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Südafrika "Die Fußball-WM soll unser Land zusammenschweißen"

Danny Jordaan, Chef des südafrikanischen WM-Organisationskomitees, sprach mit wiwo.de über den Stand der Vorbereitungen auf Confed-Cup und Weltmeisterschaft.

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Danny Jordaan (li) und Quelle: AP

wiwo.de: Mister Jordaan, bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 erwarten Sie rund 500.000 ausländische Besucher. Müssen Sie angesichts der globalen Wirtschaftskrise  diese Prognose nicht langsam nach unten revidieren -und damit auch die Einnahmeerwartungen?

Jordaan: Die Wirtschaftskrise ist natürlich ein Risikofaktor für alle Planungen, das müssen wir im Auge behalten. Die bisherigen Ticketverkäufe allerdings deuten nicht darauf hin, dass die Leute nun lieber zu Hause bleiben. In der ersten Verkaufsphase hatten wir 1,8 Millionen Anfragen aus 205 Ländern. 228.000 kamen allein aus England, 29.000 aus Deutschland, 67.000 aus den USA. 22 Spiele waren überbucht. Derzeit läuft die zweite Phase und wir spüren auch jetzt kein sinkendes Interesse. Für die 100.000 Tickets hatten wir innerhalb der ersten acht Stunden 180.000 Anfragen. Das Endspiel ist bereits um 3000 Prozent überzeichnet.

Für den im Juni beginnenden Confederations-Cup, die Generalprobe für die WM, gilt das nicht. Der Ticketverkauf läuft eher schleppend.

Das ist auch eine ganz andere Veranstaltung, das kann man doch nicht mit der WM vergleichen.

Kritiker machen für den mäßigen Confed-Vorverkauf auch das komplizierte Ticketsystem der Fifa verantwortlich. Eintrittskarten gibt es via Internet und über einen Sponsor, eine südafrikanische Bank. Die fußballbegeisterten Menschen in den Townships haben aber meist weder Internetzugang noch regelmäßige Bankkontakte.

Wir haben jetzt zusätzliche Verkaufsstellen eingerichtet. Mittlerweile sind auch fast 60 Prozent der Tickets verkauft und einige Spiele bereits ausverkauft.

Wie sieht es mit den Bauarbeiten aus? Werden Sie rechtzeitig mit den Stadien fertig?

Ja, das ist überhaupt kein Problem. Die vier Stadien für den Confed-Cup sind alle fertig, bei den anderen dauert es nur noch bis Oktober. Eine leichte Verzögerung gibt es nur in Kapstadt, da brauchen wir bis Dezember.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, auf welchen Effekt Jordaan für sein Land hofft

Welche langfristigen Effekte erhoffen Sie für ihr Land durch die WM?

Neben den ökonomischen Effekten und dem Aufbau einer für Afrika singulären Infrastruktur hoffe ich auch, dass die WM unser Land zusammenschweißt und eine Art von „nation building“ stattfindet. Unsere Situation lässt sich fast schon mit dem Fall der Mauer in Deutschland vergleichen. Ost-und  Westdeutsche wurden damals ein Volk. Als ich 2006 bei der WM in Leipzig war, habe ich das auch persönlich gespürt. Genauso soll es in Südafrika mit Schwarzen und Weißen werden, wenn sie es gemeinsam schaffen, dass die WM ein Erfolg wird.

Und was ist mit der Außenwirkung der WM? In Europa denken viele bei Südafrika vor allem an Löwen und Kriminalität.

Seit Mexiko hat kein Schwellenland mehr eine WM ausgerichtet. Und natürlich soll die WM auch eine Imagewirkung haben. Sie soll dazu führen, das Südafrika eine „Marke“ wird und die Menschen in aller Welt uns kennen und schätzen. Wenn Sie irgendwo auf der Welt die Leute auf der Straße fragen, wo Surinam liegt, weiß das wahrscheinlich  fast niemand. Südafrika kennt bald jeder. Deutschland hat es vorgemacht: Vor der WM 2006 galten die Deutschen in der Welt als langweilig. Und dann merkten plötzlich alle, wie begeisterungsfähig und warmherzig die Deutschen wirklich sind.

Was ist für die Sportnation Südafrika der nächste Schritt, wenn die WM erfolgreich verläuft?

Es hat auf dem afrikanischen Kontinent noch nie Olympische Spiele gegeben. Wenn wir die Fußball WM stemmen, sollten wir anschließend durchaus die Frage stellen, ob wir nicht auch für Olympia  ein guter Standort wären.

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