Thailand-Konflikt Unternehmer setzen auf das Militär

Die Armee in Thailand hat das Kriegsrecht verhängt - und viele Unternehmer begrüßen die Entscheidung. Sie hoffen auf ein Ende des lähmenden Machtkampfs.

Unruhen, politische Machtkämpfe, Kriegsrecht: Die Schreckensmeldungen aus Thailand überschlagen sich. Dabei sieht die Realität komplett anders aus. Quelle: REUTERS

Die Nachrichten klangen nicht gerade beruhigend: Soldaten marschieren in Bangkok auf, Militärautos blockieren Straßenkreuzungen, Generäle rufen das Kriegsrecht aus. Aus Sicht von Rolf-Dieter Daniel sind die Meldungen schon beinahe geschäftsschädigend: "Das klingt ja fast so, als wären wir hier in der Ukraine", sagt der Geschäftsführer des Schreibwarenherstellers Staedtler in Thailand. "Die Realität sieht komplett anders aus: Man kann hier hier ganz normal arbeiten, auf die Straße gehen, Geschäfte machen."

Dass sich das thailändische Militär unter Berufung auf ein 100 Jahre altes Gesetz weitreichende Machtbefugnisse gesichert hat, bewerteten viele politische Kommentatoren im Ausland kritisch. Doch bei Unternehmern in Thailand wird am zweiten Tag unter dem sogenannten Kriegsrecht eine andere Sichtweise auf die Geschehnisse deutlich: Sie hoffen, dass das Kommando der Generäle zu einem Ende des Machtkampfs führen könnte, der seit Monaten die Wirtschaft des Landes lähmt.

Armee in Thailand verhängt Ausnahmezustand

Denn die thailändische Gesellschaft ist tief gespalten und ihr Konflikt festgefahren: Anhänger der Opposition fordern den Rücktritt des Kabinetts und eine umfassende Wahlrechtsreform. Unterstützer der Regierung fürchten um ihren Einfluss. Ihre Vertreter in der Übergangsregierung klammern sich deshalb an die Macht.

Generäle als Vermittler

"Beide Seiten zeigten sich zuletzt nicht kompromissbereit", sagt Staedtler-Geschäftsführer Daniel, der auch Präsident des des europäisch-südostasiatischen Wirtschaftszentrums (EABC) ist. Er glaubt, die Generäle könnten nun eine Vermittlerrolle einnehmen: "Wenn das Militär neutral bleibt, hat es die Möglichkeit, die Parteien wieder an den Verhandlungstisch zu bringen und die Pattsituation aufzulösen."

Mit dieser Meinung ist er nicht allein: Das Kriegsrechts könne Thailand helfen, die politische Hängepartie des vergangenen halben Jahres zu beenden, sagte Andrew Colquhoun, Asien-Pazifik-Analyst der Ratingagentur Fitch. Diese Hoffnung haben auch lokale Wirtschaftsvertreter: Das Einschreiten der Armee zeige, dass Thailand in der Lage ist, Frieden und Ordnung wiederherzustellen, sagte Isara Vongkusolkit, der Vorsitzende der thailändischen Handelskammer. Er betonte jedoch, dass es sich dabei aber nur um eine vorübergehende Lösung handeln könne.

Die Führung des Industrieverbandes FTI zeigte sich ebenfalls zuversichtlich: "Ich glaube, dass das Kriegsrecht die politischen Spannungen verringern und Verhandlungen zwischen den beiden Seiten den Weg ebnen wird", kommentierte Kriangkrai Thiennukul, Vize-Vorsitzender der Organisation. Der Druck, eine Lösung zu finden, ist groß: "Sechs Monate an politischen Unruhen haben der Wirtschaft schwer geschadet", sagt Kriangkrai.

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