WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Staatspleite Argentinien steht vor dem Bankrott

Seite 2/2

Warnung für Europa

Auf der anderen Seite muss sich die Regierung fragen lassen, wieso das Land wenige Jahre nach dem Schuldenschnitt schon wieder Finanzprobleme hat. Die Antwort ist recht eindeutig und liegt in der Fiskalverfassung Argentiniens. Die Zentralregierung muss für die Schulden der Provinzen einstehen. Dadurch haben diese einen sehr geringen Anreiz zur Sparsamkeit, wenn überhaupt. Sie häufen Schulden auf, die dann von der Zentralregierung übernommen werden müssen. Wir kennen dieses Verhalten aus Berlin und Saarbrücken, wenn auch in etwas kleinerem Maßstab. Argentinien ist damit eine Warnung an Europa. Wer die Schulden anderer übernimmt, muss sich nicht wundern, wenn Sparsamkeit und Disziplin untergraben werden.

Wirtschaftswachstum und Inflation in Argentinien.

Ein anderer Grund für den unaufhaltsamen Abstieg Argentiniens ist – so zynisch es klingt – der immer noch hohe Lebensstandard vieler Argentinier. Zwar beziehen inzwischen 40 Prozent der Argentinier in irgendeiner Form staatliche Zuschüsse. Doch insgesamt haben in Südamerika nur Chile und Uruguay die Argentinier beim Pro-Kopf-Einkommen überholt. Eine zwar schrumpfende, aber noch stattliche Anzahl unter den 41 Millionen Argentiniern kann relativ mühelos recht angenehm leben. Daher mag die politische und wirtschaftliche Elite nicht ernsthaft am Status quo rütteln – geschweige denn Strukturreformen angehen.

Finanziert wurden diese Ausgaben - wie in der Vergangenheit auch - mit der Notenpresse. Um Kritik zu vermeiden erließ die Regierung Kirchner das Verbot für Wissenschaftler, die Inflationsrate zu berechnen und zu veröffentlichen. Eine Bankrotterklärung, die die fehlende Bereitschaft der Regierung Kirchner zeigt, das argentinische Übel an der Wurzel zu packen.

Ein drittes Problem ist die Besteuerung der Agrarindustrie. Deren Exporte sorgten in der Vergangenheit stets verlässlich für Milliardeneinnahmen. Doch hohe Steuern und politische Fehlentscheidungen sorgten dafür, dass Argentinien seit 2006 vom dritten Platz als Rindfleischexporteur auf Rang zwölf abgestiegen. Das Land exportiert nur noch ein Viertel der Getreidemenge im Vergleich zu 2006 – auch weil die Regierung Weizenexporte verbietet, um die Mehlpreise niedrig zu halten.

Der neuerliche Zahlungsausfall könnte für die drittgrößte Wirtschaftsmacht Lateinamerikas schwerwiegende Folgen haben. Die wirtschaftliche Krise und die Inflation dürften sich verschärfen, die Landeswährung Peso weiter abwerten. Außerdem wäre Argentinien weiter vom internationalen Kapitalmarkt ausgeschlossen, an dem es schon seit der Staatspleite 2001 kein Geld mehr bekommt. Wegen der weitgehenden Isolation von den Finanzmärkten dürften die weltweiten Folgen dagegen überschaubar bleiben. (mit Material von Reuters)

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%