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Südostasien Thailand fürchtet neue Machtkämpfe

Die Ruhe nach dem Militärputsch in Bangkok trügt. Die politischen Lager im Königreich Thailand stehen sich unversöhnlich gegenüber.

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Schutzpatron der alten Machthaber: General und Premierminister Prayuth Chan-ocha. Quelle: AP

Rot, so weit das Auge reicht. Die Schaufenster der Buchhandlung im sechsten Stock des Imperial World sind von breiten roten Rahmen eingefasst. Wenige Meter weiter hat der Fernsehsender TV 24 seine Zentrale. Die Leuchtreklame und Werbeplakate davor: alle rot. Gegenüber geben zwei Glastüren den Blick frei auf ein großzügiges Büro. Auch dort sind die Wände rot gestrichen.

Die sechste Etage des Kaufhauses in der Bangkoker Innenstadt ist so etwas wie das Hauptquartier der sogenannten Rothemden, jener politischen Bewegung, die dem 2006 geschassten und immer noch populären Premier Thaksin Shinawatra nahesteht.

Seit fast acht Jahren, mit einigen Unterbrechungen, halten die Roten das Land mit Protesten und Massendemonstrationen in Atem. Ihre Gegner sind die Gelben, eine Allianz aus großstädtischem Establishment, dem Militär und Anhängern der Demokratischen Partei. Immer wieder hatten diese versucht, Macht und Einfluss der roten Bewegung und ihrer demokratisch legitimierten Regierungen zu beschneiden. Ende Mai kehrte vorerst Ruhe auf den Straßen der thailändischen Hauptstadt ein: Die Armee unter ihrem Chef Prayuth Chan-ocha verhängte das Kriegsrecht und putschte die demokratisch gewählte Regierung unter Thaksins Schwester Yingluck und ihrer Pheu-Thai-Partei von der Macht.

Das sind die Märkte von morgen
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Jetzt sitzen ihre Anhänger auf den Fluren des Kaufhauses zwischen Büros, kleinen Läden, Cafés und Gemüseständen und vertreiben sich die Zeit mit Kartenspielen. Gesprochen wird im Flüsterton, denn die Angst ist groß, die Wut kaum weniger. Regelmäßig patrouillieren Soldaten; wegen des Kriegsrechts kann jeder ohne Begründung verhaftet werden.

Nicht nur an der Basis, auch in der Führungsmannschaft der Roten herrscht eine Mischung aus Furcht und Zorn. Einer der Top-Leute der United Front for Democracy against Dictatorship (UDD) versteckt sich in einem kleinen Büro. „Die einfachen Leute haben seit dem Putsch nichts mehr zu sagen, und die Militärs wollen das Rad in nächster Zeit noch weiter zurückdrehen“, klagt der Funktionär, der seit 2006 sieben Mal im Gefängnis saß und aus Furcht vor Repressalien anonym bleiben will. Die UDD ist die größte formale Organisation innerhalb der Bewegung der Roten.

Furcht vor neuen Unruhen

Es herrscht Ruhe im Königreich. Auf den Straßen ist kaum Militär zu sehen. Demonstrationen gibt es nicht. Doch der Unmut der Thais, die sich in den vergangenen Jahrzehnten an freie Wahlen, unabhängige Presse und Demonstrationsrecht in ihrem Land gewöhnt hatten, ist groß. Nur die Angst, ohne Begründung für lange Zeit in einem Gefängnis zu verschwinden, hält die Menschen zurzeit zu Hause.

Doch die Furcht der Militärregierung vor neuen Unruhen ist kaum weniger groß. Darum denkt General Prayuth auch mehr als fünf Monate nach dem Putsch noch nicht daran, das Kriegsrecht aufzuheben. „Die viel zitierte Stabilität gibt es nicht“, sagt ein westlicher Diplomat in Bangkok.

Auch am 21. November, wenn sich Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft sowie Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel im vietnamesischen Ho-Chi-Minh-Stadt zur Asien-Pazifik-Konferenz treffen, dürfte die Krise in Thailand Thema sein.

