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Treuhand-Modell Der Masterplan für Griechenland

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Ein Marshallplan

Prinzip Hoffnung

Um die Chancen der Privatisierung des Treuhandvermögens zu erhöhen, sollen die EU-Länder nochmals 20 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Dazu addiert der Berger-Plan auch die 15 Milliarden Euro an EU-Strukturhilfemitteln, die in Brüssel derzeit ungenutzt herumliegen, weil Griechenland die Zuschüsse mangels eigener Mittel nicht abrufen kann. Insgesamt stünden so 35 Milliarden Euro für Investitionen in das ehemals griechische Staatsvermögen bereit, die vor allem dem Ziel dienen sollen, die einzelnen Vermögensbestandteile möglichst gewinnbringend in private Hände zu geben.

Der Effekt auf die griechische Wirtschaft wäre nicht zu unterschätzen. „Das wäre, als ob Deutschland ein 400-Milliarden-Euro-Konjunkturprogramm starten würde“, sagt Krall. Griechenlands Wirtschaftswachstum, so seine Erwartung, würde von minus fünf auf plus fünf Prozent hochschnellen, das Steueraufkommen würde sich um vier Prozent vom BIP erhöhen.

An dieser Entwicklung kämen die Ratingagenturen nicht vorbei. Weniger Zinsausgaben und höhere Steuereinnahmen machen es dem griechischen Staat leichter, seinen Schuldendienst zu bedienen. Rechnet man beide Effekte zusammen, glaubt Krall, müssten die Agenturen die Bewertung griechischer Anlagen nach oben korrigieren. Selbst ein A-Rating hält Krall für erreichbar: „Das ginge sehr schnell.“

Um den Griechen die Entscheidung zusätzlich zu erleichtern, haben die Strategen von Roland Berger noch ein Zückerchen in petto. Um die Finanzierung und nötigen Investitionen wieder hereinzuholen, so der Plan, soll das für 125 Milliarden Euro erworbene Treuhandvermögen für rund 180 Milliarden Euro an den Mann gebracht werden. Doch „wenn es am Ende aus dem Verkauf des Treuhandvermögens mehr Erlöse gibt, als am Anfang angedacht worden ist, dann soll Griechenland davon profitieren“, sagt Wittig. Im Klartext: Was über die 180 Milliarden hinausginge, flösse nach Athen. Die Rede ist also von einem Besserungsschein, dessen Höhe Griechenland ein Stück weit selbst beeinflussen kann. Strukturreformen, darunter vor allem der Aufbau eines funktionierenden Katasterwesens, einer unabhängigen Justiz und einer effektiven Steuerverwaltung sowie der Abbau von Korruption könnten die Investitionsbedingungen enorm verbessern – und damit auch das Interesse in- und ausländischer Geldgeber. Genügend Zeit dafür wäre vorhanden. Der Eureca-Plan sieht für die Verwertung des Treuhandvermögens einen Zeitraum von 15 Jahren vor.

„Das Ende der Agonie“ verspricht sich das frühere Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Ronaldo Schmitz vom Projekt Eureca. Und tatsächlich setzt das Programm den Hebel an den drei entscheidenden Schwachpunkten an: Verschuldung, niedrige Produktivität und Intransparenz. Alle drei Punkte spielen auch eine Rolle, warum es derzeit mit den Privatisierungen nicht klappt. Unter hohem Zeitdruck in überwiegend intransparenten Verfahren unrentable Unternehmen zu verkaufen, das sind nach den Erfahrungen der Sanierer von Roland Berger alles andere als günstige Voraussetzung.

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