Syrien Türkei setzt Offensive gegen Kurden fort

Die kurdische Miliz YPG wehrt sich gegen die türkische Offensive auf die Enklave Afrin. Sie hat die türkischen Kämpfer Berichten zufolge aus zwei Dörfern zurückgedrängt. Präsident Erdogan gibt sich derweil unerbittlich.

Die Türkei setzt ihre Offensive gegen die kurdische Miliz YPG ungeachtet aller internationalen Kritik fort. Quelle: dpa

BeirutDie Türkei wird ungeachtet internationaler Kritik nach Angaben von Präsident Recep Tayyip Erdogan die Offensive in der syrischen Grenzregion Afrin fortsetzen. Für die Militäraktion habe er die Rückendeckung Russlands, sagte Erdogan am Montag in Ankara. Die türkischen Streitkräfte würden Afrin unter ihre Kontrolle bringen, so wie schon Dscharablus, al-Rai und al-Bab. Dann könnten die Syrer dorthin zurückkehren.

Erdogan bestätigte, dass eine Rakete in der türkischen Grenzprovinz Hatay eingeschlagen ist. Die Angreifer würden dafür teuer bezahlen.

Die türkischen Streitkräfte sind in die nordsyrische Provinz Afrin eingerückt, um die mit den USA verbündete Kurdenmiliz YPG zu vertreiben. Ziel der „Operation Olivenzweig“ ist nach den Worten von Ministerpräsident Binali Yildirim die Einrichtung einer 30 Kilometer breiten Sicherheitszone. Der UN-Sicherheitsrat wird sich am Montag in einer von Frankreich beantragten Dringlichkeitssitzung mit der türkischen Militäraktion in Syrien befassen.

Ankara betrachtet die YPG als eine Terrororganisation, die mit dem kurdischen Aufstand in der Türkei in Verbindung steht. Die Miliz hat sich in Syrien als eine der erfolgreichsten Gruppen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat erwiesen. Die Offensive könnte die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Ländern Türkei und USA weiter belasten. Die USA wollen mit der YPG eine Pufferzone in Syrien an der Grenze zur Türkei und dem Irak schaffen. Russland und Iran haben dies als ersten Schritt zur Aufspaltung Syriens kritisiert.

Die von der Türkei unterstützen Kräfte hätten eine neue Front eröffnet und bahnten sich einen Weg in zwei andere Dörfer im Norden von Afrin, gab die kurdische Miliz bekannt. Sie kämpfe, um die vorrückenden Soldaten in Balia und Karna zurückzudrängen. Die Miliz meldete Gefechte mit den türkischen Soldaten nordwestlich von Afrin. Die Beobachtungsstelle teilte mit, von der Türkei unterstützte Truppen versuchten erneut, nach Afrin zu gelangen.

Der Zugang zu Afrin ist beschränkt, Berichte über örtliche Entwicklungen können nur schwer von unabhängiger Seite verifiziert werden. Am Montag hatten die kurdischen Milizen mitgeteilt, die türkischen Kräfte aus den Dörfern Schinkal und Adah Manli verdrängt zu haben, die sie am Tag zuvor in der Enklave Afrin im Nordwesten Syriens eingenommen hätten. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, die YPG habe am Sonntagabend eine heftige Gegenoffensive geführt.

Die Nato teilte am Montag mit, sie stehe mit der Türkei wegen der Offensive in Kontakt. Die Türkei habe unter Terrorismus gelitten und habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Das Militärbündnis rief Ankara aber auf, sich auf eine „verhältnismäßige und maßvolle Art und Weise“ zu verteidigen. Die Nato ließ wissen, sie habe in Syrien keine Präsenz, als Mitglied der Koalition gegen den IS liege aber ihr „Fokus auf der Niederlage“ der Extremistengruppe.

Das türkische Innenministerium gab bekannt, dass 24 Personen wegen Terrorpropaganda bezüglich der Offensive „Olivenzweig“ festgenommen worden seien, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Erdogan hatte Kurden in der Türkei am Sonntag davor gewarnt, auf den Straßen gegen die Militäraktion zu protestieren. Die Polizei löste Proteste in Ankara und Istanbul auf, mindestens zwölf Demonstranten in Istanbul wurden festgenommen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um eine andere Demonstration in der Hauptstadt Ankara zu beenden.

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