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Sparmaßnahme US-Armee soll schrumpfen

Die Truppenstärke bei der Army soll auf den tiefsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg fallen. Grund sind die hohen Schulden und Präsident Obamas neue Militärstrategie. Kritiker warnen vor dem Risiko eines Machtverlustes.

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Mit den neuesten Ankündigungen wird der Sparkurs bei der Armee der letzten verbliebenen Supermacht wahrscheinlich nicht beendet sein. Quelle: dpa

Washington Das mächtige Pentagon, die ikonenhafte Zentrale der US-Streitkräfte, glänzt am Montag unter einem hellblauen Himmel in der strahlenden Sonne. Doch innerhalb des gewaltigen Bürobaus vor den Toren der Hauptstadt Washington ist die Stimmung düster. Seit Jahren schon regiert hier der Rotstift.

Die verschuldete Supermacht muss ihre Armee immer weiter zusammenstreichen. Die neuesten Zahlen, die vor der Verkündung durch Verteidigungsminister Chuck Hagel schon in der Presse kursierten, sind ein neuer Markstein. Das Heer soll jetzt so klein werden wie zuletzt vor dem Zweiten Weltkrieg.

Nur noch zwischen 440.000 und 450.000 Soldaten sollen nach weiteren Einsparungen bei den Landstreitkräften dienen, berichteten US-Medien aus Hagels bislang nicht veröffentlichtem Budgetentwurf. Das sind rund 130.000 weniger als in den Jahren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, als die Amerikaner im Irak und in Afghanistan zwei Bodenkriege gleichzeitig führten.

Ende 2012 zählte die Army noch mehr als 540.000 Soldaten. Hinzu kommen insgesamt mehr als eine halbe Millionen Reservisten - doch auch diese Zahl scheint nicht in Stein gemeißelt zu sein. Insgesamt dürfte die Zahl aktiver Soldaten bei Armee, Marine, Luftwaffe und Marineinfanterie aber bei deutlich mehr als 1,2 Millionen bleiben - etwa halb so viel wie die der Chinesen.

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    „Wir müssen uns den Realitäten unserer Zeit stellen. Wir müssen pragmatisch sein. Wir können harten Entscheidungen nicht entkommen“, kommentierte der Pentagon-Sprecher John Kirby die Berichte laut dem Fachblatt „Military Times“. Er spielt damit vor allem auf die rigorose Sparpolitik in Washington an. Aber auch auf Amerikas neue Rolle in der Welt.

    Der Kongress hat das Budget des Militärs im kommenden Haushaltsjahr auf 496 Milliarden Dollar (361 Milliarden Dollar) gekürzt. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren lag das Jahresbudget noch über 700 Milliarden Dollar - allerdings inklusive der Kosten für Einsätze im Irak und in Afghanistan. Die US-Ausgaben sind aber immer noch um ein Vielfaches höher als die aller anderen Länder. Auch die Chinesen kommen nicht annähernd heran.


    Obama will Schlussstrich unter Besatzungen ziehen

    Es ist nicht nur Geldmangel, der Hagel zu seinen Entscheidungen bewegt. Er folgt auch den politischen Anweisungen seines Chefs. US-Präsident Barack Obama will nach 13 Jahren Krieg einen Schlussstrich unter langwierige Bodeneinsätze und Besatzungen ziehen. Kleiner und schlanker sollen die Streitkräfte nach seinen Worten werden, aber auch beweglicher und schneller einsatzbereit.

    Seine Maßgabe: Das US-Militär muss weiterhin jeden Gegner besiegen können - aber mit deutlich weniger Aufwand. Kaum verwunderlich, dass erfolgreiche Spezialeinsatzkommandos mehr Personal bekommen sollen.

    Nicht nur beim Heer, auch bei den anderen Streitekräfteteilen will Hagel sparen, allerdings nicht so eklatant. Die Marineinfanterie soll um 8000 auf 175.000 Mitglieder schrumpfen, schreibt die „Military Times“. Bei der Luftwaffe solle die gesamte Flotte der A-10-Kampfjets ausgemustert werden, auch über ein Ende andere Flugzeugtypen werde ernsthaft nachgedacht.

    Die Marine wolle zudem jeden zweiten Kreuzer aus dem Verkehr ziehen, bis das Geld zur Modernisierung da sei. Und an den Plänen, Militärinstallationen in Europa abzubauen, werde nicht gerüttelt. Unangetastet blieben hingegen die Flugzeugträger. Gegen all die Sparbemühungen regt sich immenser Widerstand bei konservativen Politikern, Veteranenverbänden und der Waffenlobby. Auch ranghohe Militärs warnen hinter vorgehaltener Hand, dass die Einsatzbereitschaft der US-Truppen massiv leiden könne.

    Mit den neuesten Ankündigungen wird der Sparkurs bei der Armee der letzten verbliebenen Supermacht wahrscheinlich nicht beendet sein. Für die Jahre nach 2015 will Hagel das Budget zwar wieder deutlich über die 500-Milliarden-Dollar-Marke anheben, wie bekanntwurde. Doch ob er damit durchkommt, ist mehr als fraglich, denn eigentlich treten nach dem derzeit geltenden Gesetz ab 2016 automatisch weitere starke Haushaltskürzungen in Kraft. Das Pentagon dürfte davon kaum verschont bleiben.

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