WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Terrorismus Der „Islamische Staat“ bedroht die Weltwirtschaft

Seite 2/5

Energiemärkte

Im ersten Fall geht das CSBA von 90 Luftangriffen pro Tag aus, was, auf den Monat gerechnet, mit 200 bis 320 Millionen Dollar zu Buche schlüge. Im zweiten Szenario würde es etwa 120 Einsätze täglich geben, flankiert von 5.000 Soldaten. Dann kämen Kosten von 350 bis 570 Millionen Dollar im Monat auf die USA zu. Die Entsendung von etwa 25.000 Mann am Boden würde die monatliche Rechnung auf bis zu 1,8 Milliarden Dollar steigen lassen. Während jeder Soldat in Nahost jährlich gut eine Million Dollar kostet, fallen Materialkosten bei Lufteinsätzen weniger ins Gewicht. Ein Raketenangriff kostet 1,5 Millionen Dollar, ein Kampfjet fliegt für 20 000 Dollar die Stunde.

Kämpfe um eine syrische Grenzstadt - Warum Kobane so wichtig ist

Aufs Jahr gerechnet, werde der Krieg gegen den „IS“ also zwischen 2,4 und 22 Milliarden Dollar kosten, schätzt CSBA-Budgetexperte Todd Harrison. Ein solcher Betrag ist für die Amerikaner nicht ungewöhnlich. Der „War on Terror“, den die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 begannen, verschlang nach vorsichtigen Schätzungen 4.375 Milliarden Dollar, pro Bürger also knapp 14 000 Dollar. Zu diesem Ergebnis kommt das Eisenhower Research Project der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island.

„Winzig“ empfindet die Kosten im „IS“-Krieg der Budgetexperte Harrison – sofern man sie mit dem Etat des US-Verteidigungsministeriums (550 Milliarden Dollar) vergleicht oder an den jährlichen Ausgaben im Irak (bis zu 164 Milliarden Dollar) und Afghanistan (bis zu 122 Milliarden Dollar) misst. Sollte die US-Regierung allerdings einen jahrelangen Anti-Terror-Krieg führen, um auch den letzten Terroristen „bis an die Pforten der Hölle zu jagen“ (US-Vizepräsident Joe Biden), würde die Rechnung von maximal 22 Milliarden Dollar weit überzogen. Über dieses Risiko spricht derzeit in Washington niemand.

Energiemärkte: Es ist paradox: Trotz des Krieges in Nahost ist der Ölpreis seit Juni um 24 Dollar gesunken.

Natürlich machen sich Erdölverbraucher und -händler Gedanken über Terror und Krieg im Nahen Osten. Die Region hat einen Anteil von 32 Prozent an der Weltproduktion und verfügt über 48 Prozent der gesicherten und wirtschaftlich nutzbaren Erdölvorkommen. So ließe sich leicht erklären, dass der Rohölpreis am Handelsplatz London, bei Jahresanfang 2014 und noch Monate danach stabil um die 110 Dollar, im Juni auf 115 Dollar hochschnellte, als die „IS“-Krieger die irakische Großstadt Mossul einnahmen, die größte Raffinerie des Landes belagerten und auf die Hauptstadt Bagdad marschierten.

Seither ist die Terrortruppe nicht schwächer geworden, der Ölpreis in London aber stetig gefallen, inzwischen auf etwa 91 Dollar. Das liegt an den weltweit eher schlechten Konjunkturaussichten, aber auch an der Hoffnung, die „IS“-Krieger würden den Vormarsch in Richtung der großen Ölfelder im Südirak niemals schaffen. „Über 90 Prozent unseres Ölexports stammt doch aus dem Süden und wird im Hafen Basra verschifft“, betont der neue irakische Erdölminister Adil Abd al-Mahdi, „da muss sich niemand Sorgen machen.“ Den Ausfall der Ölproduktion im irakischen Norden kann der Weltmarkt leicht verkraften. Denn weltweit geht die Erdölnachfrage derzeit zurück. Großkunden wie die USA machen sich durch Fracking und andere neue Techniken zunehmend unabhängig von Ölscheichs, Mullahs und Gotteskriegern.

„Solange die Opec keinerlei Anstalten macht, das Angebot zu reduzieren, dürften die Preise unter Druck bleiben“, sagt der Energieexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank in Frankfurt. Eine solche Politik der großen arabischen Produzenten ist unwahrscheinlich. Ostasiatische Kunden der Saudis berichten von Preisnachlässen für langfristige Kontrakte: Das Königreich will seinen Marktanteil halten – und die hohen Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Die sind bitter nötig, wenn das Land ernsthaft in den Kampf gegen die „IS“-Terroristen einsteigen will. Ideologisch ist die saudische Gesellschaft für die Propaganda des Kalifatstaats extrem anfällig. Um dagegenzuhalten, braucht die Herrscherfamilie Geld für sozialpolitische Wohltaten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%