Sipri-Institut Militärausgaben global leicht rückläufig

Die weltweiten Militärausgaben sind im Zuge der Wirtschaftsflaute im vergangenen Jahr erstmals seit 1998 wieder gesunken. Dabei rüsten China und Russland auf, während die Vereinigten Staaten sparen.

Wo deutsche Waffen gefragt sind
Platz 10: FrankreichIm Jahr 2011 erhielt das Nachbarland Rüstungsartikel aus Deutschland im Wert von 152,3 Millionen Euro. Die wichtigsten Güter: Elektronische Ausrüstung, LKW, Geländewagen, Flugsimulatoren, Zünderstellvorrichtungen, Tankausrüstung, Flugkörper, Zielzuordnungssysteme, usw. (Quelle : Rüstungsexportbericht 2011) Quelle: REUTERS
Platz 9: SüdkoreaDas asiatische Land auf der koreanischen Halbinsel erhielt Rüstungsgüter in Höhe von 198,6 Millionen Euro. Die am meisten exportierten Güter: Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Echolotanlage, Teile für U-Boote und Fregatten, Zieldarstellungsdrohnen und Teile für Transportflugzeuge, Panzerplatten. Quelle: REUTERS
Platz 8: AlgerienDas nordafrikanische Land erhielt im vergangenen Jahr Rüstungsgüter im Wert von 214,4 Millionen Euro. Der Kassenschlager: Transportpanzer. Quelle: REUTERS
Platz 7: ItalienDie Alpenrepublik erhielt 2011 Rüstungsgüter in Höhe von 224,9 Millionen Euro. Die meisten exportierten Güter: Flugsimulatoren, Unterwasserortungsgeräte, LKW, Krankenwagen, Tankausrüstung, Elektronische Ausrüstung, Munition für Kanonen. Quelle: dpa
Platz 6: IrakDas Land erhielt 2011 Rüstungsgüter in Höhe von 244,3 Millionen Euro - vor allem Kampfhubschrauber wurden aus Deutschland an das Zweistromland geliefert. Quelle: AP
Platz 5: Vereinigtes KönigreichDie britische Armee erhielt 2011 Rüstungsgüter in Höhe von 320,1 Millionen Euro. Darunter befanden sich Munition für Gewehre, Startgeräte für unbemannte Luftfahrzeuge, elektronische Ausrüstung, Handgranaten und LKWs. Quelle: dapd
Platz 4: SingapurDer kleine südostasiatische Land erhielt 2011 deutsche Rüstungsgüter im Wert von 343,8 Millionen. Die Rüstungsartikel: Pionierpanzer, Brückenlegepanzer, Amphibienfahrzeuge, Brückensysteme und Landfahrzeuge. Quelle: dapd

Sparzwänge und weniger Kriegseinsätze lassen die Militärausgaben des Westens schrumpfen, während in anderen Regionen der Welt kräftig aufgerüstet wird. Nach den Erhebungen des internationalen Friedensforschungsinstituts Sipri sind die staatlichen Ausgaben für militärische Zwecke 2012 weltweit um 0,5 Prozent auf 1,75 Billionen Dollar (1,33 Billionen Euro) gesunken.

Deutschland belegte 2012 den neunten Platz auf der Liste für Militärausgaben mit (nach Sipri-Schätzung) 45,8 Milliarden Dollar und einem leichten Plus von 0,9 Prozent gegenüber 2011.

Allerdings steigerte China die Militärausgaben um 7,8 Prozent und Russland sogar um 16 Prozent, wie das Stockholmer Institut mitteilte. Hintergrund seien vor allem staatliche Sparzwänge in den USA und in Europa, während Länder wie China und Russland mehr ausgaben. "Wir erleben möglicherweise den Anfang einer Verschiebung des Gleichgewichts bei den globalen Rüstungsausgaben von den reichen westlichen Staaten hin zu den Schwellenländern", sagte der Sipri-Rüstungsexperte Sam Perlo-Freeman.

