Steinmeier fordert mehr Engagement Obama warnt vor Ebola-Hysterie

Angesichts der Ebola-Epidemie in Westafrika melden sich mehr und mehr westliche Politiker zu Wort. US-Präsident Obama ermahnt die Amerikaner, nicht in Hysterie zu verfallen.

Angesichts von drei bekannten Ebola-Fällen in den USA warnt Präsident Barack Obama vor Hysterie. In den Vereinigten Staaten handele es sich nicht um eine Epidemie, sagte er in seiner wöchentlichen Video-Ansprache am Samstag. In der Karibik erregte ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff Aufsehen: An Bord befindet sich eine Frau, die als Laborleiterin in einem Krankenhaus in Texas mit Ebola-Proben in Kontakt gekommen sein soll. Aus Furcht vor der Seuche durfte das Schiff zwei Karibik-Häfen nicht anlaufen.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte ein stärkeres Engagement der Weltgemeinschaft im Einsatz gegen die Seuche in Westafrika. „Wir alle haben Ebola unterschätzt. Heute wissen wir, dass wir mit jedem Tag, der ohne konsequentes Handeln vergeht, Gefahr laufen, den Kampf gegen Ebola zu verlieren“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, sagte dem Blatt, die Hilfe laufe nun an, „spät sicherlich, aber nun von vielen Seiten“.

Deutschland entwickelt offenbar Ebola-Spezialflugzeug

Wie das Blatt weiter berichtet, lässt die Bundesregierung angesichts des schwierigen Transports von Ebola-Patienten ein Spezialflugzeug entwickeln. Dieser Vorschlag des Auswärtigen Amtes sei in einer Staatssekretärsrunde am 19. September vereinbart worden, berichtete die Zeitung vorab. Bis Mitte November sollten solche Flugzeuge zur Verfügung stehen. Hintergrund ist, dass dann die ersten freiwilligen Helfer aus Deutschland in die von Ebola betroffenen Länder in Westafrika aufbrechen sollen. Den Auftrag, ein solches Flugzeug bereitzustellen, habe die Lufthansa erhalten.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von Leyen (CDU) hatte in den vergangenen Wochen eingeräumt, dass die Bundeswehr - wie nach FAS-Angaben auch allen anderen EU-Staaten - nicht über ein solches Spezialflugzeug zur Evakuierung hoch ansteckender Patienten verfügt. Die nun geplante eigens ausgerüstete Transportmaschine wäre ein Prototyp, der auch von anderen Ländern übernommen werden könnte. Bisher gehörten die weltweit einzigen beiden Flugzeuge, die für einen Transport schwer erkrankter Ebola-Patienten ausgerüstet sind, der amerikanischen Firma Phoenix Air mit Sitz in Georgia. Die Spezialflugzeuge würden von Regierungen über das US-Außenministerium gemietet. Sie seien auch für Flüge hochinfektiöser Erkrankter nach Deutschland eingesetzt worden.

Das ist das Ebola-Virus

Erstmals in Frankreich wurden Flugpassagiere am Samstag auf Ebola kontrolliert. Am Charles-de-Gaulle-Flughafen in Paris mussten sich Reisende bei der Ankunft aus Guinea einer Fiebermessung unterziehen. Auch in London gibt es solche Kontrollen.

Großbritanniens Premierminister David Cameron verlangte von der Europäischen Union (EU), die Finanzmittel im Kampf gegen Ebola auf eine Milliarde Euro zu erhöhen. „Es muss noch viel mehr getan werden“, schrieb Cameron in einem Brief an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und die EU-Regierungschefs. Auf dem bevorstehenden EU-Gipfel in Brüssel in der nächsten Woche müsse ein „ehrgeiziges Unterstützungspaket“ beschlossen werden. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben bisher 450 Millionen Euro zur Bekämpfung der Krankheit in den westafrikanischen Krisenländern bereitgestellt.

