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Steuern Welcher Steuersatz ist fair?

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Reiche zahlen weniger

Das weltweite Netz der Steuerhinterziehung
Two women walk past a beggar sitting on the steps of an underground pedestrian crossing in downtown Moscow, Quelle: AP
Fishermen navigate their boats past an area of old buildings, which are under demolition work in front of hotel buildings that are under construction on the man-made Fenghuang (Phoenix) island Quelle: REUTERS
Two Russian women, who did not want to be identified, try on mink coats in Moscow Quelle: AP
Symbolische Schuldscheine Quelle: dpa
A girl hawks local snacks in the Dal neighbourhood before the break of fast on the second day of the holy month of Ramadan in Nigeria Quelle: REUTERS
Currency traders talk in front of the screens showing the Korea Composite Stock Price Index Quelle: dapd
Ein Mitarbeiter nimmt einen 1000 Gramm schweren Goldbarren Quelle: dpa

Um Missverständnisse vorzubeugen: Derzeit entfallen rund drei Viertel des Einkommenssteueraufkommens auf das reichste Viertel der Deutschen. Sie sind der Rückgrat des deutschen Staatshaushaltes.

Allerdings wurden die Superreichen durch die Steuerreform vor mittlerweile zwölf Jahren überproportional stark entlastet. Sie treten im Schnitt 34 Prozent ihres Einkommens an den Fiskus ab. Vor der Reform waren es noch 48 Prozent, schreiben die Wissenschaftler Stefan Bach, Giacomo Corneo und Viktor Steiner in einer Studie für das "German Economic Review". Zudem gebe es einen "Werkzeugkasten an legalen Steuertricks", mit dem sie ihr zu versteuerndes Einkommen drücken konnten.

Die internationalen Spitzensteuersätze

Die Folge: Immer mehr Deutsche empfinden das Steuersystem als ungerecht. In einer Allensbach-Umfrage äußerten 78 Prozent der Befragten ihre Zweifel, dass die Abgabenlast in Deutschland fair verteilt ist. "Was die Bürger umtreibt, ist der berechtigte Verdacht, dass es in unserem Steuersystem eine Vielzahl von Sondervergünstigungen für unterschiedlichste Gruppen gibt – zum Beispiel für Hoteliers, Landwirte oder Aktionäre. Es schleicht sich das Gefühl ein, dass der einfache Lohn- und Mehrwertsteuerzahler der Dumme ist", sagt Scherf.

"Ich glaube, dass niemand gerne Steuern bezahlt", fügt Rixen hinzu. "Deswegen gibt es einen Impuls, das System aus der eigenen Perspektive zunächst einmal als ungerecht zu empfinden – auch wenn das vielleicht gar nicht so ist. Das ist ein nachvollziehbarer Reflex."

Kalte Progression wird billigend in Kauf genommen

Objektiv ungerecht und leistungshemmend – darüber herrscht in Politik und Gesellschaft Einigkeit – ist die kalte Progression. Sie beschreibt das Phänomen, dass Lohnerhöhungen zu einer höheren Abgabenquote führen. Lohnerhöhungen kommen so beim Arbeitnehmer kaum an. Eine Indexierung könnte das Problem beheben. So könnte der Steuertarif automatisch dem jährlichen Wirtschaftswachstum angepasst werden. Andere Länder machen es vor, doch die deutsche Politik verharrt im Stillstand.

Der Verdacht liegt nahe, dass das Gerechtigkeitsproblem durch die kalte Progression von der Politik billigend in Kauf genommen wird. Schließlich führt die kalte Progression automatisch zu Mehreinnahmen. Rixen erklärt: "Den so genannten Mittelstandsbauch wegzunehmen, würde zu massiven Einnahmeausfällen des Staates führen. Das wird wahnsinnig teuer."

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