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Trump Schaulaufen in Manhattan

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Ein Präsident wie aus dem Silicon Valley Brutkasten

Doch die Tech-Branche und Trump sind sich weit näher als angenommen. Was sich daran zeigt, dass die Aktien ihrer Größen entgegen vieler Prognosen kaum gefallen sind oder sogar zugelegt haben. Das liegt nicht nur daran, dass Trump erwägt, die Unternehmenssteuer um zwei Drittel zu senken und die Auslandsvermögen der Tech-Giganten – allein bei Apple, Microsoft und Google fast 400 Milliarden Dollar – zu steuerlich günstigen Konditionen zum Reinvestieren in die USA zurückzuholen. Oder die Netzneutralität wieder abschaffen will, die Startups gleiche Konditionen wie den Konzernen beim Zugang zum Internet einräumt. Was für weniger Wettbewerb für gestandene Internet-Größen wie Google, Amazon und Facebook führt, auch wenn diese öffentlich dagegen opponieren. Trump, so die Hoffnung bei Google, Apple, Microsoft und Amazon, wird zudem den europäischen Wettbewerbshütern klarmachen, dass er keine Milliardenstrafen für seine Vorzeigeunternehmen ohne Vergeltung akzeptieren wird.

Tatsächlich ist es doch so, dass Trump ein Präsident ist, wie ihn das Silicon Valley in einem seiner berühmten Brutkästen gepäppelt hätte, minus Rassismus versteht sich. Zumindest wenn es sein Mantra von der stetigen Veränderung ernst nimmt. Hillary Clinton hätte für ruhiges Fahrwasser gesorgt, ganz nach dem Motto „Weiter so“, geleitet von einem extra auf die Bedürfnisse des Silicon Valley zugeschnittenen Wirtschaftsprogramm. Das brachte ihr letztlich die Niederlage bei den Wählern ein, die sich vom Effizienzwahn der Tech-Elite und deren Hightech-Roboter und Algorithmen bedroht sehen.

Dilettantisch vielleicht, aber anders

Trump hingegen muss Veränderung inszenieren, mit möglichst viel Getöse. Nicht nur weil er sie im Wahlkampf vollmundig versprochen hat, sondern weil er gar nicht anders kann. Er muss wie ein naiver Gründer agieren, der nur eine Chance hat, weil er ausgetretene Pfade verlässt, Regeln verletzt und Überraschendes tut. Was Trump in den vergangenen Wochen gleich mehrfach getan hat, nicht zuletzt mit seinem Schattenkabinett aus vermögenden Unternehmern. Deren Auswahl und Interessenskonflikte lässt Verwaltungsexperten und Berufspolitikern die Haare zu Berge stehen. Doch schon weil die in der Wirtschaft geschulten Amateure noch nie eine öffentliche Behörde geleitet oder Gesetzgebung vorangetrieben haben, werden sie anders vorgehen. Dilettantisch vielleicht zum Start, auf jeden Fall aber anders. Die große Frage ist, wieviel kreative Zerstörung die Gesellschaft aushalten kann, ohne Schaden davonzutragen.

Die Schattenseiten vom Wandel ist das Scheitern. Trump kennt sich auch hier aus. Und das ist das große Korrektiv. Denn der nächste US-Präsident kann kein Interesse daran haben, dass sein Exportschlager Hightech-Industrie ins Trudeln gerät. Das werden ihm seine Einflüsterer von Goldman Sachs schon klarmachen. Ebenso wie die Führungsriege aus dem Silicon Valley. Dass er gewillt ist, dieser zuzuhören und deren Rat anzunehmen – Tesla-Gründer Elon Musk und Uber CEO Travis Kalanick werden seinem Wirtschafts-Strategiezirkel beitreten - ist schon mal ein Anfang.

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