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SPD Schluss mit der Therapiesitzung

Die Sozialdemokraten wollen sich vier Jahre mit sich selbst beschäftigen. Dafür sind sie aber nicht gewählt worden. Ein Kommentar.

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Am Donnerstag trifft sich SPD-Chef Schulz mit Bundespräsident Steinmeier. Quelle: dpa

Berlin Patzer, Fehler und falsche Einschätzungen pflastern den bundespolitischen Weg von Martin Schulz. Wenn er am heutigen Donnerstag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Aufwartung macht, könnte ein weiterer hinzukommen. Der SPD-Vorsitzende ist wild entschlossen keine Neuauflage der Großen Koalition mitzumachen. Bislang hat er sich jedem Gespräch dazu verweigert. Aber täglich mehren sich auch innerparteilich die Stimmen, die ihn zum Umdenken auffordern.

Die Gründe für seine Haltung zeigen wieder einmal wie unerfahren Schulz auf der bundespolitischen Bühne agiert. Er sieht sich als Mann der Basis. Doch es geht ihm vor allem darum, seinen Kurzeinsatz als SPD-Vorsitzender noch eine Weile zu verlängern. Sein eigentliches Problem ist, dass ihn in der SPD niemand als Mann der Zukunft sieht.

Damit das nicht der SPD passiert und sie zur sozialdemokratischen Splitterpartei wird, sollten führende Genossen ihren Chef schnell zur Vernunft bringen oder noch besser: Auswechseln. Die SPD redet sich gerade ein, dass das schlechte Abschneiden allein an der großen Koalition unter Angela Merkel gelegen hätte.

Aber 2013 fuhr Peer Steinbrück zwar nicht wie Schulz das schlechteste, aber das zweitschlechteste Ergebnis für die SPD seit 1949 ein – aus der Opposition heraus. Die Gründe liegen also offenkundig am Erscheinungsbild und am Führungspersonal.

Die Verweigerungshaltung verstehen die Wähler insgesamt, aber auch Teile der SPD nicht. Warum wählt man die Sozialdemokratie, wenn die nichts durchsetzen, sondern erst mal vier Jahre beim Therapeuten rumsitzen will. Aufarbeiten der Fehler ist schön und gut. Angesichts der schwierigen Lage, sollte die SPD da mal einen Gang zulegen.

Wenn die SPD sagt, sie will jetzt nicht in eine große Koalition, dann müsste sie das auch nach einer Neuwahl sagen. So eine Verweigerungshaltung hat bislang nur die Linkspartei an Tag gelegt. Wenn die staatstragende SPD diesem Weg folgen will. Bitte!

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