routinen infrage und bringt neue Vorschriften mit sich.

Ein Sicherheitsmann im Quelle: dpa

Im Mutterland des Liberalismus gilt die Freiheit des Individuums auch heute noch als höchster Wert. Das Herz des britischen Wirtschaftsliberalismus schlägt heute vor allem in der City of London und in Canary Wharf, dem modernen Finanzzentrum im Osten der britischen Hauptstadt. Hier frönt seit 25 Jahren eine internationale Elite, die weitgehend losgelöst von der englischen Gesellschaft nach ihren eigenen Regeln agiert, zu Beginn des 21. Jahrhunderts einer nahezu lupenreinen Form des Kapitalismus.

London im Olymp

Ermöglicht durch Premierministerin Margaret Thatcher: Mit einem Federstrich entfesselte, deregulierte und liberalisierte sie die britische Finanzbranche am 27. Oktober 1986 – der Big Bang (Urknall) zerstörte das Gentleman-Banking traditioneller Prägung. Auf einmal war es erlaubt, dass Banken in das Wertpapiergeschäft einsteigen und Makler übernehmen durften. Viele alteingesessene Merchantbanken wurden von Wall-Street-Häusern oder ausländischen Investmentbanken geschluckt. So kam die britische Hauptstadt in den Olymp der Devisen-, Aktien- und Eurobondmärkte. Die Regulierung war lax, die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes an der Themse fortan das oberste Ziel.

Rund 315 000 Menschen arbeiten heute in der berühmten Finanzmeile und spüren: Als Folge der Finanzkrise werden wieder gewisse Fesseln angelegt. Die Finanzaufsicht greift härter durch, höhere Kapitalanforderungen sowie neue europäische und internationale Richtlinien schränken den Handlungsspielraum der Finanzjongleure ein, Boni dürfen nur noch zu 20 Prozent bar ausgezahlt werden, und ein neuer 50-prozentiger Spitzensteuersatz führt dazu, dass von den Supergehältern künftig nur noch die Hälfte übrig bleibt. Ein epochaler Umbruch von der Qualität des Big Bang ist das dennoch nicht.

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