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Stichwahl in Liberia Ex-Fußball-Profi George Weah verspricht Armutsbekämpfung

Die Stichwahl um das Präsidentenamt in Liberia läuft. Der Nachfolger von Amtsinhaberin Sirleaf tritt ein schwieriges Erbe an. Im Rennen sind der frühere Fußballstar Weah und Vizepräsident Boakai.

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Monrovia In Liberia haben die Menschen am Dienstag in einer Stichwahl über einen Nachfolger für Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf entschieden. Dabei traten der ehemalige Fußballstar George Weah und Vizepräsident Joseph Boakai gegeneinander an. Es ist das erste Mal seit mehr als 70 Jahren, dass eine demokratisch gewählte Regierung in dem westafrikanischen Land die Macht an eine andere abgeben wird. Amtsinhaberin Sirleaf, die erste Präsidentin Afrikas und Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2011, durfte nicht wieder antreten.

Die 5390 Wahllokale im ganzen Land sollten bis 19.00 Uhr geöffnet bleiben. Im Township New Georgia westlich der Hauptstadt Monrovia stellten sich die ersten Menschen bereits vor Tagesanbruch an und suchten mit Taschenlampen auf den Wählerlisten nach ihren Namen. „Wir brauchen einen Staatschef, der das Land nach vorne führt, nicht rückwärts“, sagte der 32-jährige Samuka Donzo. Der Fischverkäufer Siami Morris erklärte, die Menschen wünschten sich nach den juristischen Turbulenzen der vergangenen Monate nun Klarheit.

Nach der ersten Wahlrunde im Oktober war die Stichwahl zwei Mal vor Gericht angefochten worden, der ursprünglich geplante Termin Anfang November wurde verschoben. Die Wahlkommission erklärte, dass die Wählerlisten wie vom Obersten Gerichtshof gefordert nun in Ordnung seien.

Wahlberechtigt waren 2,2 Millionen Menschen. Sie konnten entscheiden zwischen dem 51-jährigen Exfußballer und Senator Weah und dem 73-jährigen Boakai, seit zwölf Jahren Vizepräsident des Landes. Weah bewarb sich bereits zum dritten Mal um die Präsidentschaft, er wird vor allem von jüngeren Menschen unterstützt. 60 Prozent der Bevölkerung Liberias sind unter 30 Jahre alt. „Wie viele von euch, war ich ein Opfer von Armut“, sagte Weah im Wahlkampf. Er versprach eine bessere Zukunft und Arbeitsplätze.

Boakai hat vor allem den Bau von Straßen zugesagt. „Wenn es Straßen gibt, können alle anderen Dinge passieren“, sagte er. Boakai versprach im Fall eines Wahlsiegs die Schaffung von 50.000 Arbeitsplätzen innerhalb seiner ersten 150 Tage im Amt.

Amtsinhaberin Sirleaf hat das noch immer bitterarme Land aus den Wirren eines 14-jährigen Bürgerkriegs mit mehr als einer Viertelmillion Toten geführt, der 2003 beendet wurde. 2006 trat sie ihre erste sechsjährige Amtszeit an, 2011 bekam sie zusammen mit zwei weiteren Aktivistinnen den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für Frauenrechte. Ihr Versuch zum Aufbau des Landes wurde von einer tödlichen Ebola-Epidemie 2014 und 2015 zurückgeworfen, die fast 5000 Menschen das Leben kostete.

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