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Terrorismus IS-Chef nennt Grund für Anschläge auf Sri Lanka

Abu Bakr Al-Bagdadi spricht in einem Video über die über Ostern verübten Terroranschläge auf Sri Lanka. Als Grund nennt der Extremist Rache.

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Die Regierung hatte als Motiv für die Anschläge Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch vermutet. Quelle: dpa

Colombo, Istanbul IS-Chef Abu Bakr Al-Bagdadi hat die Terrorangriffe von Sri Lanka über Ostern als Rache für die Zerstörung des von den Extremisten ausgerufenen Kalifats bezeichnet. In einem am Montag verbreiteten Video spricht Al-Bagdadi von Vergeltung für die Niederlage in der syrischen Stadt Baghus. Truppen unter kurdischer Führung hatten die letzte IS-Bastion in diesem Frühjahr nach wochenlangen Kämpfen eingenommen.

Am Ostersonntag hatten neun Selbstmordattentäter, unter ihnen eine Frau, Anschläge unter anderem auf drei christliche Kirchen und drei Luxushotels verübt. Dabei kamen mehr als 250 Menschen ums Leben. Unter den Todesopfern waren laut Unicef auch 45 Kinder. Die Attentäter gehörten nach Angaben der Regierung der einheimischen Islamistengruppe National Thowheeth Jamaath an, die Zahadan gegründet hatte.

Bis Montag befanden sich 95 Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen zum Terrorismus in Gewahrsam. Darunter seien neun Frauen, teilte die Polizei mit. Insgesamt waren demnach rund 200 Menschen in Gewahrsam, zu denen aber auch Angehörige von Verdächtigen zählten. Al-Bagdadi zeigte sich in dem neuen Video erstmals seit fast fünf Jahren wieder in einem Video.

Es wurde am Montagabend über die üblichen Kanäle des IS im Internet verbreitet. Die Angriffe in Sri Lanka hätten die Herzen der Muslime erfreut, sagt Al-Bagdadi in dem Video. Der IS hatte die Anschläge mit mehr als 250 Toten in der vergangenen Woche für sich reklamiert.

Sri Lankas Regierung hatte als Motiv für die Anschläge Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März vermutet. Sri Lankas Staatspräsident Maithripala Sirisena sagte dem US-Nachrichtensender CNN am Montag, die Selbstmordattentäter von Ostern hätten nach Ansicht der Geheimdienste Training durch den IS erhalten.

Am Montag trat ein Vermummungsverbot in Sri Lanka in Kraft. Dies geschehe unter den Bestimmungen eines Notstands, den Sirisena am Ostermontag ausgerufen hatte, teilte sein Büro mit. Gesichtsbedeckungen erschwerten die Identifizierung von Personen und gefährdeten so die nationale Sicherheit, hieß es. Kleidungsstücke muslimischer Frauen wie Gesichtsschleier, Burka und Niqab wurden nicht ausdrücklich genannt.

Gegen sie richtet sich das Verbot aber vermutlich in erster Linie. Rund zehn Prozent der knapp 21 Millionen Sri Lanker sind Muslime. Die Tropeninsel ist mehrheitlich buddhistisch. Seit Sonntag habe es erneut Dutzende Hausdurchsuchungen durch die Marine und Luftwaffe gegeben, teilten Sri Lankas Streitkräfte mit.

Dabei seien unter anderem Waffen und IS-Videos sichergestellt worden. Bereits in den Tagen zuvor waren bei Durchsuchungen unter anderem Sprengstoff, Zünder, Schusswaffen, Schwerter und Funkgeräte gefunden worden. Am Freitag waren in einem Wohnhaus auch Sprengstoffwesten sowie eine IS-Flagge und Kleidung entdeckt worden, die auf einem angeblichen Bekennervideo der Attentäter vom Ostersonntag zu sehen sein könnten, das von einem IS-Sprachrohr verbreitet worden war.

Nachdem die Polizei am Donnerstag die Bevölkerung um Hinweise zu sechs Verdächtigen gebeten hatte, wurden nach Angaben vom Montag vier von ihnen inzwischen festgenommen. Die anderen beiden kamen demnach in der Nacht zum Samstag in einem von Sicherheitskräften umstellten Haus an der Ostküste des Landes ums Leben, als sich drei Selbstmordattentäter in die Luft sprengten.

Die Ehefrau und vierjährige Tochter des mutmaßlichen Drahtziehers der Osteranschläge, Mohammed Zaharan, überlebten. Sein Vater und zwei Brüder waren unter den insgesamt 15 Toten. Die Zahl der bestätigten ausländischen Todesopfer stieg inzwischen von 40 auf 42, wie das sri-lankische Außenministerium am Montag mitteilte. Weitere zwölf Ausländer gelten demnach noch als vermisst. Unter den Toten ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch ein Deutsch-Amerikaner.

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