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Transatlantischer Handel „Wir brauchen mehr Harley-Davidson-Entscheidungen“

Donald Trump: EU-Zölle zeigen durch Harley Davidson erste Wirkung Quelle: dpa

Zum ersten Mal merkt US-Präsident Trump, dass die europäischen Gegenmaßnahmen zu den Stahlzöllen weh tun. Unternehmen und Politik in Europa haben allerdings keinen Grund zur Erleichterung.

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Diese Runde geht an Europa. Die Entscheidung des Motorradbauers Harley Davidson, seine Produktion künftig teilweise nach Europa zu verlegen, beweist, dass die europäischen Gegenmaßnahmen zu den US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium durchaus Wirkung entfalten. Wenn ausgerechnet eine US-Ikone wie Harley Davidson reagiert und damit den Zorn von US-Präsident Donald Trump auf sich zieht, dann ist in Europa die Genugtuung groß.

Doch der eine Treffer nützt den Europäern noch nicht viel. Am Schluss könnten sie als Verlierer dastehen. Und überhaupt sind es bizarre Zeiten, wenn Handelspolitik große Ähnlichkeiten mit einem Box-Match aufweist. „Trump sieht Handelspolitik ausschließlich als Kampfinstrument“, sagt ein deutscher Wirtschaftsvertreter. Für Trump sei der Warenaustausch – über den Atlantik, aber auch in andere Weltgegenden – ein Prozess, in dem es nur Sieger und Besiegte gibt.

Die europäische Automobilindustrie stellt sich bereits fest darauf ein, dass Trump nach den Zöllen auf Stahl und Aluminium auch Pkw mit zusätzlichen Abgaben belegen wird. „Es ist nicht ein Frage des ob, sondern des wann“, sagt ein Vertreter. Strafzölle auf Autos wären ein Frontalangriff auf Europa - und allen voran auf Deutschland.

Politik und Unternehmen sind gleichermaßen ratlos, wie sie auf Trumps aggressives Vorgehen reagieren sollen. „Unsere Maßstäbe, wie Politik gemacht wird, funktionieren nicht mehr“, sagt ein Unternehmensvertreter. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will noch in den kommenden Wochen nach Washington fliegen, um Trump die Automobilzölle auszureden. Seine Mitarbeiter bereiten umfangreiches Zahlenmaterial vor, um etwa zu illustrieren, wie viele Jobs deutsche Automobilbauer in den USA geschaffen haben (116.000) und wie viele Fahrzeuge alleine bei BMW aus den USA in den Export gehen (70 Prozent). Doch die Branche erhofft sich von dem Besuch wenig. Trump sei so von dem Thema Handelsbilanz besessen, dass andere Zahlen und Fakten ihn nicht interessierten.

Deutsche Unternehmensvertreter, die sich mit US-Kollegen unterhalten, bekommen wenig Erfreuliches zu hören. Trump denke in einem Freund-Feind-Schema, in dem Kompromisse nicht möglich seien.

Die Hoffnungen, mit Trump Zollsenkungen bei Pkw zu vereinbaren, sind deswegen auch sehr gering. In Europa gibt es durchaus Bereitschaft, den Zoll von zehn Prozent auf importierte Pkw zu senken. Allerdings müssten die Amerikaner dann auch den Zoll von 25 Prozent auf Pick-Ups runterfahren. Und auf ein solches Gegengeschäft wird er sich wohl kaum einlassen.

Nicht nur europäische Unternehmen klagen über Trump. Große US-Konzerne haben dieselben Probleme: Trump ist für ihre Argumente nicht empfänglich. Das Washingtoner Lobby-Geschäft hat Trump völlig ausgehebelt. Früher heuerten US-Konzerne den Republikanern oder den Demokraten nahestehende Lobby-Firmen an – je nachdem, wer im Weißen Haus regierte. Seit Trump im Amt ist, hat keine dieser Firmen Zugang zum Präsidenten.

Europäische Unternehmensvertreter erhalten von US-Kollegen den Rat, sie sollten auf Guerilla-Taktik setzen. „Wir brauchen mehr Harley-Davidson-Entscheidungen“, heißt es in Brüssel. Harte Gegenmaßnahmen seien die einzige Sprache, die Trump verstehe. Das macht einen handfesten Handelskrieg allerdings wahrscheinlicher. In Europa rätseln Unternehmen, welche Branche Trump als nächstes ins Visier nehmen wird. Die Chemie fürchtet Trumps Taktik genauso wie Unternehmen, die in den USA viele Staatsaufträge abbekommen.

Entschließt sich Trump zum Frontalangriff und belegt europäische Pkw künftig mit 25 Prozent Strafzoll, dann werden deutsche Hersteller wohl einen Teil ihrer US-Produktion nach China verlegen, um den Markt direkt zu bedienen. Die US-Wirtschaft würde darunter leiden. Bei Autozöllen müsste Europa vor allem überlegen, wie es politisch reagiert. In Brüssel geht man davon aus, dass eine zweite Liste mit Gütern erstellt wird, die Europa mit Strafzöllen belegen wird nach Harley Davidson und Erdnussbutter. Die EU-Kommission hat Interesse daran, die Liste rasch fertigzustellen. Die Suche nach einer zweiten Ikone vom Schlage der Motorradbauer hat begonnen.

Gestiegene Nachfrage beim Harley-Davidson-Händler
Harley-Geschäft Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Gas-Griff in Form einer Revolver-Trommel Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Harley-Davidson Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Schaufensterpuppe mit Harley-Davidson-Accessoires Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Jemand schraubt an einem Reifen Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Harley-Garage Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche
Düsseldorfer Harley-Davidson-Händler Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche

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