WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Terroristen in Xinjiang Chinas wilder Westen

Seite 3/3

Von der Oasenstadt zur Metropole

Weiter draußen Richtung Flughafen stampfen Wanderarbeiter aus ganz China Wohnungen für Tausende von Menschen aus dem Boden. „Kashgar Development Zone“ steht in großen Lettern vor einer Baustelle. Daneben ein Bild zweier Türme: Hier soll das neue Wahrzeichen Kashgars entstehen, zwei 280 Meter hohe Zwillingstürme. Mit der uigurischen Oasenstadt hat das nichts mehr zu tun. 2020 soll hier eine Million Menschen leben, dreimal so viele wie heute. Die meisten Neubewohner werden Han-Chinesen sein.

Im Mai 2010 wurde in Kashgar eine 100 Quadratkilometer große Freihandelszone eingerichtet. Vorbild ist die Metropole Shenzhen in Südchina, von der aus einst die wirtschaftliche Öffnung des gesamten Landes begann. Kashgar soll in den nächsten Jahren zu einem zentralasiatischen Handelszentrum werden. Die Pläne sind ambitioniert: Eine Eisenbahnstrecke soll Kashgar mit Gadar, einem Hafen in Pakistan verbinden, eine Pipeline Öl von dort nach China bringen. Auch eine Bahnverbindung nach Teheran ist im Gespräch.

In einem kleinen Café in Kashgar sitzt Salahuddin Nadir und legt fünf Edelsteine von der Größe eines Fingernagels auf den Tisch. 1500 Yuan, rund 200 Euro, kostet einer. Die Steine erhält er jenseits des Pamir-Gebirges in Afghanistan und Pakistan. Hier, auf der chinesischen Seite, verkauft er sie und deckt sich mit iPhones und anderen Elektroartikeln ein.

Einmal die Woche fährt er auf dem Karakorum Highway von Pakistan über die Grenze nach China. Die einzige Verbindungsstraße zwischen beiden Ländern windet sich von der alten Oasenstadt Kashgar das Pamirgebirge hinauf. 1200, 3600 und schließlich 4700 Meter, zum höchsten Grenzübergang der Welt. Links und rechts erheben sich drohend Gletscher und Felsen. Bäume wachsen auf dieser Höhe nicht mehr. Die wenigen Menschen, die es in diese lebensfeindliche Region verschlagen hat, sind kirgisische Nomaden, die von der Yak- und Schafzucht leben.

Den Chinesen geht es besser

Die übrigen Menschen, die der pakistanische Familienvater auf seiner Fahrt sieht, sind chinesische Wanderarbeiter. Unterwegs zu der letzten größeren Stadt vor der Grenze, Tashkurgan, ist die Straße immer wieder unterbrochen. Firmen aus Südostchina erweitern den Highway. Denn der Handel mit Pakistan und anderen zentralasiatischen Ländern soll massiv ausgebaut werden. Laut Daten des chinesischen Wirtschaftsministeriums ist das Handelsvolumen zwischen China und zentralasiatischen Staaten zwischen 1992 und 2013 von wenigen Millionen auf 40,2 Milliarden Dollar gestiegen. Das Potenzial hält Peking für weitaus höher.

Ausland



Tatsächlich sind die meisten Bewohner Kashgars nicht gut auf Chinesen zu sprechen. „Wir haben nichts gegen die Modernisierung“, sagt Hussein, ein 30-jähriger Restaurantbesitzer. „Aber sie geht zu schnell, und wir haben nichts mitzureden. In ein paar Jahren ist das hier eine chinesische Stadt geworden.“ Mehmet, der junge Uigure aus Urumqi, klagt ebenfalls: Fast alle Regierungsstellen seien mit Chinesen besetzt. Wie überall im Land seien viele Beamten korrupt und betrieben Vetternwirtschaft – davon profitierten nur die Chinesen.

„Natürlich geht es allen besser hier“, sagt Mehmet, der junge Uigure. „Nur geht es den Uiguren ein bisschen, den Han-Chinesen aber viel besser.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%