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Silicon Valley IT-Riesen fürchten Donald Trumps Rache

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Einer schwamm gegen den Strom

Allein der gegen den Strom schwimmende Thiel erkannte diese Spaltung. In der Wahlnacht ist er zu einem der wichtigsten Trump-Flüsterer aufgestiegen: Er berät den künftigen US-Präsidenten beim Zusammenstellen seines Kabinetts. Seine Gegner unterstellen Thiel so sein Start-up Palantir, das Geheimdienste und Militär zu seinen Kunden zählt, für Regierungsaufträge in Stellung zu bringen. Thiel äußert sich dazu nicht.

Trumps Sieg ist der Realitätsschock für das kalifornische Selbstverständnis: Er führt den IT-Riesen schmerzhaft vor Augen, wie sehr sie vom Wohlwollen der Politik abhängen. Einst hatten die Giganten von der Westküste arrogant die Nase gerümpft über das Klinkenputzen der Lobbyisten aus Pharma-, Rüstungs- und Finanzindustrie in Washington. IT-Produkte, von Microsofts Windows über Apples iPhone bis zu Werbung auf Google oder Facebook, verkauften sich von allein. Inzwischen ist die Techbranche selbst zum größten Lobbyisten-Finanzierer in Washington geworden.

Steueramnestesie

Will die Branche in Washington weiter wohlgelitten sein, muss sie ihre unverhohlene Abneigung gegen „The Donald“ überwinden. Denn Apple, Facebook, Alphabet (Google), Microsoft und Amazon offerieren nicht mehr nur begehrenswerte Produkte, unverzichtbare Software oder bequeme Dienste. Ihr Datensammeln und deren Analyse greift immer stärker in den Alltag ihrer Nutzer ein, ruft so die Politik auf den Plan. Auch bei ihrer Auslandsexpansion und ihrem Engagement in Zukunftsmärkten wie dem vernetzten, selbstfahrenden Auto oder der Telemedizin brauchen die Techriesen Rückendeckung aus Washington. Trumps Antifreihandelspolitik wäre ein Fiasko.

„Das Silicon Valley kam schon vor der Wahl immer häufiger mit der Realität – mit skeptischer Politik, hartnäckigen Lobbys und starren Gesetzen – in Konflikt“, sagt Jenny Lee, Wagniskapitalmanagerin bei GGV Capital in San Francisco. Etwa Uber und Airbnb, die mit ihren radikalen Geschäftsmodellen oft rücksichtlos bis arrogant in stark regulierte Wirtschaftsbereiche vordringen. „Doch mit Trump ist aus einer lästigen Fliege ein Tiger geworden“, sagt Lee.

Ironischerweise aber könnte ausgerechnet Trump auch positive Entwicklungen für das Valley lostreten. Welche, zeigt sich am besten beim Blick auf einzelne Techgiganten.

Apple: Profiteur wider Willen?

1,2 Billionen Dollar haben US-Firmen (ohne Finanzinstitute) im Ausland gehortet, schätzt die Ratingagentur Moody’s; das meiste davon Techkonzerne. Allein Apple hat 230 Milliarden Cash im Ausland, meist in Steuerparadiesen der Karibik. Bisher hätte Apple beim Zurückholen der Gelder 35 Prozent Steuern gezahlt. „Bei der Belastung holen wir das Geld sicher nicht in die USA“, gab sich Apple-Chef Tim Cook vor Monaten trotzig. Trump hat vorgeschlagen, die Steuerrate für Unternehmensvermögen aus dem Ausland auf zehn Prozent zu senken. „Gut möglich, dass Apple und andere Techfirmen bei solchen Konditionen das Geld in die USA bringen“, sagt der Analyst Andy Hargreaves vom US-Broker Pacific Crest Securities.

Das könnte gerade Apple gut für Investitionen in Zukunftstechnik gebrauchen, zumal absehbar ist, dass sich der wirtschaftliche Lebenszyklus des aktuellen Gewinnbringers iPhone dem Ende zuneigt. Apple liefert sich einen Wettlauf mit Google, Microsoft, IBM und Facebook um das Zukunftsgeschäft mit künstlicher Intelligenz (KI); sowohl Apple als auch Google haben zuletzt immer wieder KI-Firmen gekauft und stecken Milliarden in die Forschung. Auch Virtual Reality (VR) dürfte bald ein großer Markt sein; Marktforscher Digi Capital schätzt das Volumen für VR-Dienste, Hard- und Software bis 2020 auf 150 Milliarden Dollar. Im Kampf um eine gute Marktposition droht Apple gegenüber Microsoft und Facebook ins Hintertreffen zu geraten. Steuerbegünstigte Teile der 230 Milliarden Dollar Cash könnte Apple also besser als alle anderen gebrauchen, zumal auch noch zunehmend aggressive Investoren ständig höhere Dividenden fordern.

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