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Staatsschuldenkrise

Vom allergnädigsten Zutrauen in Banker

Seite 2/3

Respekt an Jens Weidmann

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank Quelle: dapd

Vom hohen Ross des Herrschertums von Gottes Gnaden setzte damals so mancher Fürst in Verkehrung der wirtschaftlichen Tatsachen "allergnädigstes Zutrauen" in die Bankiers seiner Zeit und verschuldete sich bis über die Halskrause - zumeist, um Krieg zu führen oder pompös Hof zu halten. Oftmals blieben die Bankherren in der Folge auf faulen Krediten sitzen, vor allem natürlich dann, wenn die Kriege, die mit ihrem Geld finanziert wurden, verloren gingen.

Erich Achterbergs Buch "Frankfurter Bankherren" zeigt eines: Staaten gehen seit ehedem so regelmäßig Bankrott wie Ebbe und Flut einander ablösen.

Wachstum nährte Illusion von Sicherheit

Unser Erstaunen über die Krise der europäischen Staatsfinanzen, in der wir uns dieser Tage befinden, rührt von der Illusion von Sicherheit her, an die wir uns in Jahrzehnten stetigen wirtschaftlichen Wachstums gewöhnt haben. Eine Prosperität nie zuvor in der Geschichte beobachteten Ausmaßes hat uns glauben lassen, dass die Bäume immer weiter in den Himmel wachsen und der Staat immer größere Aufgaben schultern kann, ohne je in Schwierigkeiten zu geraten. Herausforderungen wie die Globalisierung, die Digitalisierung und die Alterung der Gesellschaft wurden dabei mancherorts übersehen oder schlichtweg ignoriert.

Tapferer Weidmann

In den vergangenen zwei Wochen hat sich die Staatsschuldenkrise erneut dramatisch zugespitzt: Italienische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentierten phasenweise über sieben Prozent; Anleihen bislang als ungefährdet geltender Staaten der Euro-Zone verloren ebenfalls massiv an Wert; mit der spanischen stolperte die insgesamt sechste Regierung über die Krise und Frankreichs Staatstitel litten unter Gerüchten über eine bevorstehende Herabstufung der Bonität der "grande nation" durch die Agentur Moodys.

Die Tonlage in der Politik wird mit jedem Tag schriller. Immer lauter erschallt der Ruf, die Europäische Zentralbank solle unbegrenzt Staatsanleihen der Euro-Zone aufkaufen, um so dem Anstieg der Renditen ein Ende zu setzen. Jens Weidmann, der junge Präsident der Deutschen Bundesbank, widersetzt sich diesem Ansinnen vehement. Zu groß erscheinen ihm die Gefahren, die mit solchen unbegrenzten Käufen seitens der Notenbank verbunden wären. Dass Amerikaner und Briten diese wunderliche Form der Staatsfinanzierung schon seit geraumer Zeit praktizieren, ist lange noch kein Beweis für deren Sinnhaftigkeit. Weidmann verdient für seine konsequente Haltung Respekt.

Das Gespenst der Eurobonds

Auch ein anderes Gespenst geistert erneut durch die Debatte: die Einführung sogenannter Euro- oder "Stabilitätsbonds", wie sie der Präsident der EU-Kommission Baroso seit kurzem zu nennen pflegt. Eigentlich hätte man annehmen sollen, dass die Idee, man könne über solche gemeinsam begebenen Anleihen aller Länder der Euro-Zone das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen, ohne zuvor eine gemeinsame Wirtschaftsregierung geschaffen zu haben, schon längst beerdigt wäre. Doch Baroso, Juncker und andere bringen die "Eurobonds" immer wieder in die Diskussion ein. Soll hier etwa der stete Tropfen den Stein höhlen?

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