Fiese Keime
EbolaDie Ausbreitung dieses Filovirus ließ sich in der Vergangenheit durch Isolation der Kranken sehr gut eingrenzen, weil der Erreger nur durch engen Kontakt mit Erkrankten und deren Körperausscheidungen oder Blut weiter gegeben wird. Zudem können Menschen, die sich mit Ebola angesteckt haben, andere erst dann infizieren, wenn sie selbst offensichtlich erkrankt sind. Während der bis zu 21 Tage dauernden sogenannten Inkubationszeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit besteht keine Ansteckungsgefahr. Die fadenförmigen Viren befallen vor allem die Fresszellen unter den weißen Blutkörperchen sowie Zellen in der Leber, den Lymphknoten und der Milz. Sie lösen dabei hohes Fieber und Blutungen aus. 60 bis 90 Prozent der Erkrankten sterben innerhalb weniger Tage oder Wochen an diesem hämorrhagischen Fieber. Weil die Seuche so tödlich ist, hat sie sich bisher immer nach wenigen Wochen selbst auslöscht. Weil sie aber auch Tiere befällt, kommt es immer wieder zu Infektionen von Menschen und neuen Epidemien. Quelle: AP
AidsDas Immunschwäche auslösende Virus (Humanes Immundeffizienz Virus, HIV) wird zwar ebenfalls durch Blut und Körperflüssigkeiten vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen, hat aber eine ganz andere Ausbreitungsdynamik. Hier dauert es im Mittel zehn Jahre, bis die Erkrankung offensichtlich wird. Trotzdem kann der Infizierte schon während dieser jahrelangen Inkubationszeit andere Menschen anstecken. Vor allem in den ersten Wochen ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch. So hat sich das Aids-Virus, seit es Anfang  der 1980er Jahre vom Affen auf den Menschen übersprang, sehr erfolgreich über die ganze Welt verbreitet. Die Pandemie hat seither etwa 28 Millionen Menschenleben gefordert. Aids kam vor allen in den Anfangsjahren einem Todesurteil gleich. Heute lässt sich das Virus – zumindest in der westlichen Welt – mit einem Dreifach-Cocktail aus zwischenzeitlich entwickelten Medikamenten recht gut unter Kontrolle halten. Auch  die Ausbreitung wurde durch Aufklärung deutlich eingegrenzt: Am wirksamsten ist der Schutz durch Kondome beim Sex. Quelle: Gemeinfrei
Hepatitis BDiese Form der Leberinfektion wird wie Aids vor allem beim Geschlechtsverkehr weitergegeben. Aber auch Piercing, Spritzen oder Blutkonserven sind potenzielle Übertragungswege. Mit über 350 Millionen Infizierten gehört das Hepatitis-B-Virus zum erfolgreichsten Krankheitserreger der Welt. Es ist vor allem in China und Südostasien, dem Nahen Oste und Afrika weit verbreitet. Bei 90 Prozent der Infizierten heilt die Erkrankung aber schnell und vollständig aus – oft sogar ohne die typischen Gelbsucht-Symptome wie Gelbfärbung der Haut oder Gliederschmerzen. Dennoch sind auch diese unerkannten Infizierten anstecken. Und bei jenen zehn Prozent der Betroffenen mit chronischem Verlauf kommt es zu schweren Leberzirrhosen und zum Leberkrebs. Durch eine Impfung konnte das Virus vor allem in der westlichen Welt allerdings drastisch eingedämmt werden. In Deutschland werden seit 1995 alle Neugeborenen gegen Hepatitis B geimpft. Quelle: Gemeinfrei
Hepatitis CAuch dieses Virus wird über Blut und Körperflüssigkeiten weitergegeben. Es befällt wie sein naher Verwandter, das Hepatitis-B-Virus, die Leber und bleibt oftmals unerkannt. Der Anteil chronischer Erkrankungen ist allerdings deutlich höher: Bei etwa einem Drittel der Betroffenen zerstört das Hepatitis-C-Virus (HCV) das Organ. Weltweit sind rund 170 Millionen Menschen mit HCV infiziert, allein 300.000 in Deutschland. Besonders betroffen ist zum Beispiel Ägypten, wo 15 bis 20 Prozent der Menschen das Virus in sich tragen. Auch Nicht-Erkrankte können den Erreger weiter geben. An einer Impfung arbeiten Forscher derzeit – zum Beispiel beim Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und beim  schweizerischen Biotechnik-Unternehmen Okairos, das 2013 vom britischen Pharma- und Impfstoff-Konzern GlaxoSmithKline aufgekauft wurde. Seit Ende vorigen Jahres ist zudem ein sehr wirksames Medikament des kalifornischen Unternehmens Gilead Sciences auf dem Markt, das allerdings wegen seines hohen Preises ebenso hohe Wellen schlägt: Eine einzelne Sovaldi-Pille kostet 700 Euro, die zwölf Wochen dauernde Behandlung schlägt mit gut 60.000 Euro zu Buche. Quelle: Gemeinfrei
InfluenzaAnders als Ebola, Aids oder Hepatitis befallen Grippe- oder Influenza-Viren die Atemwege der Menschen und verbreiten sich beim Husten oder Niesen durch winzige Tröpfchen sehr effektiv über die Luft. Damit ist es sehr schwer, sich vor einer Ansteckung zu schützen – und Infizierte sind bereits eine Ansteckungsgefahr für Mitmenschen, lange bevor sie selbst mit hohem Fieber und Gliederschmerzen schwer krank im Bett liegen. Anders als eine gewöhnliche Erkältung kann eine echte Grippe durchaus lebensbedrohlich sein. Allein in Deutschland fordert die saisonale Wintergrippe jedes Jahr bis zu 15.000 Menschenleben. Vor allem ältere und immun geschwächte Menschen sind gefährdet. Da jedes Jahr andere Grippestämme grassieren, besteht die Schutzimpfung alljährlich aus drei unterschiedlichen Virentypen, die von den Beobachtungsteams der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgewählt werden. Quelle: Gemeinfrei
SchweinegrippeDa Influenza-Viren auch Vögel und Schweine befallen, entstehen laufend neue Erregertypen. So brachte zwischen 1918 und 1920 solch ein für den Menschen völlig neuer und besonders virulenter Influenza-Stamm – die sogenannte spanische Grippe – weltweit mindestens 25 Millionen Menschen um. Der Erreger gehörte zum Subtyp A/H1N1, der unter dem Namen Schweinegrippe im Frühjahr 2009 erneut für Aufsehen sorgte. Damals war die Sterblichkeit bei den Erkrankten des zuerst in Amerika auftretenden Erregers extrem hoch. Später zeigte sich jedoch, dass vor allem ältere Menschen teilweise gegen den neuen Schweinegrippe-Erreger immun waren. Die zunächst befürchteten zigmillionen Toten blieben aus. Das Virus hat sich aber inzwischen aber weltweit ausgebreitet und unter die saisonalen Grippeerreger gemischt. Quelle: dpa
VogelgrippeUnter ständiger Beobachtung stehen Influenza-Viren der Subgruppe A/H5N1 und A/H9N7, die bei Geflügelzüchtern verheerende Schäden anrichten und sich auch über wildlebende Zugvögel weltweit verbreiten. Vor allem eine Infektion mit dem H5N1-Typ, der auch unter dem Namen Geflügelpest bekannt ist, endet für Legehennen oder Masttiere wie Enten, Truthähne oder Gänse in der Regel tödlich. Immer wieder springen Vogelgrippe-Erreger vor allem im asiatischen Raum auch auf den Menschen über, was bisher aber nie zur befürchteten Pandemie beim Menschen mit avisierten sieben Millionen Toten führte. Quelle: AP
SARSEin anderer luftgängiges Virus ist ein Ende 2002 erstmals in China beobachtetes  Coronavirus, das das sogenannte schwere akute respiratorische Syndrom (SARS) hervorruft – eine Art Lungenentzündung. Der bisher einzige große SARS-Ausbruch forderte 2002 und 2003 insgesamt knapp 1000 Todesopfer. Quelle: AP
MERSDem SARS-Erreger nah verwandt ist MERS, ein Cornona-Virus, das vor allem im Nahen Osten Probleme macht und das Middle East Respiratory Syndrome hervorruft. Der Erreger wird vor allem von jungen Kamelen auch immer wieder auf den Menschen übertragen. Ein sprunghafter Anstieg der menschlichen Infektionszahlen auf über 500 in diesem Frühjahr beruhte aber offensichtlich auf einer neuen Testmethode, die viel mehr Infizierte dingfest machte als die alte Testmethode. Auch der befürchtete Anstieg von Infektionen beim Menschen während der im Oktober anstehenden Pilgerfahrt nach Mekka, der Haddsch, blieb aus. Quelle: AP
EhecGanz andere Übertragungswege sind für Lebensmittelkeime typisch: Hier stecken sich die Menschen nicht gegenseitig an, sondern sie infizieren sich beim Genuss von Nahrungsmitteln, die mit den Keimen verseucht sind. Besonders gefährlich sind die Vertreter der Gruppe enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC). Unter diesem Namen werden entartete, sonst gutartige Darmbakterien des Stammes Escherichia coli zusammengefasst, die schwerste und oft tödliche Probleme beim Menschen hervorrufen. Hier zerstören Bakteriengifte die Blutzellen und setzen die Niere außer Funktion. Im Frühsommer 2011 brach eine solche EHEC-Epedemie in Norddeutschland aus: 4321 Menschen infizierten sich, 50 von ihnen starben. Zunächst standen Gurken, Tomaten und Salat unter Verdacht. Erst nach wochenlanger Suche kamen die Fahnder der Ursache auf die Spur: Aus Ägypten stammende Samen von Bockshornklee-Sprossen waren mit EHEC verseucht. Sobald die Quelle bekannt war und vor dem Verzehr gewarnt wurde, ebbte die Epidemie wieder ab. Quelle: Gemeinfrei

Obama ermahnte die Amerikaner, angesichts des lebensgefährlichen Ebola-Virus' nicht in Angst oder Hysterie zu verfallen. Jedes Jahr stürben Tausende Amerikaner an der Grippe. In den USA gehe es um lediglich drei bekannte Fälle bei mehr als 300 Millionen Einwohnern. „Wir müssen das in der richtigen Perspektive sehen“, appellierte der Präsident.

Kreuzfahrtschiff soll in den USA anlegen

In den USA haben sich zwei Krankenschwestern mit Ebola angesteckt. Beide sollen sich in einer Klinik in Dallas bei der Versorgung eines aus Liberia eingereisten Mannes infiziert haben. Der Mann starb am 8. Oktober.

In der texanischen Hafenstadt Galveston soll an diesem Sonntag das US-Schiff „Carnival Magic“ eintreffen. Es hatte weder in Belize noch auf der mexikanischen Insel Cozumel eine Anlegeerlaubnis bekommen. Das Unternehmen Carnival Cruise Lines orderte daher die Rückfahrt in die USA an. Die Kreuzfahrtgesellschaft teilte am Freitag (Ortszeit) mit, die Laborbeschäftigte an Bord stelle keine Gefahr für Passagiere und Besatzung dar. Sie sei 19 Tage zuvor zuletzt in dem Labor tätig gewesen und zeige keinerlei Symptome. Sie bleibe in freiwilliger Quarantäne. Die „Carnival Magic“ bietet Platz für rund 5000 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

US-Präsident Obama: „Wir müssen das in der richtigen Perspektive sehen.“ Quelle: AP

Obama sagte zu den Diskussionen über ein mögliches Flugverbot für Reisende aus den von Ebola betroffenen Ländern, die USA könnten sich nicht einfach von Westafrika abschneiden. Die Vereinigten Staaten würden die globalen Bemühungen im Kampf gegen den Virus in Liberia, Sierra Leone und Guinea weiter anführen, um die Krankheit an ihrer Quelle zu stoppen.

In den drei westafrikanischen Ländern starben nach offiziellen Zahlen bisher mindestens 4546 Menschen an der Seuche. In weltweit bisher sieben betroffenen Ländern wurden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum 14. Oktober 4555 Ebola-Tote registriert.

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