WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Tourismusboom in Japan Chinas Touristen überwinden Vorurteile

Seite 2/2

Rückwirkungen auf die Politik

„Viele Japaner wissen gar nicht, wie schlecht das Bild unseres Landes in China lange Zeit war“, sagt Masaki Hirata. Der Vorstand der nationalen Tourismusorganisation kann sich die Jubelmeldungen dieser Tage allesamt selbst ans Revers heften. Bis vor Kurzem hatte er einen ungleich undankbareren Job: Als Vertreter der Tourismusbehörde sollte er von Shanghai aus Chinesen die Reise nach Japan schmackhaft machen. „In chinesischen Filmen gilt bis heute: Der Bösewicht muss ein Japaner sein“, erzählt Hirata. In der Gesellschaft aber habe sich dieses Bild in den vergangenen Jahren immer mehr von den Ansagen der Partei entfernt: „Gerade Chinesen, die auf eigene Faust nach Japan reisen, kommen mit einem persönlichen, sehr positiven Bild zurück, das sie auch weitergeben.“

So benehmen Sie sich in Japan richtig

In Zahlen spiegelte sich das lange Zeit nur bedingt. Denn die Masse der Chinesen kommt bis heute mit zentral organisierten Schiffstouren nach Japan, das ist die günstigste Art zu reisen. Der geschäftliche Erfolg der Reiseveranstalter wiederum hängt vom Wohlwollen der Partei ab. Wenn das politische Klima sich verschlechtert, so wie zuletzt 2013, als Japans Premier Shinzo Abe den umstrittenen Yasukuni-Schrein besuchte, nehmen viele Veranstalter Japan-Reisen aus dem Programm, um ihren Ruf nicht zu gefährden.

Doch der Anteil individueller Reisen wächst, günstige Urlaubsairlines bieten Direktflüge in viele chinesische Städte jenseits der Küstenregion. „So eine Route gibt kein Unternehmen von heute auf morgen wieder auf, wenn es zu einer kleinen diplomatischen Krise kommt“, sagt Okawara, dessen Institut sich seit Jahren um den Austausch zwischen Japan und China auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene bemüht. „Der Tourismus wird keinen echten Konflikt verhindern, aber er sorgt dafür, dass sich die Menschen aus Japan und China verständnisvoller begegnen“, sagt Okawara.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Zudem vertieft er die wirtschaftlichen Abhängigkeiten – mit Rückwirkungen auf die Politik. Gerade wird in Japan über den Neubau eines Stützpunkts der amerikanischen Armee auf der Insel Okinawa diskutiert. Die Wirtschaft auf der Insel war wegen der erwarteten Aufträge zunächst glühend dafür. Jetzt aber dreht sich die Stimmung, man fürchtet um die Attraktivität der Insel für chinesische Touristen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%