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Stelter strategisch

Brexit, Trump, Le Pen – die Folgen der Eiszeit

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Medizin wirkt nicht

Politiker und Volkswirte wollen derweil nicht einsehen, dass ihre Medikamente nicht wirken. Noch immer wird von einer erfolgreichen Bewältigung der Krise gesprochen, obwohl wir weit davon entfernt sind. Es stimmt eben nicht, dass es genügt, den Freihandel zu bewahren und die Banken nicht Pleite gehen zu lassen, indem man die Schuldner mit billigem Geld am Leben erhält. So bewältigt man eine Depression nicht, man verlängert sie. Zombie-Banken und Zombie-Schuldner dämpfen das Wachstum, verhindern die dringende Erneuerung und Bereinigung und verschärfen damit das Problem. Ohne eine Bereinigung der faulen Schulden gibt es kein Ende der Krise.

Die Politiker der westlichen Staaten haben sich um diese Aufgabe gedrückt und die Zeit, die ihnen die Notenbanken gekauft haben, nicht genutzt. Das Wunder, auf das sie gehofft haben – hohes Wachstum und/oder Inflation – hat sich nicht eingestellt. Nun kommt die Quittung an der Wahlurne und die Eiszeit kommt in die nächste Phase.

Eines der Szenarien, welches ich in meinem Buch für das Ende der Eiszeit beschreibe, ist der politische Umbruch. Bevölkerungen, die Dauerstagnation und Sparen satt haben, wählen „radikale“ oder „populistische“ Parteien und setzen damit eine Form der Krisenbewältigung in Gang. Wäre es bisher möglich gewesen in einem kooperativen Verfahren die Schulden geordnet zu bereinigen, drohen damit die radikaleren Varianten: Zahlungseinstellungen, Euroaustritte oder drastische Inflationierung.

Letzteren Weg könnten die USA nun am erfolgreichsten beschreiten. Als größter Schuldner der Welt in eigener Währung verschuldet und mit einem Präsidenten, der nicht nur am klarsten für die direkte Finanzierung des Staates durch die Notenbank eintritt, sondern auch noch mit einem Parlament zusammen arbeiten kann, in dem seine Partei die Mehrheit hat. Mit Trump kommt die Reflation war schon in der vergangenen Woche die These meiner Kolumne. Das gilt auch noch nach seinem Wahlsieg. Als erstes dürfte die Fed mit Blick auf die „gestiegenen Risiken“ die Zinserhöhung weiter aufschieben.

Jeder kämpft für sich allein

Die Politik der USA wird dann tatsächlich negative Folgen für andere Regionen haben, vor allem China und Europa. China könnte auf eine Abschwächung der Wirtschaft mit weiteren Stimulierungsmaßnahmen reagieren, damit aber die Ungleichgewichte weiter erhöhen und das Potenzial für eine eigene Finanz- und Schuldenkrise erhöhen. Europa hingegen hat wenige Instrumente. Die EZB kann versuchen, noch mehr Wertpapiere aufzukaufen und die Zinsen noch tiefer zu treiben. Die Euro-Staaten können jedoch nicht koordiniert handeln und die Anwendung von Helikopter-Geld ist bis auf weiteres undenkbar.

Damit fällt die Anpassungslast einer relativ besseren US-Entwicklung auf Europa und eine etwaige Rezession wird den europa- und eurokritischen Kräften weiter Auftrieb geben. Damit werden sowohl ein Uscitalia wie ein Frexit wahrscheinlicher.

Aus Sicht der Geldanlage bedeutet dies wohl (deutlich) höhere Inflation in den USA sowie Rezession und deflationärer Druck in Europa mit wieder aufflammender Eurokrise. Gegen Inflation schützen Immobilien, Aktien und Gold. Gegen Deflation und Zahlungsausfälle Gold und ausgewählte Qualitätswerte. Spannende Themen für die kommende Woche.

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