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Trump in Davos Die Angst vor dem Handelskrieg

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"Wir wollen den freien Handel nicht abwürgen"

Wie ernst sind die Zoll-Drohungen?

Und die Frage des Protektionismus? Da wiederholt Mnuchin, was die US-Regierung seit Monaten sagt: „Wir wollen den freien Handel nicht abwürgen, wir wollen ihn nur für die USA fairer machen.“ Am Ende sei man als US-Regierung eben dem amerikanischen Arbeiter verpflichtet. Und der habe nun mal nur etwas von Handelsregelungen, von denen die USA profitieren.

Blackrock-Chef Fink versucht noch, dem ganzen etwas Positives abzugewinnen, indem er sagt: „Das jetzige internationale Handelsregime wurde nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet, als man noch dachte, Amerika geht es gut, wenn es allen Ländern gut geht. Dass man sich diese Regeln heute nochmal anschauen kann, ist nicht falsch.“ Das dürfe aber nicht dazu führen, Handel zu unterbinden.

Deutlich klarer ist da IWF-Chefin Lagarde. „Der freie Handel wächst international gerade stärker als die Weltwirtschaft. Alles, was den Handel einschränkt, ist deswegen eine Gefahr“, sagt sie. „Natürlich muss der Handel gut geregelt werden, aber das ist auch so möglich, dass er fair ist.“ Und die jüngsten Zölle der US-Regierung, Madame Lagarde? „Wer soll schon übereinstimmen mit Mitteln, die den Handel einschränken?“

Was allerdings auch vielen Managern klar ist: Auf China, das sich im vergangenen Jahr als Wortführer für einen freien Welthandel gerierte, ist in dieser Diskussion nicht zu zählen. Zum einen, weil die chinesische Regierung auf Trumps Schritt reagieren wird. „Der Druck in der chinesischen Bevölkerung wächst, Gegenmaßnahmen zu verkünden“, sagt die chinesisch-stämmige Ökonomin Jin Kyu aus Los Angeles. Zum anderen, weil China per se, wie auch viele deutsche Manager mittlerweile offen einräumen, eine Politik des „China First“ in Handelsfragen durchsetzt.

Und Europa?

Also richten sich die Blicke gen Europa. Neben der französischen IWF-Chefin betonen auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie sehr sie für Freihandel eintreten. Das Problem ist nur: So richtig ist den Europäern bisher kein wirksames Gegenmittel eingefallen. Es bleibt bei Appellen. Ideen, was man Trumps Truppe entgegensetzen könnte? Sie bleiben vage.

Zumal freier Handel, das betonen in Davos viele, in diversen europäischen Gesellschaften auch nicht zwingend mehrheitsfähig ist. „Deswegen“, nimmt Lagarde auch Manager in die Pflicht, „müssen wir für eine Wirtschaft sorgen, die mehr Menschen einbezieht. Unternehmen, die vom freien Handel profitieren wollen, müssen auch dafür sorgen, dass alle in einer Gesellschaft an diesen Profiten teilhaben können.“

Die illustre Gästeliste des Weltwirtschaftsforums
Donald Trump Quelle: AP
Angela Merkel Quelle: AP
Der Microsoft-Gründer Bill Gates ist einer der Redner beim Weltwirtschaftsforum. Zusammen mit Mark Zuckerberg, Gründer und Facebook-CEO, hat er eine Leseliste zum Wirtschaftstreffen herausgegeben. Darauf findet sich unter anderem „Gewalt: Eine Geschichte der Menschheit“ vom amerikanischen Psychologen Steven Pinker, das die Entwicklung des menschlichen Hangs zu Gewalt beschreibt. Quelle: Reuters
Theresa May Quelle: dpa
Der preisgekrönte Musiker vertritt in Davos besonders die von ihm gegründete Aids-Foundation. Anfang der 90er-Jahre rückte er das Thema HIV verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit und sammelte mit seinen beiden Wohltätigkeitsstiftungen über 385 Millionen Dollar ein, um Menschen zu helfen, die an HIV/Aids erkrankt sind. Quelle: AP
Macron Quelle: AP
Der spanische König Felipe VI. wird sich beim Weltwirtschaftsforum mit internationalen Spitzenpolitikern und Vertretern der Wirtschaft treffen. In Katalonien hat der Monarch im Moment keinen guten Stand: Viele Katalanen hatten im vorgeworfen, im Konflikt um die Unabhängigkeit der spanischen Region sich auf die Seite des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy gestellt zu haben. Quelle: dpa

So macht sich eine gewisse Ratlosigkeit breit in Davos, in welche Richtung sich die Debatte entwickelt. Viele hoffen, dass ein Empfang von Präsident Trump mit europäischen Unternehmenschefs am Donnerstagabend Klarheit bringt. Oder spätestens seine Rede am Freitag.

Ob die viel Anlass für Optimismus geben wird? „Der Präsident macht alle Änderungen an seiner Rede selbst“, sagt Mnuchin. „Sie wird ganz von seinen Gedanken getrieben.“ Viele in Davos empfinden das als Drohung.

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