Diese deutschen Konzerne bewaffnen die Welt
Platz 10: Renk Die Augsburger Firma mit ihren rund 1900 Mitarbeitern liefert Getriebe für Schiffe, Lastwagen und Panzer, darunter das Prestigeprojekt von Rheinmetall und Krauss-Maffei-Wegmann, den Schützenpanzer „Puma“ (Bild). Im Rüstungsgeschäft fiel bei Renk ein Jahresumsatz von 158 Mio. Euro an. Quelle: dpa
Platz 9: Heckler & Koch Eines der verschwiegensten Unternehmen in Deutschland ist Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar. Der Mittelständler mit seinen insgesamt 650 Mitarbeitern ist bekannt für seine präzisen Handfeuerwaffen, von Dienstpistolen für Polizisten weltweit (im Bild: Walther P99) über die Gewehre G3 und G36 bis zur Maschinenpistole MP5. Heckler & Koch, der das meiste exportiert, kommt auf einen Rüstungsumsatz von 180 Mio. Euro. Quelle: dpa
Platz 8: Tognum Das Unternehmen aus Friedrichshafen am Bodensee mit rund 8700 Mitarbeitern stellt neben Antrieben für zivile Zwecke auch Dieselmotoren für Panzer, Lastwagen und Schiffe her - etwa für die Fregatte Sachsen (im Bild). Hervorgegangen ist die börsennotierte Firma 2006 aus der Ex-Daimler-Tochter MTU Friedrichshafen. Der Defense-Bereich trägt etwa ein Zehntel zum Gesamtumsatz bei, wobei die Rüstungseinnahmen bei 180 Mio. Euro liegen. Quelle: dpa
Platz 7: Atlas Elektronik Die Bremer Firma mit ihren rund 1900 Mitarbeitern ist auf Marinetechnik spezialisiert und liefert hauptsächlich Torpedos (im Bild: „Heavyweight Torpedo“), Seeminenräumgeräte und Navigationstechnik sowie elektronische Systeme, darunter Sonargeräte für U-Boote. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Rüstungsgeschäft. Damit erzielt Atlas Elektronik einen Jahresumsatz von 366 Mio. Euro. Quelle: dpa
Platz 6: MTU Aero Engines MTU Aero Engines aus München (7600 Mitarbeiter) baut Flugzeugtriebwerke, unter anderem für den Kampfjet Eurofighter (das Bild zeigt ein Flugzeugtriebwerk TP400-D6). Daneben gehört MTU mit General Electric, Pratt & Whitney und anderem zum Verbund Engine Alliance, der Triebwerke für die Airbus A380 herstellt. Der Rüstungsumsatz liegt bei 640 Mio. Euro. Quelle: dpa
Platz 5: Diehl Die Lenkwaffe Iris-T des Nürnberger Diehl-Konzerns gilt derzeit weltweit als präziseste Rakete für Kampfflugzeuge. Sie hängt an beinahe allen Militärjets der neuesten Generation - ob Eurofighter, Tornado, der schwedischen Saab Gripen oder den amerikanischen Jets F-16 und F-18. Der Diehl-Konzern, der neben Raketen auch Munition, Panzerketten und Schutzsysteme herstellt, kommt auf einen Rüstungsumsatz von 1,16 Milliarden Euro. Insgesamt beschäftigt Diehl mehr als 12.000 Menschen. Quelle: ap
Platz 4: Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) TKMS ist 2005 aus der Fusion der Thyssen-Krupp-Werften und der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) entstanden. Die Reihen U 212 und 214 sind die Vorzeigeprodukte von HDW. Dank des Elektroantriebs, der den Strom von einer Brennstoffzelle erhält, sind die Boote so leise und damit vom Feind so schlecht auszumachen wie kaum ein anderes Modell. Neben U-Booten baut TKMS auch Fregatten und Minenräumschiffe. Der Konzern kommt mit seinen knapp 8000 Mitarbeitern auf einen Rüstungsumsatz von 1,34 Milliarden Euro. Quelle: dpa

Den mit Abstand größten Militäretat haben weiterhin die USA. Sie schraubten ihn allerdings angesichts der schwächelnden Wirtschaft um sechs Prozent zurück. Damit macht er erstmals seit dem Ende der Sowjetunion vor mehr als 20 Jahren weniger als 40 Prozent der gesamten Rüstungsausgaben aus. Die USA wenden aber immer noch rund fünf mal so viel für militärische Zwecke auf wie China. Die mittlerweile zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt fährt ihre Rüstungsausgaben aber kräftig nach oben: Sie stiegen seit 2003 um 175 Prozent. Allein 2012 waren es 7,8 Prozent. Russland gab sogar 16 Prozent mehr für sein Militär aus. In Europa schränkten die Nato-Mitglieder unter dem Druck der Wirtschafts- und Schuldenkrise dagegen die Militärausgaben um zehn Prozent ein.

Die Stockholmer Friedensforscher erwarten, dass die Rüstungsausgaben wohl auch in den nächsten zwei bis drei Jahren insgesamt fallen dürften. Zumindest bis die Nato ihren Abzug aus Afghanistan Ende 2014 abgeschlossen habe, dürfte dies der Fall sein, sagte Perlo-Freeman. Die Militärausgaben in den Schwellenländern würden aber weiter steigen.

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Die Bundesregierung rief indes alle Staaten weltweit dazu auf, den Vereinten Nationen über ihre Militärausgaben zu berichten. Hierfür setze sich auch Außenminister Westerwelle persönlich ein, erklärte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Link. „Transparenz bei Militärausgaben ist ein zentraler Baustein für Abrüstung und Rüstungskontrolle“, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung Links weiter. Die Bundesregierung unterstütze die Vereinten Nationen mit 75 000 Euro beim Aufbau einer effizienteren Datenbank zu Militärausgaben. Seit 1980 seien die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen aufgerufen, freiwillig bis zum 30. April des Folgejahres über die Militärausgaben des Vorjahres zu berichten.

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