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Treuhand-Modell Der Masterplan für Griechenland

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Verschiedene Euromünzen Quelle: Ronald Wittek/dapd

Doch bis es so weit ist, muss die Idee noch viele Hürden nehmen. Sowohl in Athen als auch in Berlin, Brüssel und Paris hat das Thema auf der politischen Agenda noch keine allzu hohe Priorität. „Die griechische Regierung hat bislang großen Wert darauf gelegt, ihre souveränen Rechte wahrzunehmen“, sagt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Zudem zweifelt er, ob es gelingen wird, das Treuhandvermögen in kurzer Zeit und in ausreichendem Volumen zusammenzubekommen. „Einfach aufzulisten, welche privatisierungsfähigen Vermögenswerte Griechenland hat, und irgendwelche Werte hinzuschreiben reicht nicht“, sagt Schäuble. Man müsse vielmehr „auch Investoren finden, die Mittel bereitstellen“. Doch rundweg ablehnen will der Finanzminister den Vorstoß nicht. „Diese Überlegung liegt auf der Linie, in der wir auch denken.“

Keine Blaupause für Italien

Ist der Brandherd Griechenland erst einmal gelöscht, besteht auch weniger Gefahr, dass der Krisenfunke auf andere Wackelkandidaten der Euro-Zone überspringt – wie zum Beispiel auf Italien. Europas Banken müssten dann nicht mehr vor einer unkontrollierten Griechenland-Pleite zittern, das Vertrauen untereinander könnte wieder wachsen. Das würde die Euro-Krise beherrschbar machen, auch nachdem Standard & Poor’s die Bonität italienischer Staatsanleihen von A+ auf A gesenkt hat. Immerhin lautete die Begründung, Italiens Wirtschaft wachse zu schwach, und es fehle das Vertrauen in die Regierung, die weitere Konsolidierung des Staatshaushalts ernsthaft in Angriff zu nehmen.

Eureca würde so Italien allenfalls etwas mehr Zeit geben, sein eigentliches Kernproblem anzugehen. Und das ist nach einer Analyse der Commerzbank nicht das Haushaltsdefizit, sondern die geringe Produktivität seiner Wirtschaft, die seit 2005 je Arbeitsstunde nur um 0,8 Prozent gestiegen ist – verglichen mit einem Plus von fünf Prozent im Euro-Raum.

Dagegen aber würde auch eine italienische Variante von Eureca nichts ausrichten. Allenfalls könnte von einem ähnlichen Programm Portugal profitieren, ein Land, in dem ähnlich wie in Griechenland ein großer staatlicher Sektor relativ geringer privater Wirtschaftsaktivität gegenübersteht. So gesehen bietet das Versäumnis der Griechen, in der Vergangenheit den staatlichen Sektor grotesk aufgebläht zu haben, jetzt eine Chance. Nämlich die, sich von ihm radikal zu trennen. Doch, so Wittig: „Griechenland muss selbst entscheiden, ob es diesen Weg gehen will, es wäre für das Land ein aktiver Befreiungsschlag.

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