Staatspleite Argentinien steht vor dem Bankrott

Die Verhandlungen im Schuldenstreit zwischen Argentinien und Hedgefonds sind gescheitert. Das südamerikanische Land steuert damit zum zweiten Mal in 13 Jahren auf eine Staatspleite zu. Wer hat Schuld?

Kommt Argentinien in eine bessere Verhandlungsposition? Quelle: dpa

Kurz kam noch einmal Hoffnung auf. Am Mittwochabend hieß es, Banken könnten die Schulden Argentiniens im Hedgefonds-Streit übernehmen und das Land vor einer Pleite bewahren. Keine zwölf Stunden später folgte die Ernüchterung: Die Verhandlungen sind gescheitert. Argentinien schlittert nach der Pleite von 2001 erneut in die Insolvenz.

Buenos Aires hatte bis Mittwoch um Mitternacht Zeit, 539 Millionen Dollar an Staatsschulden bei internationalen Gläubigern zu tilgen. Die argentinische Regierung hinterlegte die fällige Summe zwar bei einer US-Bank. Auf Anordnung des US-Bundesrichters Thomas Griesa muss Argentinien aber erst die beiden Hedgefonds ausbezahlen, ehe es die Forderungen der anderen Gläubiger begleichen darf. Buenos Aires verweigert die Zahlung an NML Capital und Aurelius, die argentinische Schulden nach der Staatspleite Ende 2001 billig aufgekauft hatten und nun den Nennwert geltend machen. Mit dieser umstrittenen Strategie fahren die Fonds hohe Renditen ein. Der argentinische Wirtschaftsminister Axel Kiciloff konnte am Mittwoch trotz stundenlanger Gespräche in New York keine Einigung mit den US-Fonds erzielen. Sein Land habe in den Verhandlungen ein Angebot vorgelegt, dies aber "wurde nicht angenommen, weil sie mehr wollten".

Der Minister wies die Auffassung zurück, dass Argentinien zahlungsunfähig sei. "Das Geld ist da. Wenn es einen Zahlungsausfall gäbe, wäre das Geld offenkundig nicht da", sagte er mit Blick auf die auf dem US-Konto eingefrorenen Millionen. Verantwortlich sei Richter Griesa, der eine Auszahlung an die Gläubiger verhindere.

Staatspleiten sind die Regel


Fraglich, ob Investoren sich dieser Argumentation anschließen. Das Vertrauen in den Schuldner Argentinien dürfte massiv leiden, das Land nur noch gegen hohe Risikoprämien neue Schulden aufnehmen können. Noch bevor Kicillof vor die Presse trat, verkündete Standard & Poor's die Herabstufung. Die Ratingagentur verwendet die Bewertung "teilweiser Zahlungsausfall", wenn ein Schuldner eine Anleihe oder Kreditrate nicht fristgerecht zurückzahlt, aber andere Verpflichtungen weiter erfüllt. Zuvor hatte S&P die argentinische Kreditwürdigkeit mit der Note CCC- bewertet.

Ist Argentinien Opfer von "Geiern" geworden?

Nun erhebt Argentinien schwere Vorwürfe: Die "Geierfonds" hätten versucht, Argentinien "etwas Illegales" aufzuzwingen, sagte Kicillof. Sein Land sei bereit, die Forderungen aller Gläubiger zu begleichen. "Aber unter vernünftigen Bedingungen, nicht unter erpresserischen Bedingungen", ergänzte er. Haben die Südamerika Recht? Ist das Land Opfer von Aasgeiern geworden - oder muss sich die Regierung an die eigene Nase fassen?

Rückblick: In den Jahren 2005 und 2010 hatte Argentinien sich mit mehr als 90 Prozent seiner Gläubiger auf eine Umschuldung geeinigt. Der Großteil der Anleger akzeptierte exorbitant hohe Verluste, denn die Alternative war der Totalverlust. Zudem waren den meisten Anlegern die Mühen eines Rechtsstreits zu hoch. Einige wenige Investoren wie NML Capital und Aurelius blieben jedoch hart. Das ist ihr gutes Recht.

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