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Terrorismus Der „Islamische Staat“ bedroht die Weltwirtschaft

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Investitionsklima

Investitionsklima: Deutsche Anlagenbauer haben 2013 in Nahost Anlagen für 2 Milliarden Euro verkauft.

Es sind eben nicht nur Syrien und der Irak, die der Kalifatstaat mit seinen Horden bedroht. Keine Gesellschaft der Region ist erhaben über die radikalen Ideologien. Die potenzielle Instabilität durch den Terror in der Nachbarschaft belastet das Investitionsklima in Nahost insgesamt. 2013 gingen von dort Aufträge für Großanlagen wie Chemie- oder Kraftwerke in Höhe von zwei Milliarden Euro ein. So konnten die deutschen Hersteller ihr Minus im Asien-Geschäft teils kompensieren, wo Chinesen inzwischen lieber bei Chinesen bestellen.

Obama rechnet mit langwierigem Einsatz gegen IS

Doch jetzt lähmt der Terror das Geschäft. Etwa im Libanon, wo vergangene Woche die Islamisten erstmals angriffen. Kämpfe zwischen Schiiten und Sunniten könnten das kleine Land schnell ins Chaos stürzen. Der Aufschwung der vergangenen zwei Jahrzehnte wäre abrupt beendet. Dabei ist der Libanon mit seinen Finanzbeziehungen zu den reichen Golfstaaten ein wichtiges Steinchen im Mosaik der Wirtschaftsordnung in Nahost. So wichtig der Libanon für die Wirtschaft ist, so entscheidend ist Jordanien für die geopolitische Stabilität: Das Land ist ein hochgerüsteter Puffer zwischen Israel und dem Irak, zwischen Saudi-Arabien und Syrien. Jordaniens pro-westlicher und ziemlich autoritärer König regiert gut ausgebildete, aber oft arbeitslose Untertanen, die gemäßigt islamistische Parteien wählen – noch.

All das mag die Weltwirtschaft ertragen, solange das große Saudi-Arabien nicht attackiert wird. Aber wie sicher ist das? Kritiker meinen, die so befremdliche Ideologie der „IS“-Terroristen sei die logische Konsequenz aus den Lehren der in Saudi-Arabien staatlich verordneten Spielart des Islam. Und fände darum auch Anhänger unter saudischen Untertanen, die vom Ölreichtum persönlich nicht profitiert haben. Erst recht in Jordanien. Und im Libanon. Und so weiter.

Luftverkehr: Luftsicherheit in Deutschland kostet heute 450 Millionen Euro pro Jahr. Airlines fürchten schärfere Kontrollen.

Vielleicht kommt der Terror schon bald in Deutschland an. Vor allem der zivile Luftverkehr unterliege „gegenüber anderen Verkehrsträgern einer besonderen Gefährdung durch den internationalen Terrorismus“, heißt es im Bundesinnenministerium. Deutschland werde vom „IS“ „bislang nicht öffentlich als Ziel propagiert“. Da die Bundesrepublik aber Teil der Anti-Terror-Koalition ist, heißt es im Ministerium, „können deutsche Einrichtungen ins Zielspektrum geraten“.

Im Falle der Eskalation würden Sicherheitsmaßnahmen auch an den Flughäfen deutlich verschärft werden müssen. Vorgaben wie etwa das Flüssigkeiten-Verbot an Bord verlängern im besten Fall den Sicherheitscheck. Andere kosten richtig Geld. So müssen EU-Flughäfen seit einigen Jahren vermeiden, dass ankommende Passagiere aus Nicht-Schengen-Staaten auf abfliegende Reisende treffen. Baumaßnahmen haben allein den Frankfurter Flughafen einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet.

Was Deutschland im Irak leistet und nicht leistet

Sollte der „IS“ mit Anschlägen auf die Luftverkehrswirtschaft drohen, wären wohl zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen nötig. Zum Beispiel könnte die Sensibilität der Torsonden erhöht, die Kontrolle per Hand für jeden Fluggast vorgeschrieben oder sogar Handgepäck generell verboten werden. „Die Kontrollen sind beliebig erweiterbar“, sagt ein Kenner der Flughafensicherheit. Zusätzliches Personal wäre erforderlich, die Preise würden steigen. Schon heute tragen alle Fluggäste mit einer Luftsicherheitsgebühr von bis zu zehn Euro zu den 450 Millionen Euro Sicherheitskosten bei – dieser Posten könnte künftig deutlich höher ausfallen.

Deutsche Airlines beobachten die Entwicklungen in Nahost aufmerksam. Zumal der „IS“-Terror sie zwingen könnte, riskante Lufträume zu umfliegen. So fliegt die Lufthansa seit einem Jahr nicht mehr über syrisches Gebiet. Auch den Südirak meiden die Kraniche seit August dieses Jahres. Die Lufthansa-Flüge würden dadurch aber nur wenige Minuten länger dauern, Mehrkosten seien „vernachlässigbar“, heißt es im Konzern. Wenn ganz Vorderasien umflogen werden müsste, würde das aber teurer werden.

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