WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Steueraffäre Anklage gegen möglichen „Luxleaks“-Enthüller

Für große Unternehmen war Luxemburg jahrelang eine Steuer-Oase. Inzwischen sind die Steuermodelle des Landes in die Schlagzeilen geraten. Losgetreten hat die „Luxleaks“-Affäre ein Insider. Nun könnte er aufgeflogen sein.

Quelle: dpa

Die Luxemburger Justiz ist möglicherweise einem Hinweisgeber in der Steueraffäre des Landes auf der Spur. Wegen mutmaßlichen Verrats von Geschäftsgeheimnissen der Steuer- und Finanzberatungsfirma PriceWaterhouseCoopers (PWC) wurde Anklage gegen einen Verdächtigen erhoben, wie die Staatsanwaltschaft am Freitagabend mitteilte.

Firmen sollen in dem Großherzogtum mit Hilfe der Luxemburger Behörden jahrelang legal ihre Steuerlast gedrückt haben. Mehrere Medien hatten mit ihren Recherchen die „Luxleaks“-Affäre ins Rollen gebracht.

Ex-Mitarbeiter von PWC unter Verdacht

Der mögliche Informant ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein französischer Ex-Mitarbeiter von PWC, der den ganzen Freitagnachmittag verhört wurde, allerdings auf freiem Fuß bleibt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, sich unerlaubt Zugriff auf die Datenverarbeitung verschafft zu haben. Er soll Informationen weitergegeben haben, die die „Luxleaks“-Enthüllungen mit auslösten.

Die Steuer- und Finanzberatungsfirma PWC hatte im Juni 2012 wegen Diebstahls von Dokumenten Anzeige gegen unbekannt erstattet. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Veröffentlichungen zu umstrittenen Luxemburger Steuerpraktiken auf Unterlagen aus ihrem Haus beruhen.

Diese Unternehmen prellen den Steuerzahler
Es ist bereits die zweite Enthüllungs-Welle der sogenannten Luxemburg-Leaks. Nachdem in einer ersten Auswertung bereits etwa 300 Unternehmen mit den fragwürdigen Geschäften im Steuerparadies in Verbindung gebracht worden waren, sind jetzt 35 neue Konzernnamen in den Dokumenten aufgetaucht. Der bekannteste ist wohl der von Walt Disney. Das Medienimperium soll im Großherzogtum eine konzerninterne Bank gegründet haben, die ihre Gewinne mit weniger als einem Prozent versteuerte. Enthüllt hat die Informationen ein Netzwerk an investigativen Journalisten, dem sich mehrere internationale Medien angeschlossen haben. Quelle: REUTERS
Ebenfalls ein klangvoller Name, der aus den Dokumenten hervorsticht: Der Internet-Telefondienstleister Skype. Über seine Zweigstelle in Luxemburg hat Skype Berichten zufolge bis zu 95 Prozent der Lizenzeinnahmen nicht versteuert. Laut geltendem Recht ein legaler Vorgang. Von der eigentlichen Körperschaftsteuer von rund 29 Prozent musste das Unternehmen nur 1,5 Prozent zahlen. Quelle: dpa
Der Hygieneartikelhersteller Reckitt Benckiser (RB), zu dem die Marken Calgon und Clearasil zählen, soll offenbar ein milliardenschweres Kreditgeschäft über Luxemburg abgewickelt haben, bei dem die Steuerlast auf ein Minimum reduziert wurde. Eine der reichsten deutschen Industrie-Dynastien, die Familie Reichmann, hält Anteile an dem britischen Konzern. Quelle: Bloomberg
Das Steuersparmodell für die namhaften Konzerne, das zum Teil auf hochkomplexen Finanzstrukturen basiert, soll zu großen Teilen von der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers ausgearbeitet worden. Besonders raffiniert vorgegangen ist offenbar Ikea. In Berichten heißt es, Ikea habe Tausende Einkünfte von einem Land ins andere überwiesen - und dabei kräftig an Steuern gespart. Demnach soll jede Ikea-Filiale drei Prozent ihres Umsatzes an die Tochterfirma Ikea Systems in Holland überwiesen haben. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt, entgingen dabei allein dem deutschen Staat im Jahr 2013 36 Millionen Euro Steuereinnahmen. Quelle: dpa
Wann immer ein Unternehmen mit fragwürdigen Machenschaften in Zusammenhang gebracht wird, Amazon ist meist nicht weit entfernt. Der Online-Versandhändler war bereits in der Vergangenheit öfter wegen seiner Steuergestaltungen in die Kritik geraten. Kaum überraschend, dass sein Name auch in den Luxemburger Unterlagen auftaucht. Quelle: AP
Neben Amazon sollen sich zwei weitere US-Konzerne über Jahre hinweg erfolgreich davor gedrückt haben, ihrer Steuerpflicht nachzukommen. Pepsi und... Foto: Jochen Zick, Keystone Pressedi Quelle: Presse
...FedEx. Der Name des Kurierdienstes taucht in den mehr als 50 Dokumenten auf, die bislang unter Geheimhaltung standen. Die Unterlagen aus den Jahren 2003 bis 2010 wurden dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) zugespielt. Quelle: dpa

Nach jüngsten Informationen eines Journalistenkonsortiums profitierten auch Konzerne wie Skype, Disney und die deutschen Chemiefirmen Oxea und Brenntag von den Steuervorteilen.

Die Berichte über die Luxemburger Steuermodelle machen auch dem neuen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zu schaffen. Kritiker werfen dem 60-Jährigen vor, während seiner Zeit als Luxemburger Regierungschef die Steuervermeidungsmodelle mit ermöglicht zu haben, die zulasten anderer EU-Länder gingen. Einen Misstrauensantrag im Europaparlament hat er im November überstanden.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%