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Treuhand-Modell Der Masterplan für Griechenland

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Schnelle Erholung

Welch ein Kontrast zu dem, was vergangene Woche auf Telefonkonferenzen zwischen Athen, Brüssel, Frankfurt und Washington vereinbart wurde. Renten, die 1200 Euro übersteigen, werden um 20 Prozent gekürzt. Frührentner unter 55 müssen sogar auf 40 Prozent der Renten oberhalb von 1000 Euro verzichten. 30.000 Angestellte des öffentlichen Sektors müssen zum Jahresende ihre Stellen räumen. Weitere Beschlüsse betrafen die Kürzung des Freibetrags bei der Einkommensteuer, die geplanten Privatisierungen, die Öffnung von Berufszugängen und die Reorganisation öffentlicher Unternehmen. Mag all das zur Konsolidierung des griechischen Staates unerlässlich und längst überfällig sein – die ganze Richtung der aktuellen Rettungspolitik scheint dennoch derzeit nur in immer größeres Chaos zu führen: die Wirtschaft bricht ein, die Schulden steigen, eine Wende zum Besseren ist nicht in Sicht. Trotzdem überweist die Troika aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) immer weitere Milliarden, nur um die Staatspleite Griechenlands aufzuhalten und eine für die Euro-Zone fatale Kettenreaktion zu verhindern.

Bringt Eureca Die Rettung?

Ein Fall für Wittig und seine Leute: „Wenn wir uns die Bilanz Griechenlands anschauen, dann haben wir hohe Schulden und eine viel zu kleine Erfolgsrechnung“, analysiert der Chef von Roland Berger kühl und schlägt vor, „was man in jeder anderen Sanierung auch machen würde: Man schaut, welche Vermögensbestandteile nicht betriebsnotwendig oder schlecht genutzt sind und sucht nach Lösungen, diese möglichst geschickt zu verwerten.“

In einem ersten Schritt schlagen die Strategen von Roland Berger daher die Gründung einer Treuhandanstalt vor. Diese soll gezielt ausgewählten staatlichen Besitz bündeln. „Welche Vermögen in die Treuhand übernommen werden, entscheidet der griechische Staat“, sagt Wittig. Infrage kämen „ausgewählte Vermögensgegenstände, die gut zu privatisieren sind und die in vielen anderen Ländern auch privatisiert sind, also Häfen, Flughäfen, Autobahnen, Versorgungsunternehmen und Immobilien, aber nicht Kulturgüter“. Die Akropolis unter EU-Kuratel, dieses Schreckensszenario müssen die Hellenen also nicht fürchten. Dennoch soll sich das griechische Treuhand-Vermögen auf 125 Milliarden Euro summieren, so sieht es das Projekt Eureca vor – und für diesen Betrag soll es dann der griechische Staat komplett an eine Institution der EU übertragen.

Logische Sekunde

Der Clou dabei: Der Gegenwert des griechischen Staatsschatzes bereichert die Staatskasse in Athen nur für eine logische Sekunde. Danach fließen 60 Milliarden Euro in die Tilgung der griechischen Schulden bei den Euro-Ländern und 65 Milliarden Euro an den Rettungsfonds EFSF, der damit der Europäischen Zentralbank die von ihr aufgekauften hellenischen Staatsanleihen abnehmen soll und, soweit das Geld dann noch reicht, weitere Staatsanleihen aufkauft.

Der Effekt wäre ein doppelter: Griechenlands Staatsverschuldung, so rechnet Eureca-Urheber Krall vor, würde „auf einen Schlag von derzeit 145 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf rund 90 Prozent sinken“. Die Frankfurter Notenbank wäre einen Großteil ihrer Sorgen los, sie hätte dann „kein direktes Risiko aus Griechenland-Anleihen mehr“. Zwar säße sie noch auf geschätzten 100 Milliarden Euro Sicherheiten, die sie zwecks Liquiditätsversorgung von griechischen Banken in ihre Bücher genommen hat. Doch auch hier wäre Erleichterung in Sicht: Die schlagartige Senkung des Schuldenstands würde auch die griechische Zinslast reduzieren, dem griechischen Haushalt mehr Luft verschaffen – und in der Folge griechische Staatsanleihen wieder werthaltiger machen.

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