Thailand in Zahlen

Erst wenn es dunkel wird in Bangkok und sich die Straßen geleert haben, trauen sich die Menschen offen auszusprechen, was ihnen unter den Nägeln brennt. Jutathip Wanaporn betreibt in einer kaum zwei Meter breiten Gasse im Norden der Stadt einen kleinen Laden. In den Regalen stehen Waschpulver, Süßigkeiten und Whisky. Im Hintergrund plärrt ein Fernseher. Eine Neonröhre an der Decke spendet Licht.

„Es muss einen durch Wahlen legitimierten Regierungschef geben“, sagt Jutathip, die bei den großen Demonstrationen im Frühjahr genauso dabei war wie 2010 und 2008. Der Militärjunta traut sie kaum etwas zu. „Die werden doch nichts für das Volk tun.“ Eine Nachbarin kommt aus ihrem Haus. „Keiner kann mir vorschreiben, was ich zu denken habe“, sagt die Frau. Wenn das Kriegsrecht aufgehoben ist, will sie wieder demonstrieren. Mehr als eine halbe Stunde diskutieren die beiden Frauen über den künftigen politischen Kurs in Thailand. Die Regierung der Militärs lehnen sie rundweg ab.

Ein tiefer Riss

Gerade die einfachen Leute, so scheint es, haben in den vergangenen Jahren ein ausgeprägtes politisches Bewusstsein entwickelt. Mit dafür gesorgt hat ausgerechnet Thaksin. Als er und seine Partei „Thais lieben Thailand“ 2001 an die Macht kamen, beglückte er die Bauern im rückständigen Nordosten des Landes mit Subventionen, führte eine kostenlose Gesundheitsversorgung für die Landbevölkerung sowie Studentenkredite für einkommensschwache Familien ein. Für seine populistische Politik musste sich der damalige Premier, der als Telekomunternehmer Milliarden verdient hatte und sich bis heute gegen Korruptionsvorwürfe wehren muss, heftige Kritik anhören. Doch Kenner des Landes betonen auch, dass er der erste Politiker in der jüngeren Geschichte Thailands war, der den einfachen Menschen das Gefühl gab, dass sich jemand um sie kümmert und ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

Das Ende des Wachstums
Brasilien: Schwache Strukturen bremsen das große PotenzialDie größte Volkswirtschaft Lateinamerikas will nicht mehr so recht anlaufen. Wuchs sie 2010 noch um über sieben Prozent, hat sie seitdem nicht einmal mehr drei Prozent erreicht. Der IWF korrigierte seine aktuelle Prognose sogar noch nach unten. Unter den Schwellenländern wurde die Prognose für Brasilien am stärksten gekürzt. Hier sieht der IWF im laufenden Jahr ein Wachstum von 0,3 Prozent und im nächsten Jahr von 1,4 Prozent. Im Juli rechnete der IWF noch mit 1,3 Prozent und zwei Prozent Plus. Langfristig sehen mehrere Studien nach wie vor ein großes Wachstumspotenzial für Brasilien. Das liegt vor allem an dem Rohstoffreichtum des Landes, der gut funktionierenden Landwirtschaft und der großen und konsumfreudigen Bevölkerung. Kurz- und mittelfristig seien die Aussichten allerdings unsicher. So bemängeln Analysten die hohen Steuern und das komplizierte Steuersystem. Weitere Wachstumshemmnisse sind die marode brasilianische Infrastruktur und die schwerfällige Bürokratie. Hohe Löhne und Finanzierungskosten sowie protektionistische Handelsregeln halten Investoren derzeit auf Abstand. Auch qualifizierte Arbeitskräfte sind Mangelware - die Arbeitsproduktivität in der sechst größten Volkswirtschaft der Welt liegt 30 bis 50 Prozent unter dem europäischen Niveau. Die Arbeitslosenquote ist mit 5,6 Prozent relativ moderat. Brasiliens Präsidentin Dilma Roussef hat nach ihrem knappen Wahlsieg viel zu tun, wenn sie die Potenziale ihrer Volkswirtschaft ausreizen will. Quelle: dapd
„Sollte das Wachstum jetzt geringer ausfallen, wird die Regierung alle Instrumente nutzen, um eine Konjunkturabkühlung zu verhindern“, erwartet José Carlos de Faria, Chefökonom der Deutschen Bank in São Paulo. Unterstützung erhält die Konjunktur dadurch, dass derzeit staatliche und private Infrastrukturprojekte für umgerechnet rund 180 Milliarden Euro bis 2014 umgesetzt werden. Und Brasilien verfügt über Spielraum für weitere Stimulierungen. Die Devisenreserven sind hoch, ausländisches Kapital strömt weiter ins Land, und auch die Notenbank kann die Zinsen noch senken. Doch Wachstumsraten von über sieben Prozent wie 2010 sind außer Sichtweite: Nach einer Umfrage der Zentralbank rechnen die führenden Investmentbanken damit, dass Brasilien 2013 rund vier Prozent wachsen wird. Alexander Busch Quelle: AP
Russland: Die Wirtschaftssanktionen sind nicht Russlands größtes ProblemDer größte Flächenstaat hat sich selbst in eine Krise manövriert. Die politische Machtdemonstration in der Ukraine kostet Russlands Wirtschaft Kraft. Erst im vergangenen Monat hat die US-Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Russlands deswegen von „Baa1“ auf „Baa2“ herabgestuft – damit liegt die Bonität Russlands nur noch knapp über dem Ramschniveau. Auch der Ausblick für die zukünftige Entwicklung ist negativ. Die Sanktionen des Westens belasten die mittelfristigen Wachstumsaussichten. Der IWF geht davon aus, dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr um 0,2 Prozent und im nächsten Jahr um 0,5 Prozent wachsen wird. Allerdings sind die Wirtschaftssanktionen nicht das größte Problem Russlands. Der Absturz des Rubels und des Ölpreises machen der Wirtschaft viel mehr zu schaffen. Quelle: picture-alliance/ dpa
Gazprom profitiert zwar von dem Ende des Gasstreits zwischen der Ukraine und Russland – gute Zukunftsaussichten sehen aber anders aus. Der Ölpreis ist aufgrund der nachlassenden Weltkonjunktur von 107 Dollar pro Fass auf 86 Dollar gefallen. Für die vom Öl und von Gas abhängige russische Wirtschaft birgt das große Probleme – Russland generiert rund die Hälfte seiner Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas. Die Schwäche des Rubels drückt das Wachstum ebenfalls und kostet Russland monatlich Milliarden. Seit Januar ist der Kurs des Rubels um 20 Prozent gefallen. Das führt dazu, dass die Importe teurer werden. Der Lebensmittelpreis ist beispielsweise im September um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Quelle: dpa
Indien: Eine Wirtschaft auf ReformkursGemessen an den Bevölkerungszahlen ist Indien die zweitgrößte Wirtschaft der Welt. Auch in Bezug auf das Wirtschaftswachstum war Indien lange Zeit weltspitze. 2010 wuchs die Wirtschaft noch um über zehn Prozent – 2014 sind es vergleichsweise nur noch magere fünf Prozent. Gemessen an den westlichen Industrieländern ist diese Quote allerdings immer noch beeindruckend. Für 2015 erwartet der IWF, dass die indische Wirtschaft wieder stärker anzieht. Ein Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent wird erwartet. Besonders tragen dazu die Bereiche Elektrizität, Gas- und Wasserversorgung sowie Finanzen an. Analysten fühlen sich in ihrer Annahme bestätigt: Sie mutmaßten, dass das zuletzt verhältnismäßig enttäuschende Wirtschaftswachstum auf eine ineffiziente Wirtschaftspolitik zurückzuführen ist. In den letzten beiden Jahren wuchs die indische Wirtschaft um weniger als fünf Prozent. Der neue Premierminister Narenda Modi reformiert das Land. So erneuert er beispielsweise die indischen Arbeitsgesetze, die zum Teil noch aus der Zeit der britischen Kolonialherrschaft stammten, die 1974 endete. Quelle: ap
Problematisch ist für Indien die nach wie vor hohe Abhängigkeit von der Landwirtschaft. Zwar macht sie mittlerweile nur noch 14 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, von ihren Erträgen hängt aber immer noch das Wohl von 40 Prozent der Bevölkerung ab. Der Monsunregen, der für die Landwirtschaft existenziell ist, fiel in diesem Jahr nur schwach aus. Ein weiteres Problem ist die Teuerung, die Indien nicht in den Griff zu kriegen scheint. Im Juli lagen die Verbraucherpreise Indiens über acht Prozent über dem Vorjahreswert. Der Notenbankgouverneur Raghuram Rajan hat sich deshalb verpflichtet, den Anstieg der Konsumentenpreise bis 2015 auf unter acht Prozent zu drücken. Quelle: dpa
China: Vom Bauernstaat zur modernen DienstleistungsnationVon 2002 bis 2012 wuchs Chinas Wirtschaft um unfassbare 170 Prozent. Doch die Zeiten des Super-Wachstums scheinen vorerst vorbei zu sein. Im dritten Quartal 2014 ist die chinesische Wirtschaft so langsam gewachsen wie seit 2009 nicht mehr. Der IWF geht aber nach wie vor von Wachstumsraten über sieben Prozent aus. China ist aber nur scheinbar geschwächt. Die Staatsführung will die Wirtschaft neu ausrichten und ist bereit, dafür geringeres Wachstum hinzunehmen. Der Kurs scheint erfolgreich. Alleine in den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden in China zehn Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Ein moderner Dienstleistungsstaat will China werden. Dienstleistungen trugen im ersten Halbjahr 2014 mit 46 Prozent mehr zum BIP bei als die Industrie. Die Hightech-Industrie legte um 12,4 Prozent zu. Zu den neuen Motoren der chinesischen Wirtschaft zählt auch das Online-Geschäft, das um fast 50 Prozent zulegte. Quelle: dpa

Kate stirbt im Kugelhagel

Eine, die sich ihr Recht auf Mitsprache von den Militärs nicht nehmen lassen will, ist Payao Akahat. An einem heißen Samstagvormittag sitzt die 49-Jährige vor ihrem Laden am nördlichen Rand von Bangkok. Auf der Straße donnern Motorräder vorbei. Payao flicht aus Orchideen kleine Kränze. Die Gebinde verkauft sie für ein paar Cent in der Nachbarschaft. „Ich will, dass die Todesschützen vor Gericht kommen“, bricht es auf einmal aus Payao hervor.

Es ist der 19. Mai 2010, als Soldaten gegen Abend das Feuer auf den Tempel Pathumwanaran eröffnen. Wochenlang hatten die Rothemden in Bangkoks Straßen demonstriert. Im Tempel kümmern sich Studenten um Verletzte. Auch Payaos Tochter Kate, 25, ist dabei – die Mutter wird ihr Mädchen nicht mehr lebend wiedersehen. Kate stirbt im Kugelhagel der thailändischen Armee. Seitdem kämpft Payao dafür, dass die Schützen vor Gericht kommen. Erst kürzlich saß sie wieder für einige Tage im Gefängnis, weil sie Flugblätter verteilt hatte. Auf den Papieren standen die Namen der angeblich für das Massaker Verantwortlichen. „Ich war nie besonders politisch“, sagt Payao, „aber hier geht es um Gerechtigkeit für meine Tochter.“

Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner in Thailand. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Thailänderin will Antworten, Antworten, die sie von der Militärregierung unter General Prayuth, der inzwischen auch Premierminister ist, wohl nicht bekommen dürfte. Denn der ist dabei, das Rad mit Schwung zurückzudrehen. Demokratie und Meinungsfreiheit wie im Westen passten im Grunde gar nicht zur „thailändischen Seele“, betonen die Militärs jetzt häufig. Die thailändische Seele und das Besondere am „Thai sein“ streichen die Generäle inzwischen bei fast jeder Gelegenheit heraus und wollen das Land damit politisch vom Westen abgrenzen. An den Hochschulen sollen die Studenten demnächst Patriotismusunterricht bekommen, ganz so wie im kommunistischen China. Es ist eine Entwicklung, die an die Debatte um sogenannte asiatische Werte und deren angebliche Unvereinbarkeit mit dem westlichen Pluralismus in den Neunzigerjahren erinnert.

„Die Soldaten können das Volk doch nicht zum Thai sein zwingen“, empört sich der UDD-Funktionär, der aus Angst vor Repressalien ungenannt bleiben will. Er und viele andere aus dem roten Lager glauben, die konservative Allianz aus Militärregierung, Kräften aus dem Königshaus, großstädtischer Bildungselite und reichen Geschäftsleuten könne das alte System der Klassenunterschiede erhalten, von dem sie in den vergangenen Jahrzehnten so sehr profitiert haben. „Die wollen die feudalistische Gesellschaftsordnung um jeden Preis bewahren“, schimpft der UDD-Mann.

Wo die Wut wächst: Reisbauern in Thailand. Quelle: REUTERS

Doch nicht nur durch die thailändische Gesellschaft geht ein tiefer Riss, auch die Militärregierung, so betonen Experten, ist gespalten zwischen erzkonservativen und gemäßigt fortschrittlichen Kräften. General Prayuth gilt als schwach. „Er hat seine beste Zeit hinter sich“, sagt ein westlicher Diplomat in Bangkok, „ab jetzt geht es bergab.“ Wenig vertrauenserweckend war etwa Prayuths Erklärung für sein akutes Rückenleiden vor einigen Wochen. Mithilfe schwarzer Magie, hatte der General dem staunenden Publikum erklärt, hätten Feinde ihn verhext.

Eine Frage von Monaten

Doch die größte Gefahr für Thailands Stabilität droht aus dem Königspalast. Bhumibol Adulyadej, seit 1946 Staatsoberhaupt, ist schwer krank; manche in Bangkok sagen, der Tod des 86-jährigen Monarchen sei eher eine Frage von Monaten als von Jahren. Dann beginnt die schwierige Suche nach einem Nachfolger für den König, den die Thais wie einen Gott verehren.

Die Wachstumsmärkte von morgen
Platz 9: MalaysiaMit einer verhältnismäßig kleinen Bevölkerung von 28 Millionen Einwohnern kann Malaysia kaum punkten. Auch die verhältnismäßig hohen Arbeitskosten von 15,6 Dollar (absolutes BIP geteilt durch BIP pro Person) machen das Land nicht außergewöhnlich attraktiv. Spannend ist Malaysia vielmehr als Beschaffungsmarkt. Die Befragten der Studie von Valuneer und ICC zu Trends internationaler Einkaufsmanager bewerteten den Markt überaus positiv. Quelle: Exklusivranking für die WirtschaftsWoche in Kooperation mit Valueneer. Für das Ranking wurde nach der Attraktivität als Absatz- sowie als Beschaffungsmarkt unterschieden und Indikatoren wie Lohnkosten, Wachstumsraten, Importvolumen, Rohstoffreichtum und Bevölkerungsgröße herangezogen und unterschiedlich gewichtet. Quelle: AP
Platz 8: GhanaDas afrikanische Land kann mit seinem starken Wachstums punkten. 2011 stieg das BIP um 13,5 Prozent. Kein anderer der 50 betrachteten Wachstumsmärkte wies solche Steigerungsraten auf. Dazu lockt Ghana mit günstigen Arbeitskosten. Allerdings gilt das westafrikanische Land nach wie vor als wenig sicher und sehr korrupt. Quelle: REUTERS
Platz 7: Polen Das Land punktet bei deutschen Investoren vor allem durch seine räumliche Nähe als günstiger Beschaffungsmarkt. Die politische Lage ist stabil. 39 Millionen Einwohner freuen sich über ausländische Waren. 2011 gingen immerhin Importe im Wert von 170 Milliarden Dollar ins Land. Auch wenn die Lohnkosten verhältnismäßig hoch sind - Polen bleibt ein attraktiver Markt. Quelle: dpa
Platz 6: AlgerienDas Land erreicht in keiner Kategorie Bestwerte, kann aber als Beschaffungsmarkt überzeugen (Platz 2). Einkaufsmanager sehen viel Potenzial, außerdem verfügt das Land über immense Rohstoff-Ressourcen im Wert von 72 Milliarden Dollar. Die Arbeitskosten sind mit 7,3 Dollar noch deutlich geringer als z.B. in der Türkei (14,5 Dollar) oder Mexiko (14,6 Dollar). Damit erreicht Algerien insgesamt Platz 6. Quelle: AP
Platz 5: TürkeiIm Ranking der besten Absatzmärkte erreicht die Türkei mit einer durchschnittlich kaufkräftigen, aber dafür umso größeren Bevölkerung von 75 Millionen Einwohnern einen guten dritten Platz. Im Jahr 2011 wuchs das BIP um satte 8,5 Prozent. Als Beschaffungsmarkt ist das Land dafür weniger attraktiv (Platz 10 von 50). Insgesamt: Platz 5. Quelle: dpa
Platz 4: MexikoBereits 328 Milliarden Dollar Direktinvestitionen flossen 2011 nach Mexiko - der höchste Wert im Ranking. Dazu locken 112 Millionen Einwohnern. Diese Kombination macht Mexiko zum zweitbesten Absatzmarkt der Welt für die deutsche Wirtschaft - so die Experten von Valuneer. Als Beschaffungsmarkt kann das Land weniger überzeugen: Platz 11. Insgesamt reicht es für Rang vier. Quelle: dpa
Platz 3: Südkorea1723 Dollar pro Kopf steckte Südkorea im Jahr 2011 in Forschung und Entwicklung - und damit mehr als alle anderen untersuchten Ländern. Als Beschaffungsmarkt belegt Südkorea den vierten Platz. Als Absatzmarkt überzeugt der asiatische Staat, weil er bereits im Jahr 2011 Importe im Wert von 525 Milliarden Euro einführte. Quelle: dpa

Das Kempinski Hotel am Münchner Flughafen ist ein lichtdurchfluteter Bau aus viel Glas und Stahl. In der Empfangshalle stehen rote Ledermöbel und künstliche Palmen. In den Gängen und Treppenhäusern der Nobelherberge patrouillieren zu jeder Tages- und Nachtzeit muskelbepackte Thais in dunklen Trainingsanzügen – Leibwächter von Maha Vajiralongkorn, Sohn des greisen Königs und damit Thronfolger. Der 62-jährige Kronprinz verbringt dort die meiste Zeit. Einerseits, heißt es, sei er schönen Dingen wie etwa dem Glücksspiel zugeneigt. Andererseits, versichern Insider mit guten Kontakten zum Königshaus, lasse sich Maha in München wegen einer HIV-Infektion behandeln. Offizielle Bestätigungen hierfür gibt es nicht. So oder so: Ein idealer Thronfolger für ein Land, in dem die Monarchie einen so großen Stellenwert hat und der König oberste moralische Instanz ist, sieht anders aus. Wegen der unsicheren Thronfolge könnte in Thailand, das bei vielen Deutschen immer noch als Paradies gilt, Panik ausbrechen.

Wird verehrt wie ein Gott: König Bhumibol Adulyadej. Quelle: AP

Leichtes Wachstum

Um die Stimmung im Volk zu heben, versucht die Regierung, mit Ausgabenprogrammen die Wirtschaft anzukurbeln. Umgerechnet allein 60 Milliarden Euro wollen die Militärs in den kommenden sieben Jahren für den Ausbau der Infrastruktur ausgeben. Priorität genießt der Ausbau des Schienennetzes und der Aufbau einer Hochgeschwindigkeitstrasse, die das Königreich von Nord nach Süd durchqueren soll. Mit Steuer- und Zollerleichterungen wollen die Militärs zudem Investoren aus dem Ausland nach Thailand locken.

Fürs Erste scheint sich die Wirtschaft stabilisiert zu haben. Schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt zwischen Januar und März noch um 0,5 Prozent, verzeichneten die Statistiker für das zweite und dritte Quartal wieder ein leichtes Wachstum von weniger als einem Prozent. Vom einstigen Boom mit Raten zwischen fünf und sieben Prozent ist Thailand allerdings weit entfernt.

Dass das Vertrauen schnell zurückkehrt, ist jedoch wenig wahrscheinlich. Unternehmen aus dem Ausland klagen über zunehmende Rechtsunsicherheit und eine grassierende Korruption. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International ist Thailand innerhalb eines Jahres von Rang 88 auf Rang 102 gefallen. Auch die Touristenzahlen liegen noch weit unter dem Niveau aus der Zeit vor der politischen Krise. Schwierig in einem Land, in dem der Fremdenverkehr fast zehn Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt.

Ausland



Das Volk versucht General Prayuth indes mit Reformversprechen zu beruhigen. Ende kommenden Jahres, so beteuert er, würden in Thailand Wahlen abgehalten. Wirklich fruchten wollen solche Zusagen nicht. „Ich glaube den Militärs gar nichts“, sagt der UDD-Funktionär.

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