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Terroristen in Xinjiang Chinas wilder Westen

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Mit Zuckerbrot und Peitsche

Im Tarim-Becken werden riesige Öl- und Erdgas-Vorkommen vermutet. Die Ausbeutung hat gerade erst begonnen. 11,6 Millionen Tonnen Öl wurden 2013 gefördert. 2011 waren es noch sieben Millionen Tonnen. Darüber hinaus liegen hier 38 Prozent der Kohlereserven Chinas und 2580 Milliarden Kubikmeter Wasser in Form von Gletschern. Das Gebiet durchziehen drei wichtige Pipelines, die China mit Erdgas und Öl aus Zentralasien versorgen.

Die Regierung in Peking geht daher mit Zuckerbrot und Peitsche gegen Autonomiebestrebungen vor. Auf Attentate folgen Massenverhaftungen und verstärkte Kontrollen. Den bekannten Universitätsprofessor und PEN-Preisträger Ilham Tohti, der immer wieder auf die systematische Benachteiligung der Uiguren hinwies, sperren die Chinesen ein. Seit dem Bombenanschlag im Mai in Urumqi wurden nach Regierungsangaben 32 Terrorgruppen zerschlagen und 315 Personen verurteilt.

Unterstützung für lokale Unternehmen

Gleichzeitig wurde aber auch kurzerhand allen Familien im Süden der Provinz das Schulgeld erlassen. Außerdem investiert die Provinzregierung 900 Millionen Yuan (rund 100 Millionen Euro) in 195 Programme, um lokale Fertigungen und kleine Unternehmen in der Region zu unterstützen. Eine andere Verordnung zielt darauf ab, dass in jeder Familie mindestens ein Mitglied Arbeit hat.

Im Norden der Hauptstadt wird gerade eine neue Stadt aus dem Boden gestampft. Wanderarbeiter aus ganz China ziehen hier Hochhaus für Hochhaus in den Himmel. Vierspurige Alleen führen in ein Gewerbegebiet: Shanghai Volkswagen hat hier im vergangenen Jahr ein Werk eröffnet – ganz freiwillig sei die Standortwahl allerdings nicht abgelaufen, munkelt man. Um die Erlaubnis für ein neues Werk in Foshan in Südchina zu erhalten, mussten die Autobauer ein anderes hier im unwirtlichen Nordwesten eröffnen. In enger Nachbarschaft haben Coca-Cola und Baumaschinenhersteller Sany ihre Werke. Gerade erst hat Mercedes-Benz eine imposante Händlerniederlassung eröffnet.

Nur wenige Autominuten weiter entsteht ein Bahnhof, der Urumqi 2015 an das chinesische Hochgeschwindigkeitszugnetz anschließen soll. Die Fahrt ins 2500 Kilometer entfernte Peking dauert dann 16 Stunden, ab 2017 soll eine U-Bahn die verstopften Straßen entlasten.

Die Stadt wird zum Museum

Große Fantasien weckt der Austausch mit Zentralasien. Schon jetzt ist Urumqi ein Handelsknotenpunkt: Auf dem Hualin-Export-Markt am Rand der Staat reihen sich schier endlos kleine Läden aneinander. Gelbe, rote, blaue und grüne Schilder werben in kyrillischer, lateinischer, arabischer und chinesischer Schrift. Händler aus Russland, Kasachstan, Usbekistan und Pakistan kaufen hier chinesische Kühlschränke, Waschbecken und Motorräder und bringen sie zurück in ihre Heimat.

Die faszinierenden Metropolen Chinas
Chongqing ist eine Millionenstadt in der Volksrepublik China. Sie liegt auf einer wie ein Komma geformte Halbinsel am Zusammenfluss von Jangtsekiang und Jialing. Das Verwaltungsgebiet der Stadt ist annähernd so groß wie die Fläche von Österreich. Mit 28,85 Millionen Einwohnern gehört Chongqing zu einer der größten Megastädte Chinas. Quelle: Reuters
Guangzhou ist eine Stadt im Süden Chinas mit 8,86 Millionen Einwohnern. Sie ist ein bedeutender Industrie- und Handelsstandort, weshalb sie auch die „Fabrik der Welt“ genannt wird. Im Oktober 2010 wurde in Guangzhou der höchste Fernsehturm der Welt (600 m) eröffnet. Quelle: Reuters
Die Küstenstadt Zhuhai gehört zu der chinesischen Provinz Guangdong und hat eine Einwohnerzahl von 1,45 Millionen. Zhuhai trägt in China den Beinamen „Stadt der Romantik“ aufgrund der vielen Buchten und Küsten. Die Stadt ist sehr sauber, der Lebensstandard sehr hoch. Zhuhai ist ein beliebtes Wochenenddomizil für Geschäftsleute aus Hongkong. Quelle: Reuters
Wuhans Einwohnerzahl beträgt 8,33 Millionen. Die Stadt in der Provinz Hubei besteht aus drei zusammengelegten Städten. Das ebene Stadtbild ist von zahlreichen Seen geprägt. Quelle: Reuters
Die Stadt Chengdu hat 10,44 Millionen Einwohner. Sie hat sich zum Wirtschaftszentrum Westchinas entwickelt. 2006 erreichte Chengdu den vierten Platz der lebenswertesten Städte Chinas. Quelle: dapd
Peking ist die Hauptstadt und das politische Zentrum der Volksrepublik China. Dort leben etwa 17,6 Millionen Einwohner. Durch die dreitausendjährige Geschichte Pekings beherbergt die Stadt ein imposantes Kulturerbe. Quelle: dpa
Dongguan hat 8,2 Millionen Einwohner. Sie liegt östlich des Perlflusses an der Mündung in das chinesische Meer. Viele Auslandschinesen in Hongkong stammen aus Dongguan. Quelle: Reuters

Doch all das macht sich klein aus gegen das, was die Regierung für Kashgar geplant hat. Verwinkelte Gassen führen in der 2000 Jahre alten Altstadt zwischen windschiefen Lehmhäusern hindurch. Ab und an erlangt man einen Blick in einen der mit Bäumen bewachsenen Innenhöfe. Überall liegt der Geruch von gegrilltem Lammfleisch in der Luft. Männer mit langen Bärten und Kaftanen verkaufen Teppiche, in bunten Gewändern verschleierte Frauen huschen mit Kindern die Gassen entlang.

Ausländische Journalisten sind nicht gern gesehen und dürfen nur in drei Hotels der Stadt übernachten. Eine halbe Stunde nach Check-in erscheint die Polizei und fragt, was man hier zu suchen habe.

Seit 2008 modernisiert die chinesische Regierung Kashgar mit brachialen Mitteln. Ein Großteil der jahrhundertealten Lehmhäuser ist bereits durch Ziegelbauten ersetzt, auf die eine muslimisch anmutende Fassade angebracht wird. Die neuen Häuser sind stabiler, haben Strom und Wasser – doch wirkt die jahrtausendealte Karawanenstadt immer mehr wie ein Museum.

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