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Stefan Kracht »Aus allen Schichten«

Die Proteste könnten zu einer Spaltung der Gesellschaft führen.

Demonstranten in Hongkong Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Herr Kracht, hat Sie die Eskalation der Proteste überrascht?

Stefan Kracht: Ich muss betonen: Es geht hier um vielleicht 500 Quadratmeter, auf denen die Polizei circa 90 Tränengaskapseln geworfen hat. Ich bin froh, dass die Proteste größtenteils sehr friedlich verlaufen, dies beweist die Reife der Demonstranten. Überrascht hat mich, dass doch so viele Hongkonger aus allen Schichten und Altersgruppen teilnehmen. Und zuletzt war es eine gute Entscheidung der Polizei, ihre Leute abzuziehen.

Stefan Kracht

Die Bilder rufen Erinnerungen an die Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 wach. Sehen Sie Parallelen?

Für die Kommunistische Partei wäre ein gewaltsamer Eingriff das größte Desaster, wie man schon an den Tränengas-Bildern in der internationalen Presse sehen konnte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Peking mit mehr Härte gegen die Proteste vorgeht. Das hat man aber 1989 auch gesagt.

Regionen, die China Probleme machen könnten

Wie ist die Stimmung in Hongkong?

Die großen Banken in Central sind natürlich nicht gerade begeistert. Aber die direkten Auswirkungen der Besetzung sind gering. Viele Mitarbeiter kamen in den vergangenen Tagen sogar schneller zur Arbeit, weil die Straßen frei waren. Am schwersten trifft es die vielen Geschäfte, vor allem in dieser „Golden Week“, in der sonst Hunderttausende von Festlandschinesen ihren Urlaub in Hongkong verbringen.

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Was wäre das Worst-Case-Szenario?

Schon eine Ausgangssperre und Militärpolizei wären fatal für den internationalen Finanzstandort. Waffengewalt gegen die Demonstranten oder gar den Einsatz der Volksbefreiungsarmee aber kann sich hier niemand vorstellen.

Welche Auswirkungen werden die Proteste auf längere Sicht haben?

Es droht eine Spaltung der Gesellschaft. Viele Studenten dürften sich radikalisieren, und auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass auch das Pro-Peking-Lager sehr groß ist. Vor allem viele der älteren Hongkonger stehen aufseiten Pekings. Zudem könnte das Parlament gelähmt werden: Die Regierung ist Peking treu, die Pro-Demokratie-Parteien blockieren deren Gesetzesentwürfe